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Aus der Stadt Bald soll der neue Raschplatz strahlen
Hannover Aus der Stadt Bald soll der neue Raschplatz strahlen
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00:15 28.03.2015
Von Conrad von Meding
Soweit die Simulation: Das Sparkassengebäude hinter dem Hauptbahnhof soll künftig in neuer Stahloptik erstrahlen - und damit auch den Raschplatz in ein neues Licht rücken. Quelle: r.
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Hannover

Angesichts der Überschreitungen der Kosten- und Zeitbudgets etwa beim Landtag oder beim Sprengel-Museum ist das eine echte Nachricht: Der 110 Millionen Euro teure Umbau des riesigen Sparkassenturms am Raschplatz liegt im Zeitplan und läuft auch kostenmäßig nicht aus dem Ruder. „Ein Kraftakt“ sei es, sagt Architekt Claus Peter Schulze, „aber wir bekommen das hin.“

Seit zwei Jahren haben die Handwerker im Haus das Sagen. 350 von ihnen arbeiten aktuell auf der Baustelle, 100 externe Fachplaner und Ingenieure, Sicherheitsexperten und Controller begleiten das Riesenprojekt in der Innenstadt. Bis Jahresende wollen 800 Sparkassenmitarbeiter, die derzeit am Aegi und verteilt auf andere Standorte arbeiten, in die rundumerneuerte Zentrale hinterm Hauptbahnhof umziehen. Der vom Vorstand beauftragte Projektleiter Thomas Decker strahlt, wenn er Gäste durchs Haus führt. „Schluss mit braun-grau-bronze - hier wird jetzt alles transparent, licht und hell“, sagt er.

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Das Bankgebäude der Sparkasse wird saniert – ein Blick auf erste Ergebnisse.

1976 ist der Koloss hinterm Bahnhof erbaut worden, Zentralsitz der damaligen Stadtsparkasse. Im Geschmack der Zeit war die Fassade in gedecktem Schokoladenbraun gehalten: eloxiertes Aluminium, auch die Fenster waren braun getönt. Die Brachialität der Farbe hat stets überdeckt, dass das Gebäude eigentlich schlank, fast filigran konstruiert ist. Die sechs Einzeltürme stehen auf jeweils fünf Stützen, deren dünner Durchmesser jetzt, im Umbauzustand, gut zu erkennen ist. „Die gesamte Last jedes Turms ruht auf einer Stahlfläche von zusammengenommen weniger als einem Quadratmeter“, sagt Decker. Eine Meisterleistung, die die Ingenieure in den Siebzigern erbracht haben. Weil das Gebäude aber nicht nur ästhetisch indiskutabel war, sondern auch energetisch, gibt es jetzt die Totalkur. Das ändert sich:

  • Es glitzert: Architekt Schulz hat den Türmen eine Edelstahl-Glas-Optik verpasst. Für den Aufzugschacht in der Mitte wurde Obernkirchener Sandstein verwendet - er findet sich auch im Gebäudeinneren wieder. In den Besucherbereichen wird Parkett aus heimischer Eiche gelegt, ansonsten Teppich, in den Bädern wird Terrazzo gegossen. Ales ist in weiß gehalten, im Inneren geben Glaswände tiefe Einblicke.
  • Chefs rücken zusammen: Der Vorstand wird im 12. Stock residieren - fantastischer Ausblick auf Rathaus und Stadion, Marktkirche und Anzeiger-Hochhaus inklusive. Aber enger wird es: Alle vier Vorstandsmitglieder teilen sich inklusive Sekretariat eine Turmetage mit 400 Quadratmetern. Das ist etwa halb so viel Platz, wie der Vorstand derzeit am Aegi hat. Auch von der mittleren Führungsebene und den Abteilungsleitern wird erwartet, dass sie zusammenrücken. Das Chefzimmer auf jeder Etage misst nur knapp zehn Quadratmeter. Für die Mitarbeiter aber gibt es auf jeder Etage „Konzentrationsräume“ ohne PC und Telefon - „damit man sich zurückziehen kann, wenn man zum Beispiel in Ruhe etwas lesen muss“, sagt Decker.
  • Ein Portal, aber keine Automaten: Zur Rundestraße hinterm Hauptbahnhof hin erhält das Gebäude ein großzügiges Portal über zwei Ebenen - es ist der Haupteingang sowohl für die Beschäftigten als auch für die Besucher. Die Geldautomaten aber ziehen nicht wieder zurück ins Hochhaus, sie bleiben am Nordende des Hauptbahnhofs. Dort wird das Angebot wahrscheinlich sogar noch erweitert. „Wir glauben, das ist eine der meistfrequentierten Geldautomatenanlagen Europas“, sagt Decker verschmitzt - Zahlen über die Nutzerhäufigkeit gibt es aber nicht.
  • Gegessen wird unten: Im Tiefgeschoss, mit großen Glasfenstern zum Raschplatz, befindet sich das „Kasino“, die Betriebskantine. 400 Mitarbeiter können dort gleichzeitig speisen. Geplant sind auch „Front Cooking“ und eine Barista-Kaffeebar. Derzeit ist nicht vorgesehen, die Kantine zum Raschplatz zu öffnen. Sicherheitsgründe sprächen dagegen, sagt Sparkassenmann Decker: „Vom Kasino aus führen Treppen und Aufzüge ins gesamte Haus.“
  • Großer Veranstaltungsbereich: Im Erdgeschoss entsteht derzeit ein Eventbereich auf 600 Quadratmeter Fläche für etwa 250 Besucher. Vorträge, Tagungen, Präsentationen kann es dort geben - Ersatz für das Foyer am Aegi - das Gebäude dort hat die Sparkasse bereits verkauft.
  • Energie: Die Immobilie soll den Energieverbrauch nach dem Umbau um die Hälfte reduzieren. Dazu trägt unter anderem die Dreifachverglasung bei. Sie lässt sich - im Gegensatz zum Ursprungsbau - aber öffnen. So können die Mitarbeiter an bestimmten Stellen Frischluft hineinlassen. Versetzt angeordnete Prallschutzscheiben sorgen aber dafür, dass niemand aus den bis zu 75 Meter hohen Türmen fällt.
  • Übergabe: Am 31. Juli übernimmt die Sparkasse die Immobilie vom Generalunternehmer Max Bögl. Dann muss der Bau abgeschlossen sein, es wird eingerichtet. Zum Jahresende muss das Gebäude am Aegi geräumt sein. „Die Bauarbeiter halten das Gebäude jetzt schon für weitgehend fertig“, sagt Decker und blickt sich zweifelnd um. „Klappt“, sagt Architekt Schulze. Ein bisschen Zeit ist ja noch.

