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Aus der Stadt Autohändler scheitert an aufmerksamer Seniorin
Hannover Aus der Stadt Autohändler scheitert an aufmerksamer Seniorin
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18:28 23.03.2014
Von Michael Zgoll
Symbolbild
Symbolbild Quelle: Archiv
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Hannover

Eine 70-jährige Frau aus der Nordstadt hat beim Kauf ihres Neuwagens und bei der Inzahlungnahme ihres Gebrauchtwagens Abenteuerliches erlebt. Ein siebenmonatiger Rechtsstreit um ihren fast zehn Jahre alten Seat Ibiza endete jetzt vor dem Amtsgericht Hannover mit einem Vergleich. Die Seniorin kann mit dem Ergebnis zufrieden sein – ihr Widerpart weniger. Vollends unzufrieden aber dürfte der unehrliche Verkäufer eines hannoverschen Autohauses sein, der seinen Job verloren hat und dem ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren sowie Schadenersatzansprüche ins Haus stehen.

Die 70-Jährige hatte Anfang August 2013 ein hannoversches Autohaus aufgesucht. Ihr alter Wagen lief nicht mehr richtig, am Ende unterzeichnete sie einen Kaufvertrag für einen Neuwagen. Auf ihre Frage, ob sie ihren roten Ibiza in Zahlung geben könne, antwortete der Verkäufer, der sei nichts mehr wert, tauge höchstens noch für den afrikanischen Markt. Er werde sich aber um das Fahrzeug kümmern, das zu diesem Zeitpunkt fahruntüchtig in der Südstadt stand. Der Angestellte verwies die Seniorin auf ihr Widerrufsrecht, diese händigte ihm die Fahrzeugpapiere und einen Autoschlüssel aus.

Drei Tage und einige Gespräche mit der Familie später kehrte die Nordstädterin ins Autohaus zurück, wollte ihren Gebrauchten wiederhaben. Doch der Verkäufer erklärte der überraschten Kundin, dass ihr Wagen bereits verkauft und auf dem Weg nach Afrika sei. Als „Zeichen guten Willens“ schob er ihr 200 Euro zu, bot ihr zudem an, einmal mit ihr essen zu gehen.

Verblüffenderweise wurde wenige Tage später ein roter Ibiza, der dem Auto der Nordstädterin aufs Haar glich, im Internet zum Verkauf angeboten: Für stolze 3850 Euro. Das war für die erboste Seniorin Grund genug, den Neuwagen-Vertrag zu kündigen und mit anwaltlicher Hilfe die Herausgabe ihres Gebrauchten zu fordern. Im Laufe der folgenden Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Verkäufer ihren Ibiza unmittelbar nach dem Neuwagenkauf für 550 Euro an einen Mann aus Wathlingen (nahe Celle) verkauft hatte, ohne Wissen des Autohauses. Der Wathlinger ließ den Wagen reparieren, steckte 1120 Euro in den Austausch von Steuerkette, Zündspule und Zündkerzen sowie Lackarbeiten.

Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte das Auto, gab es der Seniorin zurück. Doch nun wurde der Wathlinger rebellisch, der den Wagen angeblich gutgläubig erworben und nun nichts mehr im Internet zu verkaufen hatte. Er verklagte die 70-jährige auf Herausgabe des Fahrzeugs, ersatzweise auf die Erstattung der Reparaturkosten von 1120 Euro, die in einer Werkstatt in seinem Heimatort angefallen waren. Ob der unredliche Autoverkäufer und der Käufer möglicherweise unter einer Decke stecken könnten, wurde im zivilrechtlichen Verfahren nicht geklärt.

Beim abschließenden Prozesstermin stellte Amtsrichter Reinhard Wiehe fest, dass es sich hier um einen rechtlich anspruchsvollen Fall handele. Schließlich aber stimmten beide Seiten einem von ihm vorgelegten Vergleichsvorschlag zu. Demnach zahlt die Seniorin an den Mann aus Wathlingen 500 Euro und braucht nur ein Siebtel der Kosten des Rechtsstreits zu tragen. „Meine Mandantin ist sehr erleichtert, dass sie letztendlich doch nicht über den Tisch gezogen wurde“, sagt ihr Rechtsanwalt Gerold Papsch. Und die 70-Jährige hat jetzt einen Ibiza, der wieder wunderbar läuft – repariert zu einem guten Preis.

Jörn Kießler 23.03.2014
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