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Aus der Stadt Autonome beschmieren Wohnungen von Ratsmitgliedern
Hannover Aus der Stadt Autonome beschmieren Wohnungen von Ratsmitgliedern
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00:15 06.02.2017
Von Tobias Morchner
Nach dem Auftauchen dieser Flugblätter ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung und Beleidigung.  Quelle: privat
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Hannover

Zum Teil beschmierten die Unbekannten Straßen und Hauswände vor den Wohnungen der Betroffenen mit Parolen. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und des Verdachts der üblen Nachrede.

Die Taten in Groß-Buchholz, der Südstadt, auf der Bult, in Wettbergen, Badenstedt, Bothfeld und Sahlkamp waren zum Teil noch in der Nacht, andere erst am frühen Morgen entdeckt worden. Die Betroffenen seien Teil der organisierten rechten Bewegung in Hannover, heißt es in einem Online-Beitrag, in dem alle Flugblätter nachzulesen sind. Auf den Flyern sind aber nicht nur persönliche Daten der Ratsmitglieder zu finden. Veröffentlicht wurden auch Angaben zu Arbeitsplätzen der Politiker, zum Teil Autokennzeichen der Wagen der Betroffenen und in einem Fall auch die Kirchengemeinde, die das betroffene AfD-Mitglied regelmäßig besucht.

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„Das ist außerhalb jeden menschlichen Anstandes“

Jörn König, der Vorsitzende des Kreisverbandes der AfD in Hannover, zeigte sich empört über die Aktionen. „Das ist außerhalb jeden menschlichen Anstandes, wo soll das alles noch hinführen“, sagte er der HAZ. In einer Presseerklärung forderte er alle Parteien auf, sich von Straftaten wie Sachbeschädigung und übler Nachrede zu distanzieren: „Dies kann in einer Demokratie kein gewollter Umgang sein. Politischer Wettbewerb sollte sportlich fair stattfinden.“ König selbst war von den Übergriffen nicht betroffen. Er hat kein Ratsmandat, kandidiert für den Bundestag.

Auch Jens Böning, Gründer und langjähriger Vorsitzender der Wählergruppierung „Die Hannoveraner“ und Ratsmitglied, statteten die Linksautonomen einen Besuch ab. „Ich selbst habe davon nichts mitbekommen, weil ich schon sehr früh das Haus verlassen habe“, sagte er. Er hält die Aktion zudem für sinnlos. „Die Nachbarn wissen, wer ich bin und was ich mache“, sagt er. Von einer Strafanzeige will der Politiker aber absehen. „Das würde die ganze Angelegenheit nur noch mehr aufbauschen“, sagt Böning.

Die Aktion steht vermutlich im Zusammenhang mit dem am Sonnabend stattfindenden Treffen der Landesfunktionäre der AfD im Bürgerhaus Misburg. Bei der Zusammenkunft sollen die Listen für die anstehenden Wahlen aufgestellt werden. Der Deutsche Gewerkschaftsbund ruft für 17 Uhr zu einer Demonstration gegen das AfD-Treffen auf. Eine zweite, für den Vormittag geplante Aktion, zu der die Satire-Partei Die Partei aufgerufen hatte, war am Freitagnachmittag kurzfristig wieder abgesagt worden.

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