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Aus der Stadt Der tägliche Wahnsinn auf der A 2
Hannover Aus der Stadt Der tägliche Wahnsinn auf der A 2
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00:23 16.07.2014
Seit auf der A 2 zwischen dem Autobahnkreuz Buchholz und der Anschlussstelle Lehrte die Fahrbahn saniert wird, bilden sich fast täglich Staus, die sich bis weit hinter Hämelerwald erstrecken. Quelle: von Ditfurth
Hannover
Hartmut Hartke ist seit zehn Jahren bei der Autobahnpolizei. Er leitet die Spezialisierte Verfügungseinheit (SVE), zu deren Aufgabe unter anderem die Kontrollen auf der Autobahn gehören. Quelle: Philipp von Ditfurth

Eigentlich wollen Hartmut Hartke und Bernd Seifert möglichst schnell nach Lehrte. Doch kurz nachdem die beiden Beamten des Zentralen Verkehrsdienstes (ZVD) der Polizei Hannover auf die A 2 aufgefahren sind, zwingt sie ein schwarzer Mercedes C-Klasse, ihre Pläne umzuwerfen. Der Wagen zieht auf der linken Spur mit einem Tempo von deutlich mehr als 100 Stundenkilometern an dem zivilen Auto der Autobahnpolizei vorbei und bremst auch nicht, als er sich einer Baustelle nähert. Hartke hängt sich mit seinem BMW an den Temposünder, Seifert schaltet das Aufnahmegerät für die Frontkamera des sogenannten Police-Pilot-Sytems (PPS) ein. Mithilfe des geeichten Videosystems misst er bei dem Mercedes kurz darauf ein Tempo von 157 Stundenkilometern. Erlaubt ist Tempo 60.

Eigentlich ist jetzt der Moment gekommen, an dem die beiden Polizisten ihr Blaulicht auf das Dach setzen und die Temposünder aus dem Verkehr ziehen. Gerade wollen sie das tun, als der Mercedes auf die mittlere Spur wechselt und blitzartig zwischen zwei Lastwagen in die Ausfahrt zur A 37 zieht.

Fälle wie diesen haben die beiden Beamten jeden Tag. „Das geht durch alle Berufs- und Altersgruppen“, sagt Seifert. „Und wir können auch nicht sagen, dass häufiger Männer oder Frauen rasen.“ Als er an der Ampel am Weidetorkreisel an die Scheibe des Mercedes klopft, sitzt eine 28-jährige Frau am Steuer des Wagens. Sie wolle ihr Kind aus der Kita abholen und sei zu spät, sagt sie den Beamten. „Das klang für mich wie eine Erklärung, weniger wie eine Entschuldigung“, sagt Hartke. Helfen würde ihr auch das nicht. Die Frau erwartet ein dreimonatiges Fahrverbot und ein Bußgeld in Höhe von etwa 800 Euro für Tempoüberschreitung, Drängeln und rechts Überholen.

Hartke und sein Kollege Bernd Seifert haben eine 28-Jährige am Weidetorkreisel angehalten, die zuvor auf der Autobahn mit 89 Stundenkilometern über dem erlaubten Tempo unterwegs war. Quelle: Philipp von Ditfurth

Immer wieder erleben Hartke und seine Mitarbeiter von der Spezialisierten Verfügungseinheit, dass Verkehrssünder  überhaupt nicht zu verstehen scheinen, was sie falsch gemacht haben. „Und von denen, die es wissen, ist es manchen schlichtweg egal“, sagt Hartke. „Vielmehr fühlen sie sich durch Verkehrsregeln in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt.“ Die Konsequenz daraus sei, dass sich viele einfach darüber hinwegsetzten. Vor allem bei einer Klientel bereitet dieses Verhalten der Polizei derzeit große Sorgen: den Lastwagenfahrern.

Auf der Autobahn 2 kracht es in der Baustelle bei Lehrte – mitunter, weil sich Fernfahrer während der Fahrt Bohneneintopf kochen.

Seit auf der A 2 zwischen dem Autobahnkreuz Buchholz und der Anschlussstelle Lehrte die Fahrbahn saniert wird, bilden sich fast täglich Staus, die sich bis weit hinter Hämelerwald erstrecken. Seit Anfang des Jahres wurden nur in diesem Bereich allein in Fahrtrichtung Dortmund zwei Menschen bei Unfällen getötet. Zwölf weitere erlitten schwere, teilweise lebensgefährliche Verletzungen. „Bei einem Großteil der Unfälle übersehen Lastwagenfahrer das Ende des Staus und rasen hinein“, sagt Friedhelm Stucke, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes der Autobahnpolizei. Um die schweren Unfälle zu verhindern, haben Polizei und Landesverkehrsbehörde zuletzt großen Aufwand betrieben. Digitale Schilder, die von der Verkehrsmanagementzentrale geschaltet werden können, warnen vor den Staus und verringern die erlaubte Geschwindigkeit, wenn es vor Lehrte zu Behinderungen kommt. Ohnehin sind auf dem ganzen Bauabschnitt nur 60 Stundenkilometer erlaubt. Die Polizei lässt Stauwarnungen in mehreren Sprachen über den CB-Funk laufen, den die Lastwagenfahrer hören. „Trotzdem bin ich um jeden Tag froh, an dem ich nicht zu Hause angerufen und über einen schweren oder tödlichen Unfall informiert werde“, sagt Stucke.

