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Aus der Stadt "Ich habe auch schon Jürgen Trittin festgenommen"
Hannover Aus der Stadt "Ich habe auch schon Jürgen Trittin festgenommen"
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00:17 08.01.2017
Von Tobias Morchner
Michael Conrady bei der Ansprache bei seiner Hundertschaft. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Wenn Michael Conrady morgens zum Dienst aufbricht, hört er stets die gleichen Worte: „Komm gesund zurück.“ Seit 36 Jahren ist der Erste Kriminalhauptkommissar inzwischen verheiratet, und seit dieser Zeit verabschiedet sich seine Frau jetzt schon auf diese Weise. Obwohl es wie ein eingespieltes Ritual klingt, weiß der 59-Jährige, dass der Satz keine Floskel ist. „Sie macht sich schon Sorgen“, sagt Conrady.

Der Beamte arbeitet seit 41 Jahren bei der Bereitschaftspolizei Niedersachsen - davon 15 Jahre als Führer einer Hundertschaft. Die Bereitschaftspolizei kommt bei Großlagen zum Einsatz: Demonstrationen, Staatsbesuche, Gipfeltreffen, Castor-Transporte und brisante Fußballspiele gehören zum Alltag. „Ich habe auch schon mal Jürgen Trittin festgenommen, vor etwa 30 Jahren in Göttingen“, sagt der Beamte.

In seiner Dienststelle, der Zentralen Polizeidirektion an der Tannenbergallee, zählt Michael Conrady zu den erfahrensten Polizisten der Einheit. Inzwischen ist er Leiter der Besonderen Aufbauorganisation. Doch für sein heutiges berufliches Know-how hat er im privaten Bereich einige Abstriche machen müssen. „Ich habe zum Beispiel zehn Jahre hintereinander meinen Geburtstag bei Demonstrationen in Göttingen verbracht“, sagt Conrady. Der 59-Jährige war auch im Einsatz, als im November 2015 das Fußballländerspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wegen akuten Hinweisen auf einen Terroranschlag abgesagt werden musste. „Bei keinem meiner Einsätze waren je mehr Beamte mit Maschinenpistolen im Einsatz als an dem Tag“, erinnert er sich. Natürlich war er auch bei allen Castor-Transporten im Wendland dabei, stand mit Kollegen bei den Chaostagen 1994 und 1995 an vorderster Front und war auch an jenem Wochenende im Dienst, als die Hells Angels 2008 in Hannover ihr jährliches Europatreffen organisiert hatten - inklusive Motorrad-Ausfahrt zum Steinhuder Meer.

Überall im Einsatz

Die Bereitschaftspolizei, kurz Bepo genannt, kommt bei Großlagen wie Demonstrationen oder Risiko-Fußballspielen, aber auch bei Staatsbesuchen oder bei Hochwasser zum Einsatz. In Niedersachsen besteht die Bepo derzeit aus rund 1100 Beamten, gegliedert in sieben Hundertschaften und eine Technische Einsatzeinheit. Die Bereitschaftspolizei ist Bestandteil der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen, die ihren Sitz in Hannover hat.

Die sieben Hundertschaften sind auf verschiedene Städte verteilt. Unterschiede gibt es nur bei der Spezialisierung und der Personalstärke, denn eine Hundertschaft sind meist mehr als 100 Mitarbeiter. Eine zentrale Rolle bei der Bepo spielen die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten. Fünf dieser Einheiten mit je rund 40 Beamten gibt es.

Niedersachsens Hundertschaften können bei Bedarf auch in anderen Bundesländern zum Einsatz kommen. Die nächste große Lage steht im Juli bevor. Dann treffen sich in Hamburg die Regierungschefs der 20 wichtigsten Staaten zum G-20-Gipfel. Bis zu 100 000 Gegendemonstranten werden erwartet. Die Behörden wollen mit 10 000 Landespolizisten und rund 3000 Bundespolizisten für die Sicherheit in der Stadt sorgen.

Sein letzter großer Einsatz war am 6. November beim Niedersachsenderby zwischen Braunschweig und Hannover, der rund zwölf Stunden dauerte. „Unmittelbar vor diesem Einsatz hatten viele meiner Kollegen und ich bereits eine 26-Stunden-Schicht in Hildesheim absolviert“, berichtet Conrady. Er spielt damit auf die verhinderte Massenschlägerei zwischen Hooligans aus Hannover und Braunschweig auf einem Baumarktparkplatz am Freitagabend vor dem Derby an.

Auch beim Rückspiel im April wird Michael Conrady wieder im Einsatz sein. Die Begegnung soll nach derzeitigen Planungen am Ostersonntag ausgetragen werden - mitten in den Ferien. Die Planungen des Deutschen Fußballbundes sind ein Schlag ins Gesicht für die Einsatzkräfte. Denn an Urlaub wäre für die betroffenen Polizisten wegen der Vorbereitungen zumindest in der ersten Woche nicht zu denken. „Für Kollegen, die Kinder im schulpflichtigen Alter haben, ist das schon problematisch“, sagt der Polizeihauptkommissar.

"Wir machen hier Dienst nach Bedarf"

Durch die stetig steigende Belastung der Bereitschaftspolizei häufen sich die Überstunden. Bei Michael Conrady sind es aktuell 250. „Ich hatte aber auch schon mal 1000“, sagt er. 40 Stunden an fünf Tagen der Woche sollen der 59-Jährige und seine Kollegen eigentlich arbeiten. Das aber sei relativ illusorisch, sagt der Polizist: „Wir machen hier Dienst nach Bedarf, und der Bedarf ist meistens am Wochenende besonders groß“, sagt Conrady. Ein garantiert planbares Wochenende steht den Beamten einmal pro Monat zu. Doch auch das kann aufgrund aktueller Lagen drei- bis viermal im Jahr kurzfristig entfallen.

Folgen hat das im Privaten. „Viele Freundschaften entstehen im Kollegenkreis, viele Polizisten sind etwa mit Krankenschwestern verheiratet, weil auch diese Berufsgruppe ähnlich komplizierte Dienstpläne hat wie wir“, sagt Conrady. Schon früher sei es üblich gewesen, dass die Beamten immer 20 Pfennig im Dienstausweis bei sich trugen - um schnell von einer Telefonzelle aus ihren Frauen Bescheid sagen zu können, dass der Feierabend noch eine Weile auf sich warten lässt. „Zum Glück haben heute alle Handys“, sagt Conrady.

Auch nach 41 Jahren als Bereitschaftspolizist ist Michael Conrady trotzdem lieber auf der Straße als in seinem Büro. Er kennt auch die Vorteile, die das Polizistenleben mit sich bringt. „Früher, als meine Kinder noch klein waren, konnte ich während der Woche mit ihnen zum Einkaufen gehen, weil ich zum Ausgleich frei hatte und alle anderen nicht“, sagt er. Und Michael Conrady hat in all den Jahren gelernt, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um bei wichtigen Familienereignissen dabei zu sein. „Für die Hochzeit meines Sohnes im Sommer habe ich schon jetzt Urlaub eingereicht“, sagt er.

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