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Aus der Stadt Arzt missbraucht Jugendliche in Luxushotel
Hannover Aus der Stadt Arzt missbraucht Jugendliche in Luxushotel
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00:22 07.12.2015
Von Michael Zgoll
Fesselspiele im Hotel: Roland S. steht wegen Missbrauchs vor Gericht.  Quelle: Treblin
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Hannover

S. behauptet, die Jugendliche sei ihm als erfahrene Prostituierte angedient worden. Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt der 26-jährige Imad M.: Er soll dem Arzt das Mädchen zugeführt haben. M. muss sich vor der Jugendkammer 3 unter Vorsitz von Ralf Busch für gewerbsmäßigen Menschenhandel verantworten.

Wie Staatsanwältin Birthe Kuck mit Verlesung der Anklage vortrug, holte M. die 15-Jährige am 7. Juni dieses Jahres am Hauptbahnhof ab. Bevor er sie zu dem gelernten Zahn- und Humanmediziner ins Hotelzimmer brachte, hatte er im Auto selbst Sex mit ihr. Dann verging sich S. einen Abend lang an dem Mädchen, fesselte es, schlug es mit Händen und Peitsche, missbrauchte es auf verschiedene Weise. Das Ganze filmte S. mit mehreren Kameras. Der Arzt zahlte 2500 Euro an den Vermittler, dieser gab dem Mädchen 600 Euro ab.

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Wie Verteidigerin Antje Heister erklärte, habe S. „billigend in Kauf genommen“, mit einer Minderjährigen zu verkehren. Dies bedauere er. Den Vorwurf der Vergewaltigung weise ihr Mandant jedoch zurück. Der Sex mit der Jugendlichen sei nicht erzwungen worden, sondern sie habe „eine bestellte Dienstleistung erbracht“. Dass das Mädchen auf den Filmaufnahmen sehr passiv wirke, gehöre zum Rollenspiel devot-dominanter Sexualpraktiken dazu – ebenso wie das „Nein“, das sie gelegentlich äußerte. Gegen den Willen seiner Anwältin meldete sich S. mehrmals zu Wort, wies darauf hin, dass das Mädchen „völlig frei“ gewesen sei.

Opfer leidet unter Depressionen

Das Opfer lebt schon länger in der Wohngruppe einer renommierten Jugendhilfeeinrichtung in Hannover. Angezeigt wurde die Tat von einer Erzieherin, drei Tage nach dem Treffen im Hotel. Ende Juni nahm man den Arzt fest. Das Opfer – dunkle Haare, zierlich und sehr kindlich wirkend – wurde am Freitag per Videokamera vernommen, saß in einem anderen Raum des Landgerichts. Das Mädchen sollte so gut wie möglich geschont werden; laut Gutachten leidet es unter Depressionen.

Roland S. soll schon häufig Sexspiele mit jungen Frauen gefilmt haben. Auch ist er mehrfach wegen Betrügereien vorbestraft. 2007 wurde er – unter Einbeziehung eines anderen Urteils – wegen Körperverletzung, Betrugs und fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Haft verurteilt, zudem wurde ein Berufsverbot verhängt. Der Schönheitschirurg hatte bei einer Nasen-OP zu spät bemerkt, dass seine Patientin einen Kreislaufkollaps erlitt. Die 33-Jährige starb drei Tage später.     

Andreas Schinkel 07.12.2015
Linda Tonn 07.12.2015