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Aus der Stadt Jedes Herz gewinnt
Hannover Aus der Stadt Jedes Herz gewinnt
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00:15 11.10.2013
Foto: Herzallerliebst: Die Aushilfsherzdame mit ihrem Beschützer Hendrik Kaune.
Herzallerliebst: Die Aushilfsherzdame mit ihrem Beschützer Hendrik Kaune. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Die Sonne blinzelt ein letztes Mal hinter dem Schützenplatz, es riecht nach Schmalzkuchen, die Buden spielen Fetenhits. Alles könnte so schön sein an diesem Oktoberfestabend – steckte ich nicht in einem Herzkostüm. Doch der Reihe nach. Heute werde ich einen Abend lang als Herzmaskottchen über das Oktoberfest laufen und mal schauen, was ein Herz als Hülle so mit einem macht. Im Büro des Schaustellerverbandes nahe dem Gildetor geht’s ins Kostüm. Klaus Wilhelm, Vorsitzender des niedersächsischen Schaustellerverbandes, und Primetec-Sicherheitsmann Hendrik Kaune erwarten mich schon.

In unserer Reihe „Ausprobiert“ trauen sich Mitarbeiter auf für sie bisher unerforschtes Terrain. HAZ-Volontärin Sabrina Mazzola erkundet als Herz-Maskottchen das hannoversche Oktoberfest.

Kaune wird mich an diesem Abend begleiten, denn „Sie brauchen kräftige Männer, die Platz für Sie schaffen“, sagt Wilhelm lachend. Das Herz sei seit zehn Jahren das bundesweite Wahrzeichen für traditionelle Volksfeste wie das Schützen- und das Oktoberfest. „Zusammen mit dem Ballerkalle, dem behüteten Zielscheibenkollegen, ist das Herz vor allem bei den Festumzügen dabei“, sagt Wilhelm. Dann werde ich zum Herzen. Die beiden Herren hieven das Herz hoch und stülpen es mir über. Prompt fühle ich mich wie in einem Pappkarton eingesperrt, nur meine Arme baumeln auf Achselhöhe aus den beiden Aussparungen. Drinnen ist das Kostüm mit gelbem Schaumstoff ausgekleidet, von meinem ursprünglichen Ich sieht man jetzt nur noch Jeansbeine.

So stehe ich da, erst mal ziemlich unsicher. „Sie haben gerade erheblich an Schulterbreite gewonnen“, sagt Wilhelm, „und die Kinder werden Sie lieben!“ Zusammen mit seinem Kollegen Kaune hat er schon Wetten abgeschlossen, wie lange ich durchhalten werde – 20 Minuten. „Da war noch nie eine Dame drin. Das Kostüm ist sehr schwer, und heiß wird es auch – wer kann, der drückt sich.

"Ich liebe dich" – Das ging ja schnell.

Aber ich bin anders. Ich werde das schon schaffen. Doch erst mal muss ich durch die Tür. Das geht nur seitwärts, und Hendrik nimmt mich an die Hand. Händchenhaltend tripple ich seitwärts ins Freie. Immerhin ist es mit dem Kostüm draußen nicht so kalt wie gedacht.
Ich gehe los. Das ist nicht so einfach, denn ich trage das Kostüm auf schaumstoffumwickelten Bügeln auf den Schultern. Durch mein neues Gewicht habe ich leichten Überhang nach vorn, sehen kann ich nur durch einen herzförmigen Ausschnitt. Keiner sieht mich mehr, aber alle starren mich an oder drehen sich nach mir um. Ein weiterer Effekt: Alle duzen mich plötzlich. „Ich liebe dich!“, tönt es mir von ganzem Herzen aus Hosenbundhöhe entgegen. Das ging ja schnell.

Schnell drängeln sich auch allerhand Kinder um mich, die ein Foto mit mir haben wollen. Das alles fühlt sich merkwürdigerweise gar nicht albern an. Die Menschen freuen sich wirklich, mich zu sehen. Und bei den Worten „Hallo Herz, darf ich ein Foto mit dir machen?“, geht mir das meine sofort auf. Inzwischen komme ich gar nicht mehr von der Stelle. Noch ein Foto. Und noch eins, und noch eins. Ein kleiner Junge läuft auf mich zu und umarmt mein rotes Plüschfell. „Du bist so schön!“, piepst er. Ich will noch den ganzen Abend Herz sein. Ich wanke weiter. Meine Hände baumeln draußen bei acht Grad, drinnen sind durch den Schaumstoff gefühlte 30. „Hast du kalte Hände?“, fragt ein kleines, blondes Mädchen besorgt. Meinen Händen geht es gut, nur meine Schultern tun mittlerweile ein bisschen weh.

Von hinten klopfen mir Halbstarke auf den Rücken, und ich habe Angst, hinzufallen. Doch mein Beschützer Hendrik ist sofort zur Stelle. Er lobt mich für meine Tapferkeit und setzt gleich noch eins drauf: „Willst du auch ins Festzelt?“, fragt er. Klar will ich! „Da musst du aber aufpassen, die Bänke stehen sehr dicht zusammen“, sagt mein Beschützer fürsorglich und nimmt mich wieder an die Hand. Ich mache mich schmal, und alles klappt. Ein Highlight wartet an der Losbude auf mich. „Jedes Herz gewinnt!“, verkündet die Moderatorin vollmundig. Jedes Herz? Heute ist mein Glückstag! Ich laufe so schnell ich kann zur Moderatorin. Sie erkennt mich sofort als logischen Gewinner. „Willst du einen Lolli?“, fragt sie. Ich nicke erfreut mit dem ganzen Kostüm, und sie drückt mir einen Lutscher in jede Hand.

Ich bin gerade einmal um den ganzen Platz gegangen, als mich der Toilettenwagen lockt. Doch ich passe nicht durch die Tür, seitwärts nicht und quer schon gar nicht. Aber man kann nicht alles haben. Ich will noch weiter, aber Wilhelm macht schlapp. „Ich muss zurück ins Büro“, sagt er bedauernd. Ich entschließe mich, mitzukommen. Im Büro nehmen mir Kaune und Wilhelm die Last von den Schultern, und ich freue mich, dass alles so gut geklappt hat. „Ich bin sprachlos. Sie waren die einzige, die das je so gut gemacht hat “, sagt Wilhelm und bietet mir eine Festanstellung auf dem nächsten Schützenfest an. Das überleg’ ich mir jetzt mal.

Von Sabrina Mazzola

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