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Aus der Stadt ... und jetzt zu den Staumeldungen
Hannover Aus der Stadt ... und jetzt zu den Staumeldungen
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00:15 01.09.2013
Von Bernd Haase
Baufahrzeuge auf der einen Seite, dichter Verkehr auf der anderen: Noch bis September wird der Fahrbahnbelag auf der A 7 zwischen Mellendorf und Bispingen saniert. Quelle: Herzog
Hannover

Die Zeiten des großen Autobahnbaus in der Region Hannover liegen noch gar nicht so lange zurück. Im Vorfeld der Weltausstellung ist die Autobahn 2 auf voller Länge zwischen den beiden Landesgrenzen zu Nordrhein-Westfalen und zu Sachsen-Anhalt dreispurig ausgebaut worden, nach der Weltausstellung war dann die Autobahn 7 zwischen Kreuz Ost und Mellendorf an der Reihe. „Der Verkehrsfluss wird sich auf Dauer verbessern“, sagte der damalige Wirtschaftsminister Peter Fischer.

Dauer ist ein dehnbarer Begriff. Bei der Landesbehörde für Straßenbau ist man der Überzeugung, dass die drei Streifen je Fahrtrichtung in absehbarer Zeit für die Blechlawinen nicht mehr reichen. „Wir empfehlen den Ausbau der Autobahn 2 auf gesamter Länge und den der Autobahn 7 zwischen Mellendorf und dem Dreieck Walsrode auf vier Streifen“, sagt Hinrike Böhm, Sachgebietsleiterin für Planung und Straßenbau. Beide Projekte will die Landesbehörde für den kommenden Bundesverkehrswegeplan anmelden.

Wie eng es beispielsweise auf der Autobahn 7 schon wieder geworden ist, war in den Sommerferien fast täglich in den Verkehrsnachrichten zu hören, und zwar in Form von Staumeldungen. „Wenn Urlaubs- und Wochenendverkehr auf den normalen Verkehr treffen, erreichen wir die Kapazitätsgrenze“, sagt Böhm. Auf der Autobahn 2 als wichtigster Ost-West-Magistrale hierzulande ist die allgemeine Verkehrsbelastung noch höher. Beiden Fernstraßen macht vor allem die Zunahme des Schwerlastverkehrs zu schaffen – die jeweils rechten Fahrspuren sind häufig für Personenwagen gar nicht mehr zu benutzen, weil sich die Lastwagen Stoßstange an Stoßstange über die Piste schieben.

Zuletzt hat die Landesbehörde im Jahr 2010 eingehend die Verkehrszahlen gemessen. Der am dichtesten befahrene Abschnitt in der Region Hannover überhaupt ist demnach derjenige der Autobahn 2 zwischen der Anschlussstelle Herrenhausen und dem Dreieck Hannover-West. Nach Angaben von Jens Fries vom Bereich Planung und Umweltmanagement passieren ihn täglich knapp 130 000 Fahrzeuge, darunter 27 000 Lastwagen. Danach bringt die Eckverbindung 352 Entlastung, die bei Mellendorf auf die Autobahn 7 trifft. Hinter dieser Stelle wird es dann auf der Nord-Süd-Verbindung voll. An der Anschlussstelle Mellendorf haben die Messungen ein Aufkommen von 95 000 Fahrzeugen ergeben.

Trotz aller Bemühungen, mehr Autofahrer und Spediteure für Bahn und Binnenschiff zu begeistern, werden die Verkehrsmengen auf den großen Fernstraßen zunehmen. Für die Autobahn 2 prognostizieren die Verkehrsplaner bis zum Jahr 2025 Zuwachsraten von bis zu einem Drittel. Auf der Autobahn 7 sollen sie generell nur 15 Prozent betragen, aber hier werden in gut zehn Jahren deutlich mehr Lastwagen unterwegs sein als heute.

