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Aus der Stadt Rekordstreik geht in die zweite Runde
Hannover Aus der Stadt Rekordstreik geht in die zweite Runde
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13:21 07.11.2014
Der bundesweite Streik der Lokführer führt auch am Freitagmorgen zu massiven Beeinträchtigungen im Zugverkehr.
Der bundesweite Streik der Lokführer führt auch am Freitagmorgen zu massiven Beeinträchtigungen im Zugverkehr. Quelle: Dillenberg
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Den detaillierten Notfallfahrplan der Bahn finden Sie hier.

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Hier gibt es den Notfallfahrplan.

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Mitfahrer vernetzen sich:
Die HAZ-Mitfahrzentrale auf Facebook.

Warum wird gestreikt?
Alles zum Hintergrund des Bahn-Streiks.

+++ Glück im Unglück: An diesem Morgen freut sich am Bahnhof wohl niemand so sehr über die Anwesenheit unseres Fotografen wie Yin Lam. Denn sein Foto an dieser Stelle kann ihm vielleicht noch einmal einen guten Dienst erweisen. Aber von Anfang an: Der junge Mann ist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch in Köln – so lautete zumindest der Plan. Sein Zug wurde angezeigt und fuhr sogar pünktlich ein, wurde dann aber offenbar für eine wichtigere Verbindung benötigt und bekam ein anderes Reiseziel. Pech für Yin Lam, der nun um die pünktliche Ankunft in Köln bangen muss. Jetzt will er schnell nach Hause und mit dem Auto nach Köln fahren, hoffentlich ohne weitere Verzögerung durch Staus. Und sollte er das Vorstellungsgespräch verpassen, so sagt er, dann könne sein Foto seinem zukünftigen Chef in Köln ja zumindest beweisen: Dieser Bewerber ist kein Drückeberger, sondern schuldlos am Verpassen des Termins.

Auf Jobsuche unterwegs nach Köln: Yin Lam. Die HAZ wünscht viel Glück! Quelle: Dillenberg

+++ Auch der Notfallfahrplan der Bahn ist nicht immer verlässlich: Ein junger Orchestermusiker, den unser Reporter am Hauptbahnhof Hannover antrifft, kann davon ein Lied singen. Der Lautespieler ist stinksauer. Gestern kam er aus Köln nach Hannover, heute sollte es wieder zurückgehen. Doch der Zug fährt nicht – obwohl ihm die Bahn gestern versprochen habe, dass die Verbindung zu einhundert Prozent verlässlich sei, wie der Musiker berichtet. Dass er nun seine Probe in Köln verpasse, koste ihn sowohl Geld als auch seine Glaubwürdigkeit als verlässliches Orchestermitglied. Für den Streik hat er zwar prinzipiell Verständnis – „doch langsam ufert das hier aus."

+++ Staus lösen sich auf: Wie erwartet ist es auch am Freitagmorgen nicht zu größeren Verkehrsproblemen auf den Straßen in und um Hannover gekommen. Alle an dieser gemeldeten kleineren Staus haben sich inzwischen wieder aufgelöst. Freie Fahrt also für alle, die noch mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit sind. Ob das heute Abend ebenso reibungslos läuft, ist noch ungewiss. Diejenigen, die noch auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit sind, können sich in unserer HAZ-Mitfahrzentrale auf Facebook vernetzen.

+++ Auch am Freitag ist Geduld nötig: Eine junge Frau, die im Gesundheitswesen arbeitet, steht frierend im Hauptbahnhof. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Zug zu ihrer Arbeitsstätte in Uelzen wie von der Bahn angegeben pünktlich fährt. Allerdings hat sie auf ihrer Fahrt von Springe schon erlebt, dass selbst der Ersatzfahrplan der Bahn nicht immer reibungslos einzuhalten ist: Für die eigentlich recht kurze Strecke war sie eineinhalb Stunden unterwegs. Und so sorgt sie sich vor allem um die morgige Fahrt nach Hamburg, wo sie einen Geschäftstermin wahrnehmen muss. Doch auch die Rückfahrt aus Uelzen am heutigen Abend ist noch nicht gesichert. Alternative: eine 45-minütige Busfahrt. Wer in diesen Tagen mit der Bahn unterwegs ist, muss also die Bereitschaft zum Improvisieren mitbringen.

