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Aus der Stadt Bahlsen bleibt Weihnachtsbäckerei, und die Hannoveraner freut's
Hannover Aus der Stadt Bahlsen bleibt Weihnachtsbäckerei, und die Hannoveraner freut's
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00:15 17.12.2012
Foto: Eine traditionelle Keksdose der Bahlsen Bäckerei. Seit mehr als 100 Jahre gibt es den beliebten Spekulatius-Keks.
Ene traditionelle Keksdose der Bahlsen Bäckerei. Seit mehr als 100 Jahre gibt es den beliebten Spekulatius-Keks. Quelle: Handout
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Seit zehn Jahren verkauft Sigrid Speer Bahlsen-Kekse im Fabrikladen in Bothfeld. Dort bekommen die Kunden ihre Kekse noch ein bisschen günstiger als im Supermarkt. Jedes Jahr zu Weihnachten hat die Kassiererin besonders viel zu tun. Dann hieven die Käufer paketweise Zimtsterne, Fürstenschnitten und Stollen auf das Kassenband. „Die Kunden waren sehr enttäuscht, als sie hörten, dass die Produktion von Weihnachtsgebäck eingestellt werden soll“, erzählt die Kassiererin. Umso mehr Spaß machte es ihr gestern, den Käufern die neueste frohe Botschaft zu übermitteln: Bahlsen macht doch weiter mit dem Weihnachtsgeschäft (die HAZ berichtete).

Im Juli hatte der Kekskonzern noch angekündigt, 2013 kein Weihnachtsgebäck mehr produzieren zu wollen. Der Grund: Dem Preiswettbewerb mit den günstigen Eigenmarken von Aldi, Lidl und Co. könne man nicht mehr standhalten. Das Weihnachtsgeschäft sei für Bahlsen schlicht nicht mehr rentabel. Gestern gab es dann die Kehrtwende. Es hätten sich so viele Bahlsen-Kunden bei dem Konzern beschwert, dass man jetzt doch weiter Weihnachtskekse backen wolle. Man habe die „emotionale Bedeutung des Weihnachtsgeschäfts für die Marke unterschätzt“, sagte Firmeninhaber Werner Michael Bahlsen.

Und so waren die Kunden im Bothfelder Bahlsen-Direktverkauf erleichtert. „In meinem Freundeskreis hatten viele bedauert, dass es bald keine Bahlsen-Weihnachtskekse mehr geben soll“, berichtet Detlef Braunschweig. „Ich bin mir deshalb sicher, dass sich Bahlsen gegen die Konkurrenz behaupten kann.“ Das glaubt auch Studentin Carolin Reimers: „Anscheinend hat Bahlsen ja genügend Stammkunden, die die Weihnachtskekse vermissen würden.“ Die 22-Jährige findet es gut, dass Bahlsen auf den Protest der Kunden reagiert.

Und trotzdem: Das Weihnachtsgeschäft macht bei Bahlsen nur knapp fünf Prozent des Konzernumsatzes aus. Und das, obwohl zu keiner Zeit mehr Schokolade und Lebkuchen gekauft werden, als zu Weihnachten. Deshalb will das Unternehmen sein Weihnachtssortiment im nächsten Jahr verschlanken. Von den aktuell 39 verschiedenen Weihnachtsprodukten wird es im Winter 2013/2014 nicht mehr alle geben. Welche genau wegfallen, wird erst im Januar entschieden, sagt Sprecherin Kerstin Deike. „Im Sortiment bleiben aber auf jeden Fall unsere stärksten Produkte, die Lebkuchen Akora und Contessa“, verspricht sie. Das freut Bahlsen-Kunde Pham Thang. „Ich esse am liebsten Lebkuchen, die schmecken wunderbar“, sagt der gebürtige Vietnamese. Rentnerin Sieghield Golka hofft, dass es auch den Butterstollen im nächsten Jahr noch geben wird. „Den isst meine jüngste Tochter so gern“, erzählt sie.

Für das 1889 gegründete Unternehmen Bahlsen hat die Weihnachtsbäckerei Tradition. Der erste Spekulatius wurde vor mehr als 100 Jahren gebacken. Es folgten sogenannte Künstler-Lebkuchen, die mit verschiedenen Motiven verziert waren und stückweise verkauft wurden. 1930 kamen Zimtsterne dazu, und so erweiterte sich das Sortiment nach und nach mit steigendem Erfolg der Marke Bahlsen.

von Anne Grüneberg

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