Der Grund: Die Piste ist wichtig für den Gütertransport aus den deutschen Seehäfen in die südlich von Hannover gelegenen Ballungsräume. „Wir haben einen möglichen Ausbau bei den Flächenplanungen berücksichtigt“, sagt Hinrike Böhm. Die Gebiete direkt an der Autobahn sind also für die jeweils vierte Spur reserviert; auch die Raststätten und Parkplätze sind so angeordnet, dass ausreichend Platz bleibt.

Eine ganz andere Frage ist, ob der Autobahnbau im Raum Hannover im Konkurrenzkampf um das nötige Geld bestehen kann. Für beide Projekte zusammen dürfte ein dreistelliger Millionenbetrag fällig werden. Die bundesweit gehegten Wünsche nach zusätzlicher Verkehrsinfrastruktur übersteigen die dafür zur Verfügung stehenden Finanzmittel um ein Vielfaches.

Neue Straßen 
brauchen viel Zeit

Welche Straßen gebaut oder ausgebaut werden, regelt der Bundesverkehrswegeplan. Der nächste wird im Jahr 2015 vom Bundesverkehrsministerium aufgestellt und dann vom Kabinett beschlossen. Das Prozedere sieht vor, dass die Bundesländer im Vorfeld ihre Wünsche und Forderungen anmelden. Dabei gibt es keine Beschränkungen – gemeldet werden kann alles, was die Planer aushecken und Politiker einfordern, die sich um ihre Heimatregion verdient machen wollen. Das Ministerium ordnet dann die Posten nach den Kategorien „vordringlicher Bedarf“ und „weiterer Bedarf“. Wenn ein Projekt in der zweiten Preisklasse landet, lässt sich ein möglicher Baubeginn zuverlässig auf den Sankt-Nimmerleins-Tag taxieren. Der aktuelle Plan umfasst ein Finanzvolumen von 150 Milliarden Euro, ist aber um ein Vielfaches überzeichnet.
In Niedersachsen gibt es diverse Planungen. Die abgewählte CDU/FDP-Landesregierung hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eine Liste mit 241 Vorhaben übergeben. Der neue Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) hat sie kassiert und will sie „nach objektiven Kriterien überprüfen und überarbeiten“. Zu den geplanten Vorhaben zählen unter anderem die Küstenautobahn vom Ammerland zur Elbe, die Autobahn 39 von Lüneburg nach Wolfsburg und der Ausbau der Autobahn 7 zwischen Salzgitter und Seesen. Auch diverse Ortsumgehungen dürften angemeldet werden, darunter diejenige für Hemmingen.
Würde der Autobahnbau im Raum Hannover im Verkehrswegeplan vorne landen, könnte frühestens in zehn Jahren gebaut werden. So lange dauert erfahrungsgemäß die Zeit, die für Planung, Genehmigungen und Finanzierung ins Land geht.se

„Wir müssen leiden, bis es besser wird“

Die Autofahrer auf der A7 begrüßen die Ausbaupläne der Landesbehörden. Von den Baustellen haben sie aber schon jetzt genug.

Von Jörn Kießler

Rolf Kaucher zündet sich eine Zigarette an. Während die Reisegruppe aus seinem Bus in die Raststätte Allertal Ost strömt, um ein schnelles Mittagessen zu sich zu nehmen, braucht der 58-Jährige Nervennahrung. „Ich glaube, es wird knapp“, sagt Kaucher und schaut auf seine Armbanduhr. „Um 15 Uhr haben wir eine Stadtführung in Lüneburg gebucht.“ Es ist 13.20 Uhr. Kaucher und seine Reisegruppe haben noch gut 95 Kilometer vor sich. Auf mindestens 58 Kilometern davon wird gebaut.

Der Belag der Autobahn 7 wird derzeit zwischen den Anschlussstellen Mellendorf und Bispingen saniert. Der Verkehr auf der eigentlich sechsspurigen Autobahn läuft derzeit auf nur jeweils zwei verengten Fahrbahnen Richtung Hamburg und Hannover. Lange Staus vor allem zu den Stoßzeiten sind die Folge. Bis Ende September soll alles fertig sein. Die Landesbehörden haben aber schon die nächste Baumaßnahme im Blick. Sie empfehlen dem zuständigen Bundesverkehrsminister, die Strecke zwischen Mellendorf und Walsroder Dreieck auf acht Spuren auszubauen.

