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Aus der Stadt Junge, Junge!
Hannover Aus der Stadt Junge, Junge!
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00:15 26.03.2014
Von Uwe Janssen
Foto: Die Backstreet Boys in alter Konstellation in Hannover.
Die Backstreet Boys in alter Konstellation in Hannover. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Der erste Moment ist interessant. Können sie es noch? Haben sie es noch drauf wie früher? Sind sie noch so fit, dieses Level zu erreichen? Und dann geht das Licht aus, und dann geht der Sturm los, und dann ist es ganz klar: Ja, sie können es noch - die Fans der Backstreet Boys schreien noch genau so laut wie vor 20 Jahren. Vielleicht ist das Wort „Eingangspegel“ doch für diesen Moment erfunden worden und nicht für einen technischen Begriff. Es klingelt richtig in den Ohren. Dabei stehen da vorn doch nur fünf Männer um die 40, die ihre alten Lieder singen. Aber so einfach ist die Sache dann doch nicht.

„I want it that way“ und „As long as you love me“ - die Backstreet Boys sind zurück, mit alten und neuen Hits! Mit ihrer Tour „In a world like this“ spielten sie am Sonntag in der TUI Arena.

Denn davor stehen 11.000 Menschen, die meisten davon Frauen, die schon getanzt und gejubelt haben, als vor diesem Moment zum Aufwärmen Songs ihrer Lieblinge vom Band gespielt wurden. Und wenn, sagen wir, 10.000 Frauen alle gemeinsam das Geräusch machen, das Frauen machen, wenn sie eine Boyband sehen, dann klingelt's halt in den Ohren, und dann muss der Techniker ganz schön am Ausgangspegel schrauben, damit man von der Musik überhaupt noch etwas hört. Fest steht: Kreischen ist keine Frage des Alters. Denn aus den Teenies von damals sind hier wie da Erwachsene geworden. Die da unten prosten sich jetzt mit Schaumwein zu und müssen morgen nicht zur Schule, sondern zur Arbeit. Trotzdem haben die Bedienungen an den Tresen vorsichtshalber Batterien von Plastiksektgläsern bereitgestellt, wie man es sonst hier eigentlich nur vom Biervorzapfen kennt.

Die da oben trinken nicht, sie sind ja auch schon bei der Arbeit, und optisch muss man sagen: Von alten Säcken kann nicht die Rede sein. Nicht bei den fünf Typen und nicht bei ihren Klamotten, denn sie haben ihren raumgreifenden Schlabberlook gegen schicke, eng geschnittene helle Anzüge getauscht. Damit ist die Form-Sache schon mal geklärt. Die Bewegungen, die diese schlanken Herren da vorn vollführen, haben 20 Jahre auf dem Buckel und sind auch eher was für 20-Jährige. Aber sie funktionieren, und werden selbstverständlich in der Halle goutiert.

Die große Showtreppe passt zur großen Geste. Glutrot kann sie leuchten oder miami-vice-türkis. Als "Incomplete", die erste Monsterballade, durch die Mehrzweckhalle weht, liegen sich die ersten Damen auf den Tribünen schon nostalgisch in den Armen. Dann geht das Saallicht an, und Nick Carter kommt mit einem  bemerkenswerten Satz an die Rampe: "Ihr wisst doch", sagt er, "dass wir euch gehören." Deutschland, ja, Deutschland sei das Land, das als erstes Land erkannt habe, welches Potenzial in den Backstreet Boys stecke. Und dann sagt er, nein, bitte nicht - doch: "Make some noise". Es wird noch lauter. Der Tonmann dreht weiter am Ausgangspegel, so dass es nach zwanzig Minuten trotz aller Balladenseligkeit eines der lauteren Konzerte in der TUI Arena ist. Rock 'n' Roll? Die Sektausschenker haben Pause.

Die Band zwischendurch auch. Umziehpause, wie damals. Doch kein Rock 'n' Roll. Damit es nicht langweilig wird, gibt es ein paar Einspielfilmchen, natürlich mit den Backstreet Boys selbst. Immerhin keine Kinowerbespots wie kurz vor dem Konzert. "Habt ihr auch Kinder?", fragt Kevin Richardson ins Publikum, um dann fast nachdenklich hinterherzuschieben: "Wir sind doch alle irgendwie erwachsen geworden." Hatten die englischen Kollegen von Take That bei ihrer Wiederkehr vor ein paar Jahren auch schon kräftig in Sentimentalitäten gebadet, scheinen es die Backstreet Boys noch ein bisschen rührseliger angehen zu wollen. Jetzt aber schnell wieder Musik! Hilft nicht! Wieder 'ne Ballade! "Show me the meaning of being lonely." Das Kuschelrock-Genre hat über die Jahre schon ganz gut von den Jungs aus Florida gelebt. "Did you miss us?", fragen sie. Die Antwort - ein neues Fest für die Ohren.

Die Show, stellt sich heraus, hält sich in Grenzen an diesem Abend und kreist im Wesentlichen um die Präsenz des Quintetts. Bisschen dünn einerseits, andererseits sind die Fans genau deshalb hier und nicht wegen irgendwelchem Schnickschnack. Dann lieber noch einen alten Hit, zur Abwechslung mal was zum Ausrasten:  "We've got it going on", eines der Temponummern im Programm.

Irgendwann nach gut einer Stunde spielen die Backstreet Boys selbst Instrumente, was in der Boybandbranche schon eine Meldung wert ist. Mehr jedenfalls als der grüne BH, der irgendwann am Mikro hängt. Kleines Akustikset, als ob es zu beweisen gelte, dass hier eine Band am Werk ist. Aber warum? Dann doch lieber singen, das ist nach wie vor ein Genuss, und wenn sie mal zu fünft wie die Eagles klingen wollen, dann tun sie das einfach.

Aber es wird nochmal laut. Hüben wie drüben. Alle sind laut. Oder in diesem Fall: Everybody. Zwei Stunden netto. Dann Nostalgiemodus aus. Morgen ist Arbeit.

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