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Aus der Stadt Apotheker betrügt Kassen um 290.000 Euro
Hannover Aus der Stadt Apotheker betrügt Kassen um 290.000 Euro
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20:25 06.03.2013
Von Mathias Klein
Quelle: dpa
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Hannover

Der kleine Mann auf der Anklagebank des Amtsgerichts Hannover spielt nervös mit den Händen. Wenn die Richterin Svenja Tittelbach-Helmrich ihn etwas fragt, denkt er oft lange nach. Immer wieder sucht er Blickkontakt mit seiner Frau, bevor er leise antwortet. „Irgendwann nahm es überhand, so dass ich es gar nicht mehr kontrollieren konnte“, berichtet er.

Mohamed B., zwischenzeitlich Inhaber von insgesamt vier Apotheken in Hannover, Springe, Eldagsen und Empelde hat zwischen 2007 und 2011 Krankenkassen um mehr als 290000 Euro betrogen. Er hat Rezepte von Arztpraxen, mit denen diese zum Beispiel Impfstoffe oder Verbandsmaterial bestellt haben, manipuliert. Mal hat er bei den Mengenangaben eine Zahl verändert, mal eine Null drangehängt. „Ich hatte keine besondere Methode“, berichtet er am Mittwoch auf der Anklagebank. „Es war für mich wie ein Kick“.

Die Arztpraxen erhielten die ursprünglich angeforderten Mengen, B.rechnete mit den Krankenkassen allerdings die nachträglich erhöhte Stückzahl ab. Als der Betrug schließlich auffiel, wurde aus B. ein reuiger Sünder. Den aus seinen Betrügereien eingenommenen Gewinn gab der zweifache Familienvater aus Ronnenberg nicht für ein Luxusleben aus, sondern hütete das Geld auf seinem Bankkonto. Der Schaden ist inzwischen längst ersetzt, die Kassen haben ihr Geld zurück.

Angeklagt war der Apotheker wegen Betrugs und Urkundenfälschung in 51 Fällen. Richterin, Verteidiger und Staatsanwältin hatten sich bereits vor der Verhandlung zum Gespräch getroffen. „Das Gericht hat signalisiert, dass es im Falle eines Geständnisses eine zweijährige Bewährungsstrafe in Aussicht stellt“, berichtet die Richterin danach im Prozess. Genauso kommt es dann auch. B. habe sich selbst von Anfang an an der Aufklärung beteiligt, hebt Tittelbach-Helmrich hervor. „Und ich habe den persönlichen Eindruck, dass sie die Taten bereuen und sich ehrlich entschuldigen“, meint die Richterin. Belastend habe sich der lange Zeitraum der Betrügereien, das planmäßige Vorgehen und die enorme Schadenshöhe auf das Urteil ausgewirkt.

Mit der Bewährungsstrafe sind für B. die Probleme nicht beendet. Er muss jetzt in einem Verfahren vor der Apothekerkammer um seine Zulassung als Apotheker kämpfen. Richterin Tittelbach-Helmrich macht ihm dafür Hoffnung. „Das mag ihnen gelingen, wenn sie dort auftreten, wie sie hier aufgetreten sind“, sagt sie in ihrer Urteilsbegründung.

Der Apotheker mit syrischen Wurzeln betreibt inzwischen nur noch eine Apotheke. Seit geraumer Zeit befindet er sich freiwillig in psychiatrischer Behandlung, weil er sich selbst zu immer größeren Erfolgen treiben wollte. Zeitweilig sei sein Traum der Aufbau einer großen Apothekenkette in der Region Hannover unter seiner Führung gewesen. Jetzt ist der Familienvater froh, wenn er seine Zulassung für die Apotheke in Empelde behalten kann.

Michael Zgoll 09.03.2013
Mathias Klein 06.03.2013
Veronika Thomas 06.03.2013