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Aus der Stadt Discounter schikaniert Mitarbeiterin
Hannover Aus der Stadt Discounter schikaniert Mitarbeiterin
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00:15 05.11.2014
Von Michael Zgoll
Die Verkäuferin eines Lebensmitteldiscounters hat ihren Arbeitgeber wegen fortgesetzten Mobbings verklagt. Der Prozess vor dem Arbeitsgericht endete mit einem Vergleich.
Die Verkäuferin eines Lebensmitteldiscounters hat ihren Arbeitgeber wegen fortgesetzten Mobbings verklagt. Der Prozess vor dem Arbeitsgericht endete mit einem Vergleich. Quelle: Symbolbild
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Sie sei ausgegrenzt und schikaniert worden, habe viele unbezahlte Überstunden leisten müssen und sei falschen Anschuldigungen wie übermäßigen Kontrollen ausgesetzt gewesen, so die Vorwürfe der Mitarbeiterin. Dies führte dazu, dass die heute 33-Jährige ein Burn-out-Syndrom mit Angstzuständen und Panikattacken erlitt und mehr als anderthalb Jahre krankgeschrieben war. Als Schadensersatz forderte sie einen Betrag von 5000 Euro. Nach mehr als zwei Jahren wurde das Verfahren vor dem Arbeitsgericht Hannover jetzt mit einem Vergleich beendet: Die Verkäuferin, die seit März 2014 wieder arbeitet, bekommt eine Sonderzahlung von 1000 Euro und wird in eine andere Filiale versetzt - dort hat sie nichts mehr mit dem Verkaufsleiter zu tun, von dem sie sich schikaniert fühlte.

Die Klägerin arbeitete seit 2003 für die Lebensmittelkette, die 2009 von einem anderen Konzern übernommen wurde. Bis 2011 war die Angestellte stellvertretende Filialleiterin, dann übernahm ein neuer Verkaufsleiter die Regie. In einer Reportage des ZDF-Magazins „Wiso“ hatte die Frau bereits 2013 geschildert, wie dieser Vorgesetzte sie wegen ihres etwas besser dotierten Altvertrags zu einer Stundenreduzierung drängte. Sie lehnte ab - und hatte von diesem Zeitpunkt an das Gefühl, dass ihr Arbeitgeber sie mit aller Macht aus dem Geschäft drängen wollte.

Von beschwerlichen Putzarbeiten auf Knien inklusive des Ausräumens erst kurz zuvor befüllter Regale war in der Verhandlung die Rede; in einer Bothfelder Filiale musste die Frau Mäusekot entfernen. Eine frühere Verkäuferin berichtete, dass sie mit der Klägerin keine gemeinsame Zeit im Pausenraum verbringen durfte: Die Filialleiterin habe ihr nahegelegt, den Kontakt zu der Kollegin zu meiden. Auch hatte die Zeugin beobachtet, dass die Kollegin häufig Opfer „urplötzlicher Kassenstürze“ war und wesentlich häufiger als andere kontrolliert wurde. Die Verkäuferin einer anderen Filiale erzählte, dass sie auf dem Computer im Marktleiterbüro eine Abmahnung gegen die 33-Jährige lesen konnte, darin wurden der Kollegin psychische Probleme unterstellt - eine Abmahnung, die alle Mitarbeiter lesen konnten, die aber offenbar niemals zugestellt wurde. Nach dreieinhalb Stunden Verhandlungsdauer zog die Vorsitzende Richterin Anke Kreß ein erstes Fazit: Aufgrund der Tatsache, dass ein wichtiger Zeuge fehle und andere Zeugen erhebliche Erinnerungslücken zu den Geschehnissen im Jahr 2011 hätten, empfehle sie der Klägerin, einen Vergleichsvorschlag der Beklagten anzunehmen.

Kreß nannte die insgesamt zehn Terminverschiebungen am Arbeitsgericht seit Herbst 2012 „unglücklich“; sie selbst sei inzwischen die sechste Richterin, die mit dem Fall befasst sei. Nach Rücksprache mit Anwältin Ute Winderlich stimmte die Verkäuferin dem Kompromiss zu. Ein Dutzend Zuschauer, die meisten noch oder früher bei dem Discounter beschäftigt, beglückwünschten die Klägerin. „Gut, dass du dich gewehrt hast“, sagte eine Mitarbeiterin. Arbeitsrechtlerin Winderlich hat seit 2009 rund 25 Prozesse gegen den Discounter geführt.

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