„Das ist wieder eine vollkommen unsinnige Planung“, sagt Kaucher. „Erst bauen sie hier ewig, und kaum ist es fertig, planen sie, die Strecke wieder aufzureißen.“ Dass es sinnvoll ist, die A 7 auszubauen, darin sind sich Berufsfahrer, Urlauber und Pendler einig. „Wenn es dann vierspurig ist, ist es auch gut“, sagt Karsten Gries. „Doch bis dahin bleibt es, sagen wir, bescheiden.“ Der 42-Jährige arbeitet für die Volkswagen Bank in Braunschweig. Wenn er zu Kundengesprächen fährt, nimmt er regelmäßig die A 7. „Ich plane dann von vornherein zwischen zehn und 15 Minuten mehr Zeit ein.“

„Das kann aber je nach Tageszeit auch mal eine Stunde oder noch mehr werden“, sagt Ivan Roller. Für den Lastwagenfahrer ist das umso ärgerlicher: Mehrmals pro Woche muss er durch das Nadelöhr nördlich von Hannover. Die Rendsburger Spedition, für die er arbeitet, ist auf den Transport von Großfahrzeugen spezialisiert. Viele davon werden nach Süddeutschland geliefert. „Von dort aus bringen wir dann andere Fahrzeuge wieder mit in den Norden“, sagt Roller und zeigt auf die drei Wohnmobile auf seinem Anhänger. „Die kommen aus dem Allgäu und müssen nach Dänemark.“ Die Fahrt mit den langen Sattelzügen vorbei an den Baustellen zehrt an den Nerven und kostet Kraft. „Wir müssen jetzt leiden, aber dann wird es danach wenigstens besser“, sagt Roller.

So schnell wird das jedoch nicht geschehen. Frühestens 2015, mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan, kann mit der Planung begonnen werden. Bis die Arbeiten tatsächlich beginnen, wird es noch wesentlich länger dauern. „Das Konzept ist eine Katastrophe“, sagt Christian Ondrich. „Aber nicht nur auf der A 7, sondern in ganz Deutschland.“ Der 40-Jährige aus Gütersloh ist auf dem Weg nach Hamburg. „Die Strecke fahre ich nicht sehr oft, aber auf den anderen Autobahnen ist es das Gleiche.“ Ihn ärgert vor allem, dass man als Autofahrer den Eindruck bekommt, die Baustellen würden eingerichtet, darauf passieren würde aber nichts. „Man sieht nie jemanden, der dort irgendetwas macht“, sagt Ondrich. Das frustriert viele Autofahrer. Sie haben den Eindruck, dass sie eingeschränkt werden, ohne dass es dafür bei der Sanierung der Straßen vorangeht.

„Sich aufzuregen bringt nichts“, sagt Rolf Kaucher und schnippt seine Zigarette weg. Mittlerweile ist seine Reisegruppe vom Essen zurück. Die Zeit drängt, wollen sie es noch pünktlich zur Stadtführung schaffen. Kaucher setzt sich ans Lenkrad und schließt die Türen. „Das Beste ist, man nimmt es alles einfach so hin.“

Ihm bleibt auch nichts anderes übrig. Nach dem Aufenthalt in Lüneburg geht es mit dem Bus zurück nach Schweighofen (Rheinland-Pfalz). Der kürzeste Weg dorthin führt über die A 7.

In den vergangenen drei Monaten hat Hannover den trockensten Sommer seit 1959 erlebt. Seit dem 1. Juni lediglich rund 102 Liter Regen pro Quadratmeter. Am kommenden Sonntag, 1. September, beginnt für die Meteorologen bereits der Herbst.

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