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Aus der Stadt Ausnahmezustand für Auslieferungsfahrer in Hannover
Hannover Aus der Stadt Ausnahmezustand für Auslieferungsfahrer in Hannover
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10:14 11.01.2010
Von Dirk Kirchberg
Nur nicht ausrutschen: Yasin Esen vom Pizzalieferservice „Joey’s“.
Nur nicht ausrutschen: Yasin Esen vom Pizzalieferservice „Joey’s“. Quelle: Uwe Dillenberg
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„Darüber sind wir froh“, sagt Gashi, der seit 10 Jahren beim Pizzabringdienst „Joey’s“ arbeitet. Auch an diesem Sonnabend koordiniert er die Fahrer der Filiale in Bothfeld. „Im Winter haben wir etwa zehn Prozent mehr Bestellungen als sonst.“ Den 21-jährigen Yasin Esen, der seit August eine Ausbildung zum Servicefahrer macht, schreckt das Winterwetter nicht. „Der Schnee ist nicht das eigentliche Problem“, sagt Esen. „Wirklich schwierig wird es erst, wenn die Straßen vereisen.“ So wie etwa am Silvesterabend, als Esens Chef Muhbettin Kilic entschied, die Lieferungen einzustellen, weil die Straßen schlicht zu glatt zum Fahren waren. „Ich bin seit neun Jahren in Hannover“, sagt Kilic, der neben der Filiale in Bothfeld eine weitere in Linden betreibt. „Aber solche Wetterverhältnisse wie zurzeit habe ich noch nicht erlebt.“

Esens nächste Lieferung führt ihn in die Grethe-Jürgens-Straße, in der der Schnee zentimeterhoch liegt. Esen spielt ein wenig mit dem Gas und manövriert den Wagen sicher durch die Kurven. Ruth Wilde hat für sich und ihren Freund Essen bestellt. Die Kinderkrankenschwester, die in der Medizinischen Hochschule arbeitet, wollte nach ihrem Dienst nicht mehr selbst einkaufen: „Der Lieferservice ist für mich eine gute Alternative zum Selberkochen. Wir bestellen auch während der Arbeit oft beim Bringdienst.“ Auch Anja Schröder und ihr Mann Burkhard Frantz wollen einen ruhigen Abend verbringen und haben für sich und ihre beiden Söhne Jan und Ole Pizza bestellt. „Die Jungs waren den ganzen Tag draußen im Schnee“, sagt Frantz. Und seine Frau, die als Bankangestellte arbeitet, fügt lächelnd hinzu: „Der Bringdienst rettet uns. So muss ich nicht noch kochen.“

Auf der Rückfahrt kommt Esen auf einer verschneiten Nebenstraße ein Auto entgegen. Die einzige Ausweichmöglichkeit ist eine Parklücke, in der der Schnee besonders hoch liegt. Esen lenkt den kleinen Wagen direkt in den Schneehügel, lässt den anderen Wagen durch und bugsiert sein Auto mit einem beherzten Tritt aufs Gas wieder auf die Fahrbahn. „Viele verwechseln sicheres Fahren mit langsamen Fahren“, sagt Esen. Man lerne schnell, wie sich das eigene Auto bei starkem Regen oder bei Schnee und Eis verhalte, sagt Esen weiter. Und Vorsicht gehe immer vor. „Das bläut uns unser Chef vor jeder Schicht ein.“ Damit auch die nächste Bestellung trotz Schnee und Eis sicher ankommt - und die Fahrer sicher zurück.

Gunnar Menkens 11.01.2010
Conrad von Meding 11.01.2010
Bernd Haase 11.01.2010