Der Streik der Lokführer legte zahlreiche Regional- und Fernzüge still – auch in Hannover.

+++ Wenig los am Hauptbahnhof: Wie zu erwarten war, haben sich die meisten Reisenden nicht auf ein mögliches kurzfristiges Streikverbot verlassen. So herrscht seit dem frühen Morgen am Hauptbahnhof Hannover gähnende Leere – zumindest in der Vorhalle und auf den meisten Bahnsteigen. Lediglich bei Ankunft der seltenen Nahverkehrszüge herrscht dann für wenige Minuten etwas Trubel. Besonders ärgerlich ist der Streik und die Abwesenheit von Kunden auch für die Geschäftsleute im Hbf, die am Donnerstag gegenüber der HAZ Einkommenseinbußen von bis zu 60 Prozent beklagten

Nur bei Ankunft der wenigen Pendlerzüge ist am Bahnhof etwas los. Ansonsten dürfe es heute so ruhig werden wie schon am Donnerstag. Quelle: Dillenberg

+++ Verkehr: Auf dem Südschnellweg (B6) staut sich der Verkehr jetzt zwischen dem Seelhorster Kreuz und Hildesheimer Straße. (Stand: 7.20 Uhr).

+++ Heute noch nach Malmö? Das dürfte der Beginn einer abenteuerlichen Reise sein. Denn diese beiden Damen haben sich am heutigen Freitag einiges vorgenommen: Die Freundinnen Susanne Munder und Annette Kiel sind schon am frühen Morgen aus Bad Pyrmont nach Hannover gekommen. Mit der Bahn wollen sie nun über Uelzen nach Hamburg und von dort aus weiter ins südschwedische Malmö. Noch mindestens fünf Mal müssen sie dazu von einer Bahn in die Nächste umsteigen – sollten diese denn auch alle fahren. Bislang geben sich die beiden optimistisch: "Wir hoffen, gegen 22 Uhr anzukommen". Viel Glück!

Auf Abenteuerreise: Über ein verlängertes Wochenende wollen Susanne Munder (links) und Annette Kiel nach Schweden – mit der Bahn. Quelle: Dillenberg

+++ Berufsverkehr beginnt: Die Straßen in und um Hannover füllen sich. Auf der B6 von Nienburg in Richtung Hannover stockt der Verkehr bereits zwischen der Anschlussstelle Hannover-Herrenhausen und der Ampelkreuzung an der Mecklenheidestraße. Auch auf der B65 ist es im Stadtgebiet Hannover bereits um kurz vor 7 Uhr eng: An der Bückeburger Allee zwischen Tönniesbergkreisel und Ricklinger Kreisel gibt es den ersten kleinen Stau. Das ist bislang allerdings im Rahmen des Üblichen zu Beginn des Berufsverkehrs. (Stand: 6.45 Uhr).

+++ Verkehr: Schon am Donnerstagmorgen war das befürchtete Chaos auf den Straßen ausgeblieben. Erst am Abend war es im Berufsverkehr zu Staus und Engpässen gekommen. Wiederholt sich diese Situation heute? Wir informieren Sie an dieser Stelle sofort, wenn es zu schwerwiegenden Verkehrsproblemen kommt.

+++ Zugverkehr in Hannover auch am Freitag stark beeinträchtigt: Der bundesweite Streik der Lokführer führt auch heute Morgen zu massiven Beeinträchtigungen im Zugverkehr in Niedersachsen. Nach Angaben der Bahn sollen wie am Vortag etwa 30 Prozent des Regionalverkehrs in Norddeutschland aufrechterhalten werden. Auch ein Drittel aller Fernzüge soll fahren. Die Privatbahnen sind nach eigenen Angaben von den Ausfällen nicht betroffen.

+++ Gericht erlaubt Lokführerstreik: Ein Versuch der Deutschen Bahn, den Streik per einstweiliger Verfügung zu stoppen war am Donnerstag gescheitert. Einen entsprechenden Antrag lehnte das Frankfurter Arbeitsgericht am späten Abend ab. Die Bahn kündigte an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Zuvor hatte das Gericht einen Vergleich vorgeschlagen, mit dem eine Schlichtung vorbereitet werden sollte. Gewerkschaft und Bahn konnten sich aber nicht auf einen gemeinsamen Wortlaut einigen.

mic/dil

06.11.2014
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