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Aus der Stadt Autohaus verkauft Fahrzeug mit vielen Mängeln
Hannover Aus der Stadt Autohaus verkauft Fahrzeug mit vielen Mängeln
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00:15 15.05.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: Symbolbild
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Hannover

Eine böse Überraschung hat ein junger Mann knapp drei Jahre nach einem Gebrauchtwagenkauf erlebt: Der VW Golf, den er für 13 400 Euro bei einem hannoverschen Autohaus erworben hatte, wies etliche Unfallschäden auf. Diese versteckten Mängel stammten offenkundig aus der Zeit vor dem Kauf, waren ihm aber verschwiegen worden. Er verklagte den Händler, ihm den Wertverlust auszugleichen. Nach einer Verhandlung bei Amtsrichterin Friederike Kiehl haben nun beide Seiten einem Vergleich zugestimmt: Der Käufer bekommt 1100 Euro erstattet.

Farbe schwarz, Baujahr 2005, zwei Vorbesitzer, 74 000 Kilometer gelaufen: Das waren die Rahmendaten für den gut ausgestatteten Golf, den der Werkzeugmacher aus Hannover im März 2011 erwarb. Das Autohaus, das kein ausgewiesener VW-Betrieb ist, hatte dem Kunden das Fahrzeug als unfallfrei angepriesen. Doch Anfang 2014, bei einem Reifenwechsel, entdeckte der Besitzer im Radkasten verdächtige Roststellen.

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Von den Mängeln nicht gewusst?

Im Laufe der Folgemonate, so seine Anwältin Elke Vahlbruch, hätten ein VW-Fachbetrieb und ein Gutachter eine Unfall-Historie erstellt. Sie fanden heraus, dass die Motorhaube, ein rechter Kotflügel und eine linke Tür gespachtelt wurden, dass es Vorschäden an vorderer und hinterer Stoßstange gibt, dass die Heckklappe einen Unfallschaden aufweist und die Heckscheibe nicht ordnungsgemäß eingesetzt wurde. An mehreren Stellen ließen sich Reparaturen auch durch eine deutlich dickere Lackschicht nachweisen.

Der Autohändler behauptete, nichts von all diesen Mängeln gewusst zu haben. Die Vorbesitzerin habe beim Verkauf des Golfs keinerlei Unfälle erwähnt. Der Anwalt des Autohauses meinte vor Gericht, es habe somit keine Veranlassung gegeben, den Wagen genauer zu überprüfen. Immerhin habe sich ein Mitarbeiter das Fahrzeug „angeguckt“. Eine Verpflichtung, um einen Gebrauchtwagen „herumzulaufen und die Lackdicke zu überprüfen“, bestehe jedoch nicht.

Drei Jahre sind eine allzu lange Zeit

Doch das sah der 29-jährige Kläger vollkommen anders. Und Rechtsanwältin Vahlbruch assistierte: „Wenn ich bei einem Autohaus einen Gebrauchtwagen kaufe, muss ich mich darauf verlassen können, dass er auf Herz und Nieren geprüft wurde.“ So klagte der Werkzeugmacher 2500 Euro Schadenersatz und das Begleichen der außergerichtlichen Kosten ein.

Allerdings hatte die Sache einen Haken. Hätte der Mann die Vorschäden innerhalb der Gewährleistungsfrist von zwei Jahren festgestellt, wären seine Chancen auf einen Ausgleich in der gewünschten Höhe nicht schlecht gewesen. Drei Jahre allerdings sind eine allzu lange Zeit. So führte Vahlbruch hilfsweise eine „arglistige Täuschung“ ins Feld, denn hier gilt eine längere Verjährungsfrist. Weil in der Verhandlung aber offen blieb, ob die Richterin diese Sichtweise teilen würde, nahm der Kläger den Kompromissvorschlag von Friederike Kiehl schließlich doch an - zähneknirschend.

Saskia Döhner 12.05.2015
12.05.2015
12.05.2015