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Aus der Stadt Architektenwettbewerb City 2020 zeigt: Hannovers Innenstadt hat Potenzial
Hannover Aus der Stadt Architektenwettbewerb City 2020 zeigt: Hannovers Innenstadt hat Potenzial
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23:14 07.03.2010
Von Conrad von Meding
Der besonders geschätzte Entwurf: Aus einem Neubau an der Ecke Leibnizufer/Goethestraße blickt der Betrachter in dieser Computeranimation über die Marstallbrücke zum Beginenturm, dem gegenüber sich ein weiterer Neubau erhebt. Quelle: Kellner/Schleich/Wunderling mit Nagel/Schonhoff
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Ein „Feuerwerk der Ideen“ sei Hannover geschenkt worden, freute sich Stadtbaurat Uwe Bodemann nach der Jurysitzung im Städtebauwettbewerb City 2020. 28 internationale Büros – darunter fünf aus Hannover – haben Ideen für problematische Bereiche der Innenstadt entwickelt. Bei jeweils etwa zwei Monaten Bearbeitungszeit präsentiere das jetzt vorgelegte Zwischenergebnis „die versammelte Arbeitsleistung von drei bis vier Jahren“, sagt Prof. Undine Gieseke (Berlin), die den Juryvorsitz innehatte. Eigentlich sogar doppelt so viel: Bedingung war, dass immer ein Architektur- und ein Landschaftsplanerbüro zusammenarbeiten. Geschätzt 20.000 bis 30.000 Euro stecken in jedem Entwurf. Alle Büros haben kostenlos gearbeitet, erst jetzt, in der zweiten Phase, zahlt Hannover Entschädigungen.

Mit der wohl größten Spannung war das Ergebnis zum Bereich Hohes Ufer/Leibnizufer mit Weiterungen bis zum Friederikenplatz erwartet worden. „Es ist der schwierigste, auch der sensibelste Bereich“, sagt Bodemann. Die Jury hat sechs Arbeiten ausgewählt, die bis zum Sommer vertieft werden. Jeweils zwei der sechs Entwürfe repräsentieren eine Grundhaltung zu diesem Bereich: entweder das bisherige Grünufer entlang der Leine dicht zu bebauen, um Urbanität zu schaffen, es punktuell mit einzelnen, prominenten Gebäuden zu besetzen, oder aber es ganz ohne Gebäude als Grünfläche neu zu gestalten.

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Man könnte vermuten, die Jury habe sich vor einer Entscheidung gedrückt – in Wahrheit aber hat sie ganz gezielt bestimmte Vertreter aller drei Varianten zu einer detaillierten Planung aufgerufen. Vorher schon waren kostspielige Variationen aus dem Rennen genommen worden wie etwa Pläne für eine Rekonstruktion der Leineinsel oder ein Verlegen des Cityrings in einen Tunnel.

Ohne dass die Jury wusste, welche Namen sich hinter den Arbeiten verbergen – die Zuordnung ist streng geheim –, sollen zwei hannoversche Büros unter den sechs fürs Leineufer ausgewählten Entwürfen besondere Wertschätzung genießen. Die Landschaftsplaner Lohaus Carl mit den Architekten BKSP haben ein Konzept für eine Uferfläche als Landschaftsraum ohne Gebäude vorgelegt, mit mehreren zusätzlichen, flachen Brücken über den Fluss. Noch mehr aber soll der Entwurf von Kellner, Schleich, Wunderling mit den Landschaftsplanern Nagel Schonhoff überzeugt haben. Vorsichtig nimmt er die bestehende Landschaft am Flussufer auf und setzt an der Ecke Goethestraße ein markantes Gebäude (vorgeschlagen ist ein „Haus des Jazz“, also eine Verlegung des Jazzclubs in die City) sowie ein Gebäude gegenüber dem Beginenturm („Haus des Wissens“). Eine zusätzliche Brücke in Höhe der Pferdestraße, wie es sie früher gab, verknüpft die Ufer. Am Altstadtufer findet sich auf der unteren Ebene Gastronomie, im Bereich des Marstalls ist eine große Freitreppe eingeplant. Am Friederikenplatz wollen die Planer die Leine durch ein Zurücknehmen und Aufbrechen der Straßenfläche besser sichtbar machen, auf dem Gelände des abgerissenen Friederikenschlösschens ein Gebäude („Bürgerforum“) errichten – vielleicht Ersatz für das Ordnungsamt Leinstraße. Die Kombination aus Freiflächen und Punktbebauungen und der feinfühlige Umgang mit dem historischen Stadtraum soll nach HAZ-Informationen in der Jury gut angekommen sein. Andere für diesen Bereich ausgezeichnete Entwürfe stammen von Berliner, Münchener und Linzer Büros. Dem Vernehmen nach hat ein dichtes Bebauen des Uferstreifens, etwa mit lang gestreckten Häusern, wenig Anhänger in der Jury gefunden, soll aber trotzdem zunächst weiterverfolgt werden.

Stadtbaurat Bodemann wollte mit Hinweis auf die Vertraulichkeit der Sitzung keine Wertung abgeben. Er verweist vor allem darauf, dass die gesamte Planung sich erst im Zwischenstadium befindet. Im Juni wird die Jury alle sechs überarbeiteten Entwürfe zu diesem Stadtraum bewerten. Dann werde „ein eindeutiger Siegerentwurf benannt“, der später in den Rahmenplan zur Stadtentwicklung einfließt, sagt Bodemann.

Die Ausstellung öffnet: Dienstag, 14 Uhr, eröffnet Oberbürgermeister Stephan Weil im Bürgersaal des Rathauses die Ausstellung mit allen 28 Entwürfen. Sie ist dort bis zum 26. März werktags von 9 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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