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Aus der Stadt Bahnverbot für Randale-Fans sorgt für Wirbel
Hannover Aus der Stadt Bahnverbot für Randale-Fans sorgt für Wirbel
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20:56 24.04.2015
Von Tobias Morchner
Öfter gab es im Metronom Ärger mit randalierenden Fans, die auch mal die Wagendecke zerstörten.
Öfter gab es im Metronom Ärger mit randalierenden Fans, die auch mal die Wagendecke zerstörten. Quelle: Dillenberg
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Hannover

Es ist eine einschneidende Maßnahme, zu der sich die Eisenbahngesellschaft Metronom entschieden hat. Aus Sicherheitsgründen will das Unternehmen künftig grundsätzlich keine aggressiven Fußballfans mehr in seinen Zügen befördern. Die Regelung gilt bis auf Weiteres und trifft damit auch die Anhänger von Hannover 96. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu der Neuregelung.

Auf welcher Grundlage darf Metronom ein Beförderungsverbot aussprechen?

Die Eisenbahngesellschaft kann jederzeit von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und Einzelnen, aber auch Gruppen untersagen, die Metronom-Züge zu nutzen.

Wer setzt ein Beförderungsverbot durch?

Dafür ist in erster Linie die Bundespolizei zuständig. Die Beamten sind an jedem Wochenende an allen größeren Bahnhöfen präsent, um Ausschreitungen zwischen rivalisierenden Fangruppen und Sachbeschädigungen gewaltbereiter Fußballchaoten zu unterbinden. „Wir schreiten auch im Vorfeld ein, wenn wir feststellen, dass sich am Bahnsteig etwas anbahnen könnte, aber wir können nicht zeitgleich an jedem Bahnhof stehen“, sagt Detlef Lenger von der Bundespolizei.

Sind 96-Fans noch in dieser Saison unter Umständen von der neuen Regelung betroffen?

Die Unterstützer des Bundesligisten nicht - möglicherweise aber die Fans, die am 2. Mai die U 23 bei ihrem Auswärtsspiel beim VfB Lübeck anfeuern wollen. Sie könnten zunächst mit dem Metronom nach Hamburg reisen und dort in einen weiteren Metronom nach Lübeck umsteigen.

Stellt Metronom weitere Forderungen auf?

Ja. Das Unternehmen fordert eine Videoüberwachung in den Zügen. Das Ansinnen wird derzeit allerdings von den Datenschutzbeauftragten der Länder abgeblockt.

Sollen auch die Vereine nach den Vorstellungen des Unternehmens künftig stärker in die Pflicht genommen werden?

Ja. Die Clubs sollen sich nach Auffassung von Metronom künftig an den Kosten, die vor und nach dem Spiel entstehen, beteiligen. „Wenn die Vereine von diesen Chaoten weiter Eintrittsgelder nehmen, sich aber von der Randale im Umfeld nicht distanzieren, nehmen die Vereine das Fehlverhalten letztlich in Kauf“, sagt Sprecher Björn Pamperin.

Wie lange soll das Beförderungsverbot für Fußballchaoten aufrecht erhalten werden?

Das Unternehmen will von der Verschärfung der Beförderungsrichtlinien nicht abrücken. Man hat sich allerdings bewusst kurz vor Ablauf der Saison dazu entschlossen. „Dann gibt es für alle Beteiligten die Möglichkeit, die Sommerpause zu nutzen, sich an einen Tisch zu setzen, um endlich Lösungen für das Problem zu finden.“

Wird auch die Deutsche Bahn den Metronom-Kurs übernehmen?

Es sieht bislang nicht danach aus. „Der überwiegende Teil der Fans in unseren Zügen verhält sich korrekt“, teilt das Unternehmen mit. Komme es dennoch zu Zwischenfällen, sei Sicherheitspersonal an Bord, um die Situation zu klären, so ein Konzernsprecher.

Was sagt die Üstra?

„Wir lassen niemanden stehen, weil uns seine Nase, sein Gesicht oder sein Fanschal nicht passt“, sagt Unternehmenssprecher Udo Iwannek. Allerdings dürfe das Unternehmen sein Hausrecht ausüben. „Wenn jemand erkennbar so betrunken oder aggressiv ist, dass er die anderen Fahrgäste gefährdet, dann setzen wir ihn raus oder nehmen ihn erst gar nicht mit.“ Iwannek räumt ein: „Wir sind Kummer gewohnt, was Fußballan- und -abfahrten betrifft - auch wenn uns noch keine Bahn auseinandergenommen worden ist.“

Wie reagiert das Internet auf die Nachricht?

Das Verhalten des Unternehmens wird überwiegend positiv aufgefasst. „Die Firma Metronom hat endlich und als erste Eisenbahngesellschaft den Mut, bei dem Chaos auf Kosten der Allgemeinheit, das diese Leute Woche für Woche veranstalten, nicht mehr mitzumachen“, schreibt Facebooknutzer Robert Weemeyer beispielsweise. „Wer schon mehrfach von solchen ,Fans’ grundlos angepöbelt, mit Gegenständen beworfen wurde, der kann diesem Verbot nur zustimmen“, kommentiert Facebooknutzerin Monika Hein.

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