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Aus der Stadt Bahnreisende sitzen in Hannover ohne Informationen fest
Hannover Aus der Stadt Bahnreisende sitzen in Hannover ohne Informationen fest
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22:01 21.12.2010
Am Service Point der Deutschen Bahn im Hauptbahnhof Hannover bilden sich kurz vor Weihnachten lange Schlangen. Quelle: Nico Herzog
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Sarah Remus wollte ganz sichergehen. Deshalb ist die 22-Jährige am Dienstagmorgen schon um vier Uhr aufgestanden und dann in Berlin in den ICE nach Hannover gestiegen. Gegen 11 Uhr wäre sie in Düsseldorf bei ihren Eltern angekommen – normalerweise. Stattdessen steht sie nun seit einer halben Stunde in der langen Schlange vor dem Informationsschalter der Bahn im Hauptbahnhof. In Berlin war ihr Zug noch pünktlich losgefahren, in Hannover kam er mit über zweistündiger Verspätung an. „Dann hieß es, dass wir alle aussteigen müssen, der Zug fahre nicht mehr weiter“, berichtet Remus. „Ich bin richtig ärgerlich.“

Der Weihnachtsreiseverkehr bei der Bahn ist in vollem Gang, und zeitgleich wächst im Fernverkehr das Chaos. Nahezu jeder Zug hatte am Dienstag in Hannover Verspätung und war hoffnungslos überfüllt, viele Verbindungen fielen komplett aus. Tausende Reisende saßen fest und hatten keine Informationen, wie sie an ihr Ziel gelangen können. Mittags hieß es zu vielen Züge einfach nur: auf unbestimmte Zeit verspätet.

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Nicht alle Plätze am Informationsschalter sind besetzt, die Schlange der Wartenden wird länger, der Unmut größer. Als in den Vormittagsstunden die Strecke in Richtung Westen nach dem tödlichen Unglück (Bericht oben) gesperrt wird, scheint bei einigen Reisenden die Leidensfähigkeit erschöpft zu sein. Zum Beispiel bei Christiane Friedemann: Schon lange hat sich die 62-Jährige aus Rethen auf den Urlaub bei Verwandten im Erzgebirge gefreut. „Ich bin schon seit drei Stunden hier, um nach Leipzig zu kommen.“ Jetzt ist sie so wütend über die Deutsche Bahn, dass sie nicht mehr fahren und ihre Fahrkarte zurückgeben will. „Aber noch nicht mal das klappt, jetzt muss ich hier stundenlang am Schalter stehen“, sagt Friedemann.

Die Bahn versucht, die frierenden Reisenden mit kostenlosem Kaffee, Tee und Keksen auf den Bahnsteigen wenigstens ein bisschen bei Laune zu halten. Das wird auch die nächsten Tage nötig sein, denn das Unternehmen rechnet wegen weiterer Schneefälle vor Weihnachten nicht mit einer Besserung der Lage. Eine Konzernsprecherin rät dazu, auch für Fahrten zu entfernteren Zielen Nahverkehrszüge zu nutzen oder in der 1. Klasse zu reisen, um einen Sitzplatz in den überfüllten Zügen zu bekommen.

Diesen Luxus wollte sich auch Christa Sporleder gönnen – zum ersten Mal, wie die 82-Jährige aus Bissendorf berichtet. Sie will in Essen mit einer Freundin Weihnachten feiern. „Ich saß auch schon auf meinem Platz“, berichtet sie. Der Zug fiel dann aber einfach aus. Nach Essen will sie unbedingt noch. „Mein Koffer ist schon dort.“

Sarah Remus ist übrigens am Dienstag noch bei ihren Eltern angekommen – mit sechsstündiger Verspätung.

Mathias Klein

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