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Aus der Stadt Ausstellung über Hannovers Herrscher geplant
Hannover Aus der Stadt Ausstellung über Hannovers Herrscher geplant
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22:05 08.12.2009
Von Simon Benne
Historische Urkunde: Bei der Ankündigung der Ausstellung wurde im Landtag auch die Thronfolgeregelung von 1701 („Act of Settlement“) aus dem Hauptstaatsarchiv präsentiert. Quelle: Frank Wilde

Der neue erste Mann im Staat war ein Ausländer. Einer, der das Land kaum kannte und dessen Sprache zeitlebens nicht richtig lernen sollte. Dafür war der Welfe ein gestandener Herrscher, bereits Mitte fünfzig, der in seiner Heimat schon anderthalb Jahrzehnte Regierungserfahrung gesammelt hatte. Trotz aller Widerstände gegen diesen Kurfürsten vom Kontinent versammelte sich der englische Hochadel am 29. September 1714 fast geschlossen in Greenwich, um den neuen König würdig zu empfangen. Georg I. und seine Nachfolger sollten künftig zwei getrennte Staaten gleichzeitig regieren – Großbritannien und das heimische Hannover. Bis 1837 währte diese Personalunion. Die Epoche der „Hanoverians“ auf dem britischen Thron ist ein Stück europäische Geschichte: „Die Grundlagen für die Moderne liegen in dieser Zeit“, sagt Kulturminister Lutz Stratmann.

Mit einer groß angelegten Landesausstellung in sechs niedersächsischen Museen will das Land Niedersachsen jetzt an dieses schillernde Kapitel seiner Historie erinnern: Vom Mai bis August 2014, pünktlich zum 300-jährigen Jubiläum der Personalunion, wird „1714 – Hannovers Herrscher auf Englands Thron“ an drei hannoverschen Ausstellungsorten sowie im Celler Residenzmuseum, im Schloss Wolfenbüttel und im Braunschweiger Herzog Anton Ulrich-Museum zu sehen sein. Diese Reise in seine Vergangenheit lässt sich das Land 5,5 Millionen Euro kosten – „ein extrem großer Betrag“, wie Ministerpräsident Christian Wulff gestern bei der Präsentation erster Ausstellungspläne im Landtag sagte.

Nach den großen Landesausstellungen zur Varus-Schlacht und zu Kaiser Otto IV. in diesem Jahr wird es 2014 erneut um ein zentrales Stück niedersächsischer Identität gehen: Hannovers Herrscher regierten während der Personalunion über ein Weltreich. Soldaten aus Hannover kämpften für sie in Gibraltar oder Indien. Umgekehrt galt es unter Englands Adeligen als schick, seine Söhne zum Studieren an die Uni Göttingen zu schicken. Farbige Sklaven in Amerika – damals teils britische Kolonie – trugen im 18. Jahrhundert „true born Osnabrughs“: Leinenkleidung aus Osnabrück. „Die Globalisierung ist keine Erfindung der vergangenen Jahre“, sagt Wulff.

Oberbürgermeister Stephan Weil will die Landesausstellung nutzen, um die Marke Herrenhausen aufzupolieren. „Es ist eine schöne Fügung des Schicksals, dass das Schloss dort im Jahr 2012 wieder aufgebaut sein wird“, sagt er. Im Schloss soll dann das Herz der Ausstellung sein: In dessen beiden Flügeln werden auf 900 Quadratmetern die fünf Könige vorgestellt, die während der Personalunion herrschten. Ihre Biografien dienen als Leitfaden für einen Überblick über diese Zeit.

Erarbeitet wird die Herrenhäuser Ausstellung vom Historischen Museum, das dabei mit dem Landesmuseum zusammenarbeitet: Dieses soll unter anderem Restauratoren stellen, die hochkarätige Exponate aus renommierten Museen betreuen. Außerdem ist am Landesmuseum die neu geschaffene Stelle der Koordinatorin Cäcilia Hollberg angesiedelt, die die Ausstellungskonzepte der beteiligten Museen koordinieren wird. Vor ihr liegt noch viel Arbeit, denn das gestern vorgestellte Konzept ist noch eher grob. Kulturminister Stratmann versprach, die Ausstellung werde mit „internationalen Leihgaben“ glänzen, doch Verträge mit internationalen Museen sind bislang offenbar nicht ausgehandelt.

In seinem Haupthaus am Hohen Ufer wird das Historische Museum einen weiteren Teil der Ausstellung präsentieren. Die berühmten Kutschen, die zu den Prunkstücken des Hauses gehören, sollen nach Rücksprache mit ihrem Besitzer, Ernst August Prinz von Hannover, nicht nach Herrenhausen gebracht werden – sie zählen aber zu den wichtigsten Exponaten aus der Zeit der Personalunion.

Dass Hannovers Kurfürst Georg Ludwig 1714 als Georg I. auf den britischen Thron kam, hatte er seiner Großmutter und seinem Glauben zu verdanken: Eine 1701 in London verabschiedete neue Thronfolgeregelung hatte festgelegt, dass die künftigen Royals protestantisch und möglichst eng mit dem Königshaus verwandt sein sollten. Die Stellenausschreibung in diesem „Act of Settlement“ traf perfekt auf Georgs Mutter zu, die Kurfürstin Sophie, deren Mutter von königlich-englischem Geblüt war. Sophie war bereits betagt („Es ist ein Elent vor mir, daß ich zu alt tharzu bin“), und starb im Alter von 83 Jahren wenige Wochen, ehe die britische Königin Anna das Zeitliche segnete. So bestieg ihr Sohn den Londoner Thron. Erst 1837, als Wilhelm IV. kinderlos starb und in London und Hannover unterschiedliche Thronfolgeregelungen griffen, endete die Personalunion: In England herrschte künftig Queen Victoria, in Hannover König Ernst August.

Deutsche Historiker haben die „Hanoverians“ lange vernachlässigt, und in England hatten sie über Jahrzehnte einen schlechten Ruf: „Sie galten als verunglückte Monarchen“, sagt der Historiker Thomas Vogtherr, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. „Erst in den vergangenen Jahren hat sich das Bild aufgehellt.“

Für die Geschichtsforschung sei die Ausstellung eine große Chance, sagt Vogtherr: So sollen internationale Historikerkongresse in Hannover und London, organisiert in den Jahren 2012 oder 2013 von der Historischen Kommission und dem Deutschen Institut in London, die Sichtweisen der Wissenschaftler auf das Thema abgleichen. „Die Ergebnisse können dann noch in die Ausstellung einfließen“, sagt Vogtherr.

Ministerpräsident Wulff hofft unterdessen darauf, mit der Vergangenheit auch ein wenig königlichen Glanz der Gegenwart ins Land zu holen: „Das britische Königshaus wird natürlich zur Eröffnung eingeladen“, sagt er. „Und unsere Königinnachfolgerin Angela Merkel auch.“

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