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Aus der Stadt Auch Städtetag ist für nächtliches Alkoholverbot
Hannover Aus der Stadt Auch Städtetag ist für nächtliches Alkoholverbot
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10:56 10.11.2009
Quelle: afp
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„Das ist ein guter Vorstoß“, sagte am Montag der Präsident des Niedersächsischen Städtetages, Ulrich Mädge. Die Städte hätten vielfach Probleme mit stark alkoholisierten Jugendlichen. Den nächtlichen Alkoholverkauf zu verbieten erachtet Mädge, der auch Oberbürgermeister von Lüneburg ist, als sinnvollen Beitrag zum Jugendschutz und zur nächtlichen Sicherheit in den Innenstädten.

Der hannoversche Jugenddezernent Thomas Walter (CDU) hatte sich ebenso wie Polizeivizepräsident Rainer Langer dafür ausgesprochen, dass in Niedersachsen der nächtliche Verkauf von Alkohol verboten werden soll. Sie reagierten damit auf ein entsprechendes Gesetzesvorhaben der baden-württembergischen Landesregierung, die damit den Jugendschutz stärken will. Das niedersächsische Innenministerium sieht dazu momentan jedoch keine Veranlassung und verweist auf den Erfolg der Alkoholtestkäufe in der Region.

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Für sinnvoll hält auch Gudrun Koch (SPD), stellvertretende Vorsitzende im Sozialausschuss im Rat der Stadt, ein nächtliches Verkaufsverbot: „Suchtgefährdeten oder Suchtkranken wird der Konsum von Alkohol erschwert, häusliche Gewalt sowie Verkehrsunfälle könnten reduziert werden.“ Das Allgemeinwohl habe Priorität und sei wichtiger als das wirtschaftliche Interesse Einzelner. Auch Ingrid Wagemann, jugendpolitische Sprecherin der Grünen im Rat und Vorsitzende des Sozialausschusses, lobt die Idee: Jugendliche könnten daran gehindert werden, sich nachts mit billigem Alkohol einzudecken.

Deutlich kritischer bewertet Lennart Westermann, Koordinator des Präventionsbereiches der Drogenberatungsstelle Drobs, den Vorstoß. „Da schießt man mit Kanonen auf Spatzen – und die Leute kaufen ihren Alkohol einfach vor 22 Uhr.“ Vielmehr sollte in der Gesellschaft eine Grundsatzdebatte über die den Jugendlichen vorgelebte Grenzenlosigkeit geführt werden, meint Westermann.

Mehr Sozialarbeiter, Aufklärungsinitiativen und ein Werbeverbot für Alkohol fordert indes die Fraktion der Linken im Niedersächsischen Landtag, um den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen einzudämmen. Ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol hingegen gefährde die Existenz von Kioskbetreibern. Skeptisch zeigte sich auch die Sozialpolitikerin Gabriele Jakob von der CDU. Sie wies darauf hin, dass an Jugendliche ohnehin kein Alkohol verkauft werden dürfe.

Julia Sellner

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