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Aus der Stadt Bahn soll Prügel-Fans nicht mehr befördern
Hannover Aus der Stadt Bahn soll Prügel-Fans nicht mehr befördern
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20:50 18.04.2011
Von Tobias Morchner
Die Bereitschaftspolizei am Bahnhof.
Die Bereitschaftspolizei am Bahnhof. Quelle: Rainer Dröse (Archiv)
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Nach den erneuten Übergriffen sogenannter Fans von Hannover 96 auf Anhänger eines andern Teams denkt jetzt auch die Bundespolizei über härtere Schritte gegen die Beteiligten nach. „Alle Friedensgespräche der Vergangenheit haben nicht gefruchtet, deshalb muss es jetzt Konsequenzen geben“, sagte Detlef Lenger, der Sprecher der Behörde. Denkbar sei, dass die Bahn ein Beförderungsverbot für gewaltbereite Fans ausspreche, so dass die Randalierer nicht mehr mit dem Zug zu Auswärtsspielen der Roten fahren können. Machen sie sich trotzdem auf den Weg und werden dabei erwischt, könnte die Bundespolizei ein Strafverfahren gegen sie einleiten. Die Bahn lehnte diesen Vorschlag ab. Er sei juristisch nicht durchsetzbar.

Die Bundespolizei diskutiert darüberhinaus offenbar auch die Einführung einer sogenannte Meldepflicht für Hooligans. Mehrfach durch Gewalt auffällig gewordene Fans bekämen dann zur Auflage, sich am Auswärtsspieltag regelmäßig bei der für sie zuständigen Polizeiwachen in Hannover melden. So kann verhindert werden, dass die Problemfans die Stadt verlassen.

Auch Fanforscher Gunter Pilz sprach sich nach den Ausschreitungen vom Wochenende für harte Maßnahmen gegen die aggressiven Mitglieder der Ultra-Szene aus: „Es ist an der Zeit, dass der Verein den Ultras die Privilegien, die sie zweifelsohne im Stadion genießen, entzieht“, sagte der Sportwissenschaftler. Auf diese Weise könnte die friedlichen Masse dazu bewegt werden, sich endlich von der kleinen gewaltbereiten Minderheit zu distanzieren. Am Sonnabendabend waren im Bahnhof Uelzen 96-Fans auf Anhänger des FC St. Pauli losgegangen. Die Polizei konnte nur durch den Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray verhindern, dass die Angreifer den Zug mit den Hamburger stürmten.

Beim Aussteigen im Hauptbahnhof Hannover zündeten einige der Ultras Feuerwerkskörper und rissen in den Waggons Kopfstützen von den Sitzen. Die Polizeidirektion der Landeshauptstadt hatte bereits vor Wochen auf die zunehmende Gewalt der Ultras reagiert. In vier Fällen strebt die Behörde die Verhängung von Aufenthaltsverboten für polizeibekannte Ultras bei Heimspielen der Roten rund um die AWD-Arena an. „In einem der vier Fälle ist das Verbot bereits zugestellt, bei den anderen drei ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen“, sagte Bernd Kirschning, der Einsatzleiter Fußball der Polizeiinspektion West. Rechtsanwalt Andreas Hüttl, der die drei Letztgenannten vertritt, hat Akteneinsicht beantragt.