Lagebesprechung: Friedhelm Stucke (l.) leitet seit 2012 den Einsatz- und Streifendienst der Zentralen Verkehrsüberwachung. Sein Kollege Hartmut Hartke ist der Chef der Spezialisierten Verfügungseinheit (SVE). Quelle: Philipp von Ditfurth

Den Grund dafür, dass dies trotz aller Sicherheitsmaßnahmen immer wieder passiert, kennen er und seine Kollegen: „Die Fahrer sind nicht alle übermüdet und deshalb unaufmerksam“, sagt Stucke. „Sie machen vielmehr andere Dinge, die sie vom Fahren ablenken.“ Als es vor einiger Zeit zu einem schweren Verkehrsunfall bei Hämelerwald kam, war der 58-Jährige selbst vor Ort. „Als ich in die Fahrerkabine des Unfallverursachers schaute, dachte ich zuerst, er wäre so schwer verletzt worden, dass sein Blut überall hin gespritzt wäre“, sagt er. Seine Kollegen klärten ihn dann über den wahren Grund für bizarre Durcheinander im Cockpit des Sattelzuges auf: Der Fahrer hatte sich während der Fahrt einen Bohneneintopf auf einer mobilen Herdplatte gekocht.

„Bei jeder Fahrt sehen wir haarsträubende Dinge, die die Fernfahrer bei der Arbeit machen“, sagt Seifert. Während der Fahrt zu telefonieren gehöre dabei noch zu den harmloseren Dingen. „Viele schreiben SMS, sehen Filme oder lesen ein Buch“, sagt Hartke. Rast so ein Lastwagenfahrer dann in ein Stauende, finden die Polizisten, die an die Unfallstelle kommen, in einigen Fällen nicht einmal eine Bremsspur auf der Straße. „Obwohl es jeder Autofahrer in der Fahrstunde lernt, haben viele von ihnen keine Vorstellung davon, wie viel Strecke sie machen, ohne den Verkehr im Blick zu haben, während sie ein oder zwei Sekunden auf ihr Telefon schauen“, sagt Seifert.

Nicht nur am Ende eines Staus entstehen solch kritische Situationen. Die mobilen Videoanlagen, die der Zentrale Verkehrsdienst regelmäßig auf Brücken installiert, um Abstandskontrollen durchzuführen, zeichnen regelmäßig Situationen auf, in denen sich aus einer vermeintlich harmlosen Ausgangslage lebensgefährliche Beinahunfälle entwickeln. Zu hohe Geschwindigkeit, aber vor allem ein zu geringer Abstand zum Vordermann sind die Ursache. „Die einzige Methode, solche Unfälle zu verhindern, ist, wenn wir möglichst viele Kontrollen durchführen und die Leute dafür sensibilisieren, seien es Lastwagenfahrer oder normale Autofahrer“, sagt Hartke.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Derzeit arbeiten knapp 100 Beamte für die Autobahnpolizei und die Spezialisierte Verfügungseinheit. Neben der Auswertung von Radarkontrollen, Abstandsmessungen und Ladungssicherungsüberprüfungen müssen sie im Vier-Schicht-Betrieb 330 Kilometer Autobahn in der Region Hannover betreuen. Jeden Tag passieren etwa 330 000 Verkehrsteilnehmer dieses Gebiet, 45 000 davon sind Lastwagen. „Das ist kaum zu schaffen“, sagt Stucke. „Vor allem, weil wir zu jedem Unfall, der auf der Autobahn passiert, Leute abstellen müssen, die nicht mehr präventiv tätig werden können.“
Die Situation könnte sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Es gibt Gerüchte, nach denen die Landesregierung bei der Polizei Personal sparen will. Auch bei der Autobahnpolizei würden dadurch Stellen wegfallen. 

Mit dem Police-Pilot-System (PPS) können die Polizisten Temposünder und Drängler bei der Tat aufzeichnen und den Auto- und Lkw-Fahrern direkt danach zeigen, was sie falsch gemacht haben.

Die S-Bahn Hannover kann auf hohe Werte bei der Kundenzufriedenheit verweisen. Allerdings ist mit den Fahrpreisen nur gut jeder zweite Befragte einverstanden. Zudem verfehlt das Unternehmen die 
Vorgaben bei der Pünktlichkeit.

Bernd Haase 13.07.2014

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