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Aus der Stadt Auf dem Weg zu einem integrativen Hotel
Hannover Aus der Stadt Auf dem Weg zu einem integrativen Hotel
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11:55 06.03.2015
Von Veronika Thomas
„Ein architektonisches Sahnehäubchen“: Der gestern vorgestellte Entwurf für Hannovers erstes integratives Hotel.Foto: Arbeit für Alle!
„Ein architektonisches Sahnehäubchen“: Der am Donnerstag vorgestellte Entwurf für Hannovers erstes integratives Hotel.Foto: Arbeit für Alle!
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Hannover

Es soll Menschen mit Beeinträchtigungen neue berufliche und persönliche Perspektiven eröffnen - reguläre Arbeitsplätze jenseits einer Beschäftigung in Behindertenwerkstätten. Gestern stellten Planer und Architekten den Vorentwurf und eine Machbarkeitsstudie vor.

Die Planungen sind bereits weit gediehen, was fehlt, ist ein Investor. „Es gibt aber mehrere ernsthafte Interessenten“, sagte Ute Wrede, Vorsitzende von Arbeit für Alle! Die Stadt Hannover hat dafür ein 5700 Quadratmeter großes Grundstück im Wissenschafts- und Technologiepark Hannover (WPH) in Marienwerder reserviert. Vorgesehen ist ein komplett barrierefreies 80-Zimmer-Haus mit Drei-Sterne-plus-Standard inklusive Tagungsbereich, Restaurant, Bar und Festsaal. 20 Zimmer davon sollen als sogenannte Serviceapartments für Langzeitgäste bereitgestellt werden. Als ­Zielgruppen haben die Planer Geschäftsreisende, Tagungs- und Messegäste, Städtetouristen und Gäste, die dort Hochzeiten und andere Feste feiern möchten, im Blick. Im nahen Umfeld befinden sich Unternehmen wie VWN, Continental, Johnson Controls und das Laserzentrum. Im benachbarten Garbsen entsteht in den nächsten Jahren ein Campus für 5000 Maschinenbaustudenten - ideale Bedingungen also.

Arbeitsplätze für Mitarbeiter mit Handicap

„In diesem Hotel sollen die Arbeitsplätze an die Mitarbeiter angepasst werden und nicht umgekehrt“, sagte Martin Brünk, Präsident des 2008 gegründeten Verbunds der Embrace-Hotels mit 43 Häusern in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Auch das Haus in Hannover soll diesem Verbund einmal angehören, wie bereits das Hotel Grenzfall in Berlin und das erste integrative Hotel in Deutschland, das Stadthaushotel Hamburg, das 1993 von einer Elterninitiative eröffnet wurde.

Von insgesamt 32 Mitarbeitern in Hannover sollen 15 mit einem Handicap Beschäftigung finden. Als Arbeitsplätze kämen beispielsweise Jobs in den Bereichen Küche und Reinigung infrage. Die Baukosten bezifferte der Architekt und Projektentwickler Ekkehard Stücke­mann mit 8,8 Millionen Euro, inklusive Ausstattung, aber ohne Grundstückskosten. Als „architektonisches Sahnehäubchen“ zu den ansonsten eher nüchternen Bauten im WPH plant Stückemann ein organisch geformtes Gebäude in Anlehnung an einen Zylinder mit begrüntem Innenhof - gewissermaßen als Entree zum Wissenschaftspark Hannover vis-à-vis der Stadtbahnhaltestelle der Linie 4.

Inzwischen existiert auch ein Kunstkonzept von Ulrich Krempel, bis 2014 Direktor des Sprengel-Museums und Gründer der Niki-de-Saint-Phalle-Stiftung. Die Schöpferin der Nanas könnte, so Krempel, auch Namensgeberin werden: „Niki de Saint Phalle war immer offen für alle.“ Eigentlich müsste Niki im ganzen Haus vertreten sein, schlägt Krempel vor - nicht unbedingt mit Originalen, sondern in Form von Plakaten oder Lithografien. Für die Hotellobby schweben dem langjährigen Freund der 2002 verstorbenen Künstlerin die Nanas vor: „Es müssen nicht die Nanas sein, sie könnten es aber sein.“

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