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Aus der Stadt Tauchen mit Oscar
Hannover Aus der Stadt Tauchen mit Oscar
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00:15 05.04.2014
Von Jörn Kießler
Während Jörn Kießler mit einer Küchenbürste das Fenster des Aquariums putzt, schauen ihm die Bewohner über die Schulter. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Man hatte mich vor Oscar gewarnt. Mehrfach. Dass es am Ende dann wirklich die Suppenschildkröte ist, die mir den größten Respekt abverlangt, glaube ich erst, als wir aufeinandertreffen. Schließlich schwimmen im Panoramabecken des Sea Life auch ein Ammenhai, mehrere Schwarzspitzenriffhaie und Peitschenrochen herum. Alles Tiere, die man, mit Verlaub, durchaus gefährlicher einschätzen würde als eine Schildkröte. Aber erzählen Sie das mal Oscar.

Dann und wann müssen im Sea Life die Scheiben der Becken geputzt werden – von innen natürlich. HAZ-Redakteur Jörn Kießler hat mitgeholfen.

Gerade will ich mich mit einer handelsüblichen Küchenspülbürste daran machen, den Glastunnel, in dem die Besucher durch das Panoramabecken laufen können, von Algen zu befreien, da taucht sein Kopf vor mir auf. Der Blick der Schildkröte lässt keinen Zweifel aufkommen: Oscar hat mich entdeckt und findet mich interessant genug, um auf Tuchfühlung zu gehen. Ich solle ihn einfach wegschieben, hatte Tauchlehrer Mario Königs vorher gesagt. Königs hat häufiger mit Oscar zu tun. Und dann sagte er noch „Pass auf deine Finger auf“, und „Oscar frisst so ziemlich alles, was ins Wasser fällt“. Das geht mir jetzt durch den Kopf. Und so ist meine Erleichterung groß, als Königs routiniert von der Seite an die Meeresschildkröte herantaucht und sie sanft wegschiebt. Ob mir das gelungen wäre, weiß ich nicht. Schließlich bringt Oscar mit seinen 80 Kilogramm einiges auf die Waage.

Kaum ist die vermeintliche Gefahr gebannt, kann ich mich wieder meiner eigentlichen Aufgabe widmen – und stelle fest, dass mein kleines Intermezzo mit Oscar zur Belustigung auf der anderen Seite der Glassscheibe beigetragen hat. Etwa 15 Besucher drängen sich im Panoramatunnel und beobachten Königs und mich dabei, wie wir im Aquarium saubermachen.

Im großen Becken gehen dafür immer zwei Taucher ins Wasser: einer zum Sichern, der andere zum Fensterputzen. Letzteres darf ich heute erledigen. „Wichtig ist dabei, auf die Tiere zu achten“, sagt Meeresbiologin Heike Zinke. „Man merkt dann schnell, welche Strecken die Fische schwimmen und kann ihnen so aus dem Weg gehen.“ Als ich am Grund des etwa drei Meter tiefen Beckens knie, bin ich ganz froh, dass die Rochen völlig unbeeindruckt weiter ihre Kreise am Rand des Aquariums ziehen. Den giftigen Stacheln will ich nicht unbedingt zu nahe kommen. Auch der große Ammenhai dreht sich nicht einmal um, als Königs und ich im Becken unterwegs sind. Und die kleinen Schwarzspitzenriffhaie haben nach meinem Empfinden mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen.

Nur ein Bewohner der Unterwasserlandschaft scheint alles, was nicht dort hingehört, für besonders anziehend zu halten. „Einmal ist einem Mitarbeiter ein Kugelschreiber ins Becken gefallen“, erzählt Zinke. „Wenn wir den nicht sofort rausgefischt hätten, Oscar hätte ihn direkt verspeist.“

Als ich am Nachmittag wieder in der Redaktion sitze, muss beim Blick auf meinen Arbeitsplatz an die Begegnung mit der Suppenschildkröte denken und lachen. Vielleicht sollte Oscar das nächste Mal mich besuchen. Bei all den Kugelschreibern, die auf meinem Schreibtisch herumliegen, hätte Oscar sicher eine Schwäche für mein Büro.

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