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Aus der Stadt So können Sie Strom sparen
Hannover Aus der Stadt So können Sie Strom sparen
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20:12 04.12.2013
Von Karsten Röhrbein
Besuch vom Berater: Fernseher und Videospielkonsole fressen im Stand-by-Modus unnötig Energie. enercity-Stromlotse Nobert Kochannek listet den teuren Leerlauf von Elektrogeräten auf. Quelle: Moritz Küstner
Hannover

Norbert Kochannek ist ein zuvorkommender Gast. „Ich ziehe mir nur kurz die Schuhe aus“, sagt er nach dem verbindlichen Handschlag an der Wohnungstür. Dass das doch nun wirklich nicht nötig sei, ignoriert er freundlich, und steht kurz danach in schwarzen Sandalen im Flur der Altbauwohnung. Norbert Kochannek hat schon viele Wohnungen gesehen. Das, was die meisten anderen Gäste neugierig inspizieren, Bilder, Fotos, die Plattensammlung oder das alte Sofa im Wohnzimmer, interessiert den 53-Jährigen nicht. Der leutselige Ingenieur achtet auf andere Details: auf die Glühbirnen, den Kühlschrank und die kleinen Lämpchen, die an den Elektrogeräten leuchten, obwohl sie gar nicht in Betrieb sind. Auf Sachen also, die einem selbst nicht auffallen. Das bringt sein Job mit sich. Norbert Kochannek ist Energieberater.

Und seine Dienste sind sehr begehrt. Bis Februar 2014 ist der Stromsparexperte der hannoverschen Stadtwerke ausgebucht. Weil Strom und Gas stetig teurer werden, suchen immer mehr Kunden die heimlichen Stromfresser in den eigenen vier Wänden - und holen sich dabei professionelle Hilfe von Energiesparberatern wie Norbert Kochannek. Denn der Diplom-Ingenieur ist keiner, der lange suchen muss. Er ist einer, der findet.

Das beginnt gleich mit der 40-Watt-Deckenlampe in der Küche, unter der er seinen kleinen Laptop aufgebaut hat. „Was schätzen Sie, wie lange brennt die so im Schnitt pro Tag?“, fragt der enercity-Energieberater und tippt die Antwort, drei Stunden, schnell in seine Tabelle. 34 Kilowattstunden pro Jahr, so erklärt Kochannek, ließen sich allein durch das Austauschen der alten Glühlampe einsparen. Und weil Kilowattstunden für Laien doch etwas abstrakt klingen, schiebt er schnell nach: „Das sind 9,17 Euro.“ Würde ich also eine Energiesparlampe für knapp zehn Euro kaufen, hätte sich die schon nach etwas mehr als einem Jahr amortisiert. Das hätte ich nicht gedacht. Und es wird nicht die einzige Überraschung bleiben.

Bei Hausbesitzern und in Eigentumswohnungen findet Kochannek oft Stromfresser, die die Rechnung alleine um mehrere Hundert Euro pro Jahr belasten. „Ein Durchlauferhitzer etwa kann bei häufigem Duschen bis zu 500 Euro mehr Strom pro Jahr kosten, als moderne Geräte über Gas.“

Doch auch in unserer Drei-Zimmer-Mietwohnung läppern sich die Beträge in der Tabellenspalte „Einsparung“: Würden wir alle noch verbliebenen alten Glühbirnen gegen Energiesparlampen oder Leuchtdioden austauschen, könnten wir rund 60 Euro pro Jahr sparen. 60 Euro! Und dabei hat Norbert Kochannek sein Strommessgerät noch gar nicht ausgepackt.

Das Messgerät zeigt dem Energieberater nicht nur an, was ein Gerät verbraucht, wenn es in Betrieb ist. Es zeigt auch an, was der Stand-by-Betrieb kostet. Und das ist nicht wenig. Der Router etwa, über den WLAN und Telefon laufen, ist rund um die Uhr in Betrieb. Würde man ihn nur halb so lange laufen lassen - und wer braucht schon WLAN in der Wohnung, wenn man unterwegs ist? - ließen sich mehr als 15 Euro pro Jahr sparen. Der größte Stromfresser, das macht Kochanneks Messwertetabelle umissverständlich klar, ist die eigene Bequemlichkeit. Bestes Beispiel ist das Wohnzimmer. Dort frisst nicht nur der Fernseher im Ruhezustand Strom, sondern auch die Playstation. 17,5 Watt zusammen, um genau zu sein. „36,22 Euro könnten Sie sparen, wenn Sie die Geräte komplett ausschalten, sobald Sie sie nicht benötigen“, sagt Kochannek. Am einfachsten ginge das etwa über eine schaltbare Steckdosenleiste. Ein bisschen gespannt ist der Experte nun darauf, was der Zähler wohl anzeigt, wenn Videospielkonsole und Fernseher erst eingeschaltet sind. Es sind etwas mehr als 100 Watt, was den enercity-Mann freut. „Das ist gut“, sagt Kochannek. Ein solcher LED-Fernseher verbrauche viel weniger Strom als etwa ein Plasmabildschirm mit hoher Bildauflösung und gleicher Bilddiagonale - was leider kaum bekannt sei. Ein Kunde etwa, so erzählt er, habe seine Wohnung sogar mit Kerzen erleuchtet, um Energie zu sparen.

