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Aus der Stadt Es bleibt laut
Hannover Aus der Stadt Es bleibt laut
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07:52 06.03.2014
Von Bernd Haase
Wie hier in Ahlem rattern vielerorts in Hannover Güterzüge an Wohngebieten vorbei. Zehn Prozent aller Einwohner müssten übermäßig großen Nachtlärm ertragen, sagen Kritiker.
Wie hier in Ahlem rattern vielerorts in Hannover Güterzüge an Wohngebieten vorbei. Zehn Prozent aller Einwohner müssten übermäßig großen Nachtlärm ertragen, sagen Kritiker. Quelle: Margret Jans-Lottmann
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Hannover

Die Lärmschutzwände an der Güterumgehungsbahn im Bereich der Stadt Hannover werden nicht aufgestockt oder erneuert. Das hat Gerhard Warnke, Projektleiter Lärmsanierung der Bahn für Niedersachsen und Bremen, jetzt bei einem Gespräch mit Vertretern des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund) klargestellt. Der wiederum will erreichen, dass mehrere Tausend lärmgeplagte Bürger an der Trasse besser geschützt werden - zur Not auch auf juristischem Wege.

Die Bund-Mitglieder Walter Feldt und Gerhard Wach haben der für das Schienennetz zuständigen Tochter der Bahn in der Lindemannallee knapp 700 Unterschriften übergeben. Mehr als die Hälfte davon hat eine private Bürgerinitiative um die Anwohnerin Heidi Rhein in Davenstedt gesammelt.

Die lauteste Stadt Deutschlands

Den Rest, verbunden mit einer Resolution gegen den Bahnlärm in Hannover, steuert der Naturschutzbund selbst bei. „Wir fordern, dass unser Recht auf Gesundheitsschutz nicht länger verletzt wird“, heißt es in dem Schriftstück. „Zehn Prozent aller Hannoveraner müssen mehr als 55 Dezibel Nachtlärm ertragen“, sagt Feldt. Dieser Wert gelte als Grenze des Erträglichen. Was den Lärm durch Güterzüge angehe, sei Hannover mit Werten bis zu 70 Dezibel die lauteste Stadt in Deutschland.

„Wir haben den Wunsch, mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen, und nehmen die Anliegen ernst“, erklärt Jürgen Motzkau, Leiter des Kundenmanagements bei DB Netz. In der Sache jedoch blieben Wünsche der Bund-Vertreter unerfüllt. Eines der Hauptprobleme ist, dass die Güterumgehungsbahn, über die binnen 24 Stunden knapp 300 Züge rumpeln und davon wiederum die meisten in den Nachtstunden, schon vor einigen Jahren als eine der ersten in Deutschland lärmsaniert wurde. Damals galten aber noch geringere Werte. „Für uns ist das Projekt abgeschlossen, andere Strecken genießen Priorität“, sagt Warnke. Ohnehin könnten die bestehenden Wände aus statischen Gründen nicht aufgestockt werden. „Man müsste sie abreißen und komplett neu hinstellen“, erklärt er.

Die Bahn will die Züge auch nicht langsamer fahren lassen, weil dann die Kapazität der Strecke nicht mehr ausreicht. Theoretisch dürften die Züge laut DB Netz Tempo 100 fahren, aber diese Geschwindigkeit werde jetzt schon nicht erreicht.

Immerhin verlangt die Bahn seit einiger Zeit von den Güterzuggesellschaften lärmabhängige Trassenpreise. Die liegen zwar nur um geringe Prozentwerte über den normalen Tarifen, aber laut Motzkau tut das den Unternehmen weh: „Der Konkurrenzkampf in der Logistik ist hart, da zählt jeder Cent.“ Außerdem sollen die Tarife jährlich steigen.

Den Anwohnern der Strecke reicht das nicht aus. „Wir hoffen auf Unterstützung durch die Stadt Hannover“, sagt Feldt. Die legt noch in diesem Jahr einen sogenannten Lärmaktionsplan vor, in dem sich die Anwohner der bereits 1907 gebauten Güterumgehungsbahn mit ihren Anliegen wiederfinden möchten. „Wenn das alles nicht hilft, werden Anwohner klagen“, sagt Feldt. Das Recht auf Gesundheitsschutz sei schließlich im Grundgesetz verankert.

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