Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Leere Bahnhöfe, volle Straßen
Hannover Aus der Stadt Leere Bahnhöfe, volle Straßen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 06.11.2014
Foto: Ausfallende Züge, menschenleere Halle: Im Hauptbahnhof war gestern kaum etwas los, auf dem Schnellweg dagegen gab es abends dichteren Verkehr.
Ausfallende Züge, menschenleere Halle: Im Hauptbahnhof war gestern kaum etwas los, auf dem Schnellweg dagegen gab es abends dichteren Verkehr. Quelle: von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Viele von ihnen verzichteten einfach darauf, mit der S-Bahnen oder Fernzügen zu reisen, und suchten sich ein alternatives Verkehrsmittel.

„Offenbar haben sich viele Autofahrer schon im Vorfeld organisiert“, sagte ein Mitarbeiter der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) der Region Hannover. „Weder auf den Autobahnen noch auf den Schnellwegen kam es zu größeren Staus.“ Natürlich sei es wie jeden Wochentag im Berufsverkehr etwas voller gewesen, „wir hatten aber den Eindruck, dass kaum mehr Autos als an einem gewöhnlichen Donnerstag auf der Straße sind“.

Die wenigen Reisenden, die dennoch den Versuch starteten, mit dem Zug zu fahren, wurden für ihren Mut belohnt. Viele Pendler berichteten, dass entgegen ihrer schlimmsten Befürchtungen viele S-Bahn-Linien wie gewohnt bedient wurden. „Dieses subjektive Gefühl ist sicher mit der zentralen Lage Hannovers in Niedersachsen zu erklären“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Wie angekündigt sei am ersten Tag des Rekordstreiks, der noch bis Montagmorgen um 4 Uhr andauern soll, nur ein Drittel der Züge gefahren. „Da aber die meisten der Fernzüge durch Hannover kommen, ist hier das Verkehrsaufkommen höher als in anderen Städten Niedersachsens“, so Meyer-Lovis. Auch einige S-Bahn-Linien wurden weitgehend bedient, andere fielen komplett aus.

Auch der Vorsitzende des GDL-Ortsverbands Hannover berichtete von einer hohen Beteiligung der Gewerkschaftsmitglieder in der Landeshauptstadt. „Wir sind mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden“, sagt Jan Manfras. Mit Protestschildern ausgerüstete Lokführer suchte man am Hauptbahnhof dennoch vergeblich. Nur der stellvertretende Bundesvorsitzende der GDL, Lutz Schreiber, kam am Nachmittag für etwa eine Stunde an den Bahnhof, um Fragen der Pressevertreter zu beantworten.

„Die anderen Mitglieder kommen nur an den Hauptbahnhof, um sich hier in die Streiklisten einzutragen“, erklärte Manfras. Eine Art Demonstration, in der die Streikenden auf ihre Forderungen hinweisen, sei organisatorisch nicht machbar. „Es ist aber nicht so, dass wir bei den vergangenen Streiks von Bahn-Kunden angefeindet wurden und daher nicht mehr kommen“, betont GDL-Mann Manfras. Nach Informationen der HAZ könnte die geringe Präsenz am Hauptbahnhof jedoch auch damit zusammenhängen, dass mehrere der GDL-Mitglieder trotz Streik an ihren Arbeitsplatz kamen, um ihren Dienst zu absolvieren.     

Mit dem Bus zur Bundesliga nach Berlin

Während die Profis von Hannover 96 sicherheitshalber mit dem Bus zu ihrem Bundesligaspiel am Freitagabend nach Berlin fahren, könnten viele Fans der „Roten“ mit dem Zug fahren. „Laut Ersatzfahrplan fahren viele der Fernzüge trotz Streik“, sagt Bundespolizeisprecher Martin Ackert. Weil aber der Nachtfahrplan stark ausgedünnt wurde, organisierten viele der 96-Anhänger Fahrgemeinschaften, um am selben Abend wieder zurück nach Hannover zu kommen.

Das können sich die Anhänger der „U 23“-Mannschaft sparen. Die meisten der Regionalzüge, mit denen sie zu dem Regionalligaspiel am Sonntag nach Goslar reisen können, fahren wie angekündigt. „Wir gehen davon aus, dass die Fans diese Züge auch nehmen werden“, sagt Ackert. Dass es vor allem durch die rund 200 Ultras, die seit dieser Saison die Spiele der zweiten Mannschaft besuchen, zu Behinderungen für andere Bahnreisende kommt, nimmt er nicht an: „Es sind ja kaum noch andere Bahnreisende unterwegs.“   

Von Jörn Kießler und Jan Petri

Mehr zum Thema
Deutschland / Welt Verhandlung wegen Bahnstreik - Gericht gibt GDL recht

Die Deutsche Bahn ist mit ihrem Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den GDL-Streik gescheitert. Das Arbeitsgericht Frankfurt entschied, der Streik der Lokführer sei rechtmäßig. Damit geht der Ausstand auch am Freitag weiter.

06.11.2014

Für viele Fans wird die Anreise zu den Spielen ihrer Klubs eine Geduldsprobe werden, weil wegen des Bahnstreiks keine Anreise mit dem Zug möglich sein wird. Spielabsagen oder -verschiebungen stehen allerdings nicht zur Debatte.

06.11.2014

Der Streik der Lokführer ist nach einem Gerichtsurteil rechtmäßig. Trotzdem wollen sie nun früher als geplant wieder an die Arbeit gehen. Doch auch am Sonntag wird es noch Einschränkungen geben.

Deutsche Presse-Agentur dpa 07.11.2014
07.11.2014
Mathias Klein 09.11.2014