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Aus der Stadt Trockenfall in Linden
Hannover Aus der Stadt Trockenfall in Linden
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20:51 06.11.2013
Von Bernd Haase
Quelle: Küstner
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Das Kammerbecken in der Schleuse am Stichkanal zum Lindener Hafen ist leer, ebenso die beiden sogenannten Sparbecken links und rechts. Wo sonst Wasser steht, waten jetzt Männer in Gummistiefeln durch die restlichen Pfützen. Vor dem Wehr am Unterwasser liegen Arbeitsschuten mit Rohren, Schläuchen und Werkzeug. Das brauchen die Männer für die sogenannte Revision, also die Überprüfung der Schleuse. Dafür bleiben die Becken noch für eine gute Woche trocken; der Lindener Hafen ist bis dahin für Frachtschiffe nicht erreichbar. Eine Umleitung gibt es nicht.

Alle sechs Jahre müssen Schleusenbauwerke einer solchen Revision unterzogen werden, so schreiben es entsprechende Normen vor. Die Schleuse in Linden gehört zum Außenbezirk Lohnde des Wasser- und Schifffahrtsamts Braunschweig. Das hat vor die Schleusentore sogenannte Nadelwände einziehen lassen, also eine Art provisorisches Wehr aus Metallröhren, die verhindern, dass Wasser in die leeren Kammern nachfließen kann.

„Wir prüfen die Funktionsfähigkeit der Anlage, sehen nach möglichen Rissen in den Wänden“, sagt Thorsten Wenig, Leiter des Außenbezirks. Die stählernen Schleusentore müssen gereinigt und auf Korrosionsschäden überprüft werden. Außerdem holen die Mitarbeiter Schlamm aus den Kammern und den Sparbecken, die als eine Art Zwischenlager für das für die Schiffsschleusungen notwendige Wasser dienen. Dort muss unter anderem der Boden ausgebessert werden. „Man kann sich manchmal nicht vorstellen, was fließendes Wasser für eine Kraft entwickelt“, sagt Wenig. In den Sparbecken hat diese Kraft ausgereicht, um zentnerschwere Bodenplatten aus Beton aufschwimmen zu lassen. Es sieht aus, als hätte sie jemand durcheinandergeworfen.

In den kommenden Tagen wird die Schleuse auch von Experten begutachtet und benotet. Das ist ein wichtiger Vorgang, denn die Noten sind maßgeblich für den Investitionsbedarf und für die Investitionsplanung. Der dürfte in Linden hoch sein, denn die Schleuse ist fast 100 Jahre alt.
Die Ausgangslage war längere Zeit unklar. Eigentlich war vorgesehen, den Stichkanal bis zum Hafen so auszubauen, dass er auch für moderne Güterbinnenschiffe der neueren Generation passierbar ist. Das Vorhaben, das 200 Millionen Euro kosten sollte und auch eine Schleusenerweiterung mit sich gebracht hätte, war von der Stadt gewünscht worden, um den Hafen aufzuwerten. Anlieger hatten dagegen protestiert. Ende 2011 konnten sie aufatmen. Der Bund stoppte die Pläne, weil er andere Binnenschifffahrtsprojekte für wichtiger hielt.

Laut Wenig muss aber nun die Lindener Schleuse runderneuert werden. Ein technisches Bauwerk habe eben irgendwann einmal das Ende seiner Lebensdauer erreicht. „Es gibt Undichtigkeiten in den Wänden und an der Sohle. Auch das Pumpenhaus müssen wir modernisieren“, erläutert Wenig. „Je eher eine Sanierung passiert, desto besser ist es“, sagt er, kann aber noch keinen konkreten Zeitpunkt nennen. Alles in allem werde das Projekt einen Millionenaufwand mit sich bringen und sicherlich ein Jahr dauern.

Keine Schiffe? Kein Problem!

Eigentlich ist es der unmittelbare Daseinszweck eines Hafens, dass dort Schiffe anlegen. In Linden geht das derzeit nicht – wenn die Schleuse Richtung Mittellandkanal nicht benutzbar  ist, ist der Hafen für Schiffe nicht erreichbar.
„Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat uns die Arbeiten rechtzeitig angekündigt“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. „Die städtischen Häfen sind dann umgehend auf ihre Kunden zugegangen, um den Zeitraum zu überbrücken.“ Dies geschehe, indem Schiffstransporte verschoben oder Güter per Bahn an- und abtransportiert werden. Da Kunden und Hafenverwaltung sich mit derartigen Schleusensperrungen auskennen, ergeben sich keine unlösbaren Probleme.
Der Schiffsverkehr nach Linden ist ohnehin nicht sonderlich rege. Nach Angaben der Stadt steuern pro Jahr rund 100 Schiffe den Hafen an – im Schnitt also alle dreieinhalb Tage eines. Trotz der geringen Frequenz ist das Hafengebiet mit seinem zugehörigen Bahnanschluss ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Dort werden vor allem Altmetall, Treibstoffe und Containerware umgeschlagen; entsprechende Firmen haben auf dem Areal ihren Sitz. se

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