Schluss mit „hinterm Bahnhof“

Die Fläche nördlich vom Hauptbahnhof, einst Sitz des städtischen Gefängnisses, hat den Ruf von „hinterm Bahnhof“ nie ganz verloren. Das konnte auch der kühne Plan einer Fußgängerverbindung („Passarelle“) unterm Hauptbahnhof vom Kröpcke zur Lister Meile nicht lösen, in dessen Zuge die Raschplatzbebauung mit dem Sparkassenturm in den Siebzigerjahren entstand. Seit 2007 wird wieder kräftig in diesen Bereich investiert.

  • Spielbank: Der Waschbetonbau mit den Raschplatzkinos ist komplett revitalisiert, dort ist zusätzlich zu Kinos und Baggi-Disko die Spielbank eingezogen.
  • Platzfläche: Parallel hat die Stadt den tiefergelegten Platz neu gestaltet und mit großen Freitreppen und Strahlern ausrüsten lassen. Für eine Brücke über den Platz reichte das Budget nicht.
  • Hochstraße: Derzeit wird die Raschplatz-Hochstraße mit Millionenaufwand saniert.
  • Umfeld: Der Raschplatz-Pavillon ist neu, der Busbahnhof ZOB ist neu, das Bredero-Hochhaus wird in Kürze modernisiert. Zu einer Belebung des Platzes selbst hat all das bisher nicht geführt.
  • Neue Ideen: In dieser Woche hat Architekt Frank Eittorf bei einer Veranstaltung zur Verschönerung der Hochstraße Ideen präsentiert, den Platz am Pavillon in ein urbanes Freizeitsportstadion zu verwandeln und daneben auf dem Andreas-Hermes-Platz ein Studenten- und Flüchtlingswohnheim zu errichten.

40 Jahre Wasser im Keller

Seit Entstehung der Sparkasse am Raschplatz 1976 gibt es Probleme mit Wasser im Keller. „Wir haben zehn Jahre lang einen Rechtsstreit mit dem Nachbarn geführt – und pumpen das Wasser jetzt dauerhaft ab“, sagt Sparkassen-Projektleiter Thomas Decker. Zwischen dem Sparkassengebäude und dem benachbarten Haus mit Cinemaxx und Plaza Hotel befindet sich eine Gebäudefuge in etwa zwölf Metern Tiefe. Woher das Wasser kommt, konnten vier Gutachten nicht abschließend klären. Die Sparkasse hat jetzt einen regelrechten Brunnen angelegt. Zwei Tauchpumpen befördern das Wasser in die Kanalisation. „An manchen Tagen laufen sie im Dauerbetrieb“, sagt Decker.

Michael Zgoll 25.03.2015
Tobias Morchner 25.03.2015
Veronika Thomas 25.03.2015