Bei der Stromrechnung musste er dennoch kräftig nachzahlen: Er schlief abends immer vor laufendem Fernseher ein, einem mit Plasmabildschirm. Die alten verfügen über eine Leistung von bis zu 500 Watt, sagt der Experte. Da helfen dann auch Kerzen nichts. LED-TVs hingegen lägen selten bei mehr mehr als 80 oder 90 Watt.

Einsparpotenzial sieht Kochannek auch bei der acht Jahre alten Waschmaschine aus WG-Zeiten, die mehrere Umzüge überstanden hat: Die Waschgänge bei einem neuen, sparsameren A+++-Gerät würden 30 Euro pro Jahr weniger kosten. „Die Maschine würde ich deshalb jetzt aber nicht gleich austauschen“, räumt Kochannek ein, während er den Rest der Wohnung inspiziert: Den Spalt unter der Wohnungstür, durch den es neuerdings so kalt reinzieht, würde er abdichten, den Kühlschrank, in dem er fünf Grad misst, vielleicht drei Grad wärmer einstellen. Dann wird zusammengerechnet: Effizientere Leuchtmittel und konsequentes Ausschalten alleine würden schon mehr als 110 Euro im Jahr sparen. „Grundsätzlich“, sagt der Energieberater zum Abschied, „sind Sie aber gut aufgestellt.“ Aber nicht so gut, als dass es nicht noch besser ginge.

Energieberatung

Der proKlima-Fonds von enercity beteiligt sich in vielen Fällen an den Kosten einer Energieberatung. Informationen gibt es im Internet unter www.proklima-hannover.de/themen/stromlotse. Die Stromsparberatung von enercity ist unter Telefon (05 11) 4302366 zu erreichen. Mieter, Hauseigentümer, Bauherren und Wohnungseigentümer können sich unter anderem auch an die Verbraucherzentrale wenden. Informationen gibt es unter der Gratishotline (0800) 809802400.

Gut zu wissen

A+++ spart beim Waschen: Gut ist beim Energiesparen oft nicht gut genug. Wer eine neue Waschmaschine kauft, sollte darauf achten, dass sie möglichst Effizienzklasse A+++ hat. Jedes Pluszeichen hilft Geld sparen: Mit Stromkosten von durchschnittlich 42 Euro pro Jahr sind A+++-Maschinen 32 Prozent sparsamer als Modelle der Effizienzklasse A. Nach elf Jahren hat sich der höhere Kaufpreis in der Regel über den geringeren Verbrauch amortisiert. Wasser und Energie spart auch, wer auf unnötige Vorwäschen verzichtet, bei kleinen Verschmutzungen nur mit 30 Grad wäscht und das Fassungsvermögen der Maschine möglichst immer ausnutzt.

Nicht unnötig kühlen: Ein gähnend leerer Kühlschrank ist nicht nur ein trauriger Anblick, sondern auch ein Stromfresser. Wer regelmäßig freie Fächer habe, sollte diese mit Styropor auskleiden, rät Energieberater Norbert Kochannek. So werde das Volumen der herunterzukühlenden Luft minimiert. Eine dicke Eisschicht im Gefrierfach belastet die Stromrechnung ebenso unnötig, wie eine zu niedrig eingestellte Temperatur. Sieben Grad Celsius sind im Kühlschrank ideal, im Gefrierfach sollte es nicht kälter als minus 18 Grad sein.
Vorheizen ist oft überflüssig: Gerade in den Weihnachtszeit ist der Ofen oft in Betrieb. Nicht bei jedem Rezept muss die Röhre aber extra vorgeheizt werden. Energie lässt sich außerdem sparen, wenn Speisereste erst dann in den Kühlschrank kommen, wenn sie vollständig abgekühlt sind. Statt die Reste des Bratens am nächsten Tag wieder im Ofen zu erwärmen, sollten Verbraucher die Mikrowelle wählen: Das geht minutenschnell und spart ebenfalls Energie.

 Sparsam muss nicht kalt sein: Das Licht von Energiesparlampen gilt zu unrecht als kalt und ungemütlich. Auf der Verpackung der Lampen ist nämlich auch die Lichtfarbe angegeben: Tageslichtweiß ist etwa für die Schreibtischbeleuchtung ideal, im Wohnzimmer sollte allerdings „warmweiß“ auf der Packung stehen, wenn es gemütlich werden soll. Wer neue Lampen für Flur oder Bad sucht, sollte auf eine hohe Startgeschwindigkeit und Schaltfestigkeit, also die Lebensdauer, achten. Eine Lampe, die oft nur kurz eingeschaltet wird, muss dem auch gewachsen sein. LED-Lampen sind dafür oft die beste Wahl.

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