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Aus der Stadt Kinderarzt soll Jungen missbraucht haben
Hannover Aus der Stadt Kinderarzt soll Jungen missbraucht haben
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10:05 18.10.2014
Von Tobias Morchner
Foto: Die Polizei bat um Hinweise aus der Bevölkerung: Sowohl Telefonate als auch DNA-Spuren führten die Ermittler aus Bayern und Hannover schließlich zu einem  39-jährigen Arzt.
Die Polizei bat um Hinweise aus der Bevölkerung: Sowohl Telefonate als auch DNA-Spuren führten die Ermittler aus Bayern und Hannover schließlich zu einem  39-jährigen Arzt. Quelle: dpa
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Hannover/Augsburg

Ein Kinderarzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs verhaftet worden. Der 39-Jährige soll sich im Raum Hannover, München und Augsburg mindestens viermal an kleinen Jungen vergangen haben. Festgenommen wurde er in Augsburg. Unter anderem wird ihm der Übergriff auf einen Fünfjährigen aus Garbsen zur Last gelegt. Das Kind war im August dieses Jahres in Berenbostel in ein Auto gelockt, missbraucht und später vor der IGS Vahrenheide-Sahlkamp ausgesetzt worden. Der Mediziner schweigt zu den Vorwürfen.

Unmittelbar nach der Tat in Berenbostel hatte die Polizei eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe namens „Puky“ eingesetzt, um den Fall so schnell wie möglich aufklären zu können. Eine DNA-Spur an der Kleidung des Jungen, Fingerabdrücke des Täters und der Fund einzelner Haare führten die hannoverschen Ermittler schließlich nach Augsburg. Die Beamten dort untersuchten  drei ähnlich gelagerte Missbrauchsfälle. Einer davon hatte sich bereits im Juni 2012 in einer Tiefgarage in München zugetragen. Zu zwei weiteren Übergriffen war es im Juli und August dieses Jahres in Augsburg gekommen. Auf die Spur des mutmaßlichen Täters führte unter anderem die Auswertung aller Handyaktivitäten in der unmittelbaren Umgebung der Tatorte. Auch arbeitete die Polizei mit einem Beamten der Operativen Fallanalyse, einem sogenannten Profiler, zusammen.

Nach der Durchsuchung wurde die Wohnung des Tatverdächtigen versiegelt.

Der Mediziner ist seit dem 1. September 2013 in der Kinderintensivstation der MHH tätig. Zuvor arbeitete er zehn Jahre lang am Klinikum Augsburg – ebenfalls als Kinderarzt. Zudem engagierte er sich in Bayern bis zu seiner Verhaftung auch beim Bayerischen Roten Kreuz. Der mutmaßliche Kinderschänder unterhielt zwei Wohnungen, eine in Augsburg, eine weitere in der Lister Straße in Hannover. In sein Lister Appartement soll er im Sommer den Fünfjährigen verschleppt haben. Die Räume gelten als Tatort. Die Polizei, die bei einer Durchsuchung offenbar auch Fotos des Jungen aus Garbsen fand, versiegelte die Wohnungstür.

In der MHH zeigte man sich am Donnerstag schockiert. „Wir sind fassungslos“, sagte Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der MHH. Er betonte aber, dass die Ermittlungen nicht im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Beschuldigten als Assistenzarzt auf der Intensivstation der Kinderklinik stünden. „Wir haben keinerlei Hinweise oder Beschwerden“, sagte der Direktor der Kinderklinik, Dr. Philipp Beerbaum. Sowohl die Organisationsstruktur als auch die baulichen Gegebenheiten an der MHH machten es unmöglich, dass eine Person längere Zeit mit einem Kind alleine in der Klinik sei.

Die Polizei in Augsburg ist derzeit mit der Auswertung der Beweismittel befasst, die in den beiden Wohnungen sowie in der MHH sichergestellt wurden. Geprüft wird, ob der Verdächtige für weitere Übergriffe dieser Art als Täter infrage kommt.

16.10.2014
Andreas Schinkel 18.10.2014
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