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Aus der Stadt Auto 100 Kilogramm zu leicht für Umweltplakette
Hannover Aus der Stadt Auto 100 Kilogramm zu leicht für Umweltplakette
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11:21 21.06.2010
Von Conrad von Meding
Quelle: Martin Steiner
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Der Rentner aus Barsinghausen hat sein Fahrzeug extra von einer VW-Vertragswerkstatt mit Rußpartikelfilter nachrüsten lassen und dafür kurzfristig sogar die begehrte Plakette erhalten. Doch als er die Umrüstung im Rathaus in seine Papiere eintragen lassen wollte, um künftig auch Steuern zu sparen, kratzte die Mitarbeiterin ihm die Plakette von der Windschutzscheibe. Würde sein Auto statt 2400 Kilogramm zulässigen Gesamtgewichts 2500 Kilogramm eingetragen haben, hätte es die Plakette erhalten, bestätigt ein VW-Sprecher aus Wolfsburg.

„Man kommt aus dem Lachen kaum noch heraus“, kommentiert der Rentner den Vorgang – obwohl ihm nach Lachen kaum zumute ist. Er hat den Beamten im Rathaus vorgeschlagen, dass er künftig immer ein 100-Kilogramm-Gewicht neben sich auf dem Beifahrersitz mitführt, aber das löst das Problem natürlich nicht. Es geht schließlich nicht um das Gewicht, sondern um das zulässige Gesamtgewicht. Ein Mitarbeiter von VW versucht, es so zu erklären: Je schwerer ein Auto, desto aufwendiger ist es, gute Schadstoffwerte zu erhalten. Deshalb sei das Erteilen der Plakette vom zulässigen Gewicht des Fahrzeugs abhängig – je leichter, desto sauberer muss der Motor sein. Warum aber die Barsinghäuser Vertragswerkstatt den Kunden nicht darauf hingewiesen hat, dass er trotz Einbaus des teuren Rußpartikelfilters keine grüne Plakette erhält, bleibt unklar. Dort wollte sich niemand äußern.

Die Region als zuständige Behörde hat dem Betroffenen auf Anforderung nur mitgeteilt, dass „eine grüne Plakette bei der Emissionsklasse 0427 erst ab einem Gesamtgewicht von 2500 Kilogramm zugeteilt“ werden kann. Bei VW hat man sich auf Anfrage der HAZ jetzt den gesamten Vorgang schicken lassen. Bei der Prüfung stellten die Bearbeiter fest, dass der Barsinghäuser Sharan-Fahrer auch vorher schon eine falsche Plakette hatte. Statt der gelben Umweltplakette, mit der er vor Einbau des Partikelfilters fuhr, hätte er wegen der Kombination von Motor und zu geringem Gewicht nur die rote Plakette haben dürfen. Deshalb sei es nur schlüssig, dass er jetzt die gelbe Plakette hat. Wie viele Fahrzeuge wegen der weitgehend unbekannten Gewichtsbestimmung unbemerkt mit falschen Plaketten durch die Gegend fahren – darüber weiß naturgemäß niemand Bescheid.