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Aus der Stadt Bahnfahrplan gerät bis zum Abend durcheinander
Hannover Aus der Stadt Bahnfahrplan gerät bis zum Abend durcheinander
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13:21 04.03.2011
Am Hauptbahnhof Hannover standen am Freitagmorgen ICE, Nahverkehrszüge und S-Bahnen still.
Am Hauptbahnhof Hannover standen am Freitagmorgen ICE, Nahverkehrszüge und S-Bahnen still. Quelle: Uwe Dillenberg
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Der Warnstreik der Lokführer hat am Freitag auch den Hauptbahnhof Hannover getroffen. Gleich zu Beginn des Streiks standen zwei ICE und mehrere Nahverkehrszüge still, darunter auch Züge von Privatbahnen, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Bis 11 Uhr hat sich an der Situation laut Bahnsprecher jedoch "nicht großartig etwas geändert". Wie viele Lokführer am Hauptbahnhof in Hannover und den Bahnhöfen in der Region ihre Fahrt für die Streikdauer von drei Stunden unterbrochen hatten, konnte der Sprecher nicht genau sagen, nannte die Lage jedoch "ganz entspannt".

Dass in Hannover verhältnismäßig wenige Züge stillstanden, führte der Bahnsprecher auch darauf zurück, dass sie gar nicht erst in den Hauptbahnhof eingefahren waren, sondern bereits in Uelzen, Nienburg, Celle, Braunschweig und anderen Orten stehen geblieben waren. Sobald die Strecken nach dem Streikende um 11.30 Uhr wieder frei sind, wird der Zugverkehr wieder anrollen. "Dann müssen wir alles ordnen", sagte der Bahnsprecher.

Und das kann dauern. Denn wie bereits bei den vorausgegangenen Streiktagen wird der S-Bahnverkehr auch am Freitag vermutlich erst in den späten Mittagsstunden wieder reibungslos funktionieren. Beim Regionalverkehr rechnet die Bahn mit Behinderungen bis in den späten Nachmittag und beim Fernverkehr sogar bis in die Abendstunden. Bahnreisende müssen sich also wieder auf eine lange Fahrt ins Wochenende gefasst machen.

Um die Reisenden über Zugausfälle und Verspätungen auf dem Laufenden zu halten, setzt die Bahn am Freitag wieder zusätzliches Personal auf den Bahnhöfen und an den Leitständen ein. Auch die Internetseite mit den Fahrplänen soll "möglichst aktuell gehalten werden", wie der Bahnsprecher mitteilte. "Das Problem ist jedoch, dass wir nicht wissen, wo gestreikt wird - wir erfahren das erst, wenn ein Zug stillsteht." Aus diesem Grund werde auch der Einsatz zusätzlicher Lokführer oftmals erschwert.

Auf ihrer Homepage informiert die Bahn zudem über "umfangreiche Kulanzleistungen", die das Unternehmen den vom Streik betroffenen Reisenden anbietet.

Mit den dritten Warnstreiks innerhalb von zwei Wochen haben die Lokführer am Freitag in ganz Deutschland den Bahnverkehr behindert. Es kam zu Verspätungen und Zugausfällen im Nah-, Regional- und Fernverkehr, in Großstädten waren vielfach auch die S-Bahnen betroffen. „Die Deutsche Bahn bedauert, dass Hunderttausende ihrer Fahrgäste wieder flächendeckend von Zugausfällen und Verspätungen betroffen sind“, teilte der Konzern mit. Der dreistündige Warnstreik für einheitliche Standards für rund 26.000 Lokführer bei der DB und großen Konkurrenten wurde um 11.30 Uhr beendet.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat indes mit einer Ausweitung der Streiks gedroht. „Das letzte Angebot der Arbeitgeber ist eine Unverschämtheit“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag in Frankfurt am Main. Nach dem Ende der Urabstimmung werde der Arbeitskampf in der kommenden Woche ausgeweitet, auch der Güterverkehr werde einbezogen. „Was auf dem Tisch liegt, ist nicht verhandelbar“, sagte Weselsky.

Am Freitag hatte der dritte bundesweite Streiktag der GDL stattgefunden. Die GDL will mit dem Warnstreik einheitliche Tarifstandards für die rund 26 000 Lokführer in der gesamten deutschen Bahnbranche durchsetzen.

Das letzte Angebot der Deutschen Bahn sei „eine Frechheit“, sagte Weselsky. Die Lokführer sollten weniger verdienen, die Wochenarbeitszeit erhöht werden. Der Personalverstand der Bahn setze „permanent Halbwahrheiten über ein angeblich verbessertes Angebot in die Welt“. Die GDL sei bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wenn die Bahn ein besseres Angebot vorlege. Am Montag (7.3.) soll das Ergebnis einer Urabstimmung über offizielle Streiks bekanntgegeben werden. Bis einschließlich Montag, dem Tag der Auszählung, seien keine weiteren Warnstreiks geplant.

jhe/dpa