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Aus der Stadt Behindertes Ehepaar entführt und in Hannover misshandelt
Hannover Aus der Stadt Behindertes Ehepaar entführt und in Hannover misshandelt
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21:31 05.01.2011
Von Tobias Morchner
In diesem Haus in der Landwehrstraße wurde das Celler Paar gefangen gehalten.
In diesem Haus in der Landwehrstraße wurde das Celler Paar gefangen gehalten. Quelle: Martin Steiner
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Die Polizei hat am Dienstagabend ein behindertes Ehepaar aus einer Wohnung in der Landwehrstraße in Döhren befreit. Der 58-jährige Mann und seine ein Jahr ältere Frau wurden dort seit dem 26. Dezember festgehalten, schwer misshandelt und erpresst. Als Täter gelten der 47-jährige Mieter der Wohnung und seine 67 Jahre alte Lebensgefährtin. Das Paar sitzt seit Mittwoch wegen des Verdachts auf erpresserischen Menschenraub in Untersuchungshaft.

Das Opfer-Ehepaar, das aus dem Raum Celle stammt, war am 2. Weihnachtstag nach Hannover gereist, um die Döhrener Bekannten zu besuchen. Der Kontakt in die Landeshauptstadt besteht nach Angaben der Polizei seit einiger Zeit über die 67-jährige mutmaßliche Täterin. Unklar ist, ob die jetzt in Haft Sitzenden die Tat von Anfang an geplant hatten oder die Situation erst in der Wohnung eskaliert ist. Fest steht, dass der 47-jährige Mieter und seine Lebensgefährtin ihre Gäste neun Tage lang in der Zwei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock des Mehrfamilienhauses gefangen hielten. Die Celler durften das Haus nicht verlassen. Der 58-Jährige, der körperlich behindert ist, wurde mehrfach geschlagen und getreten. Mehrere Hämatome am gesamten Körper zeugen von den brutalen Misshandlungen. Zweimal zwangen die Täter den Mann aus Celle, zu einem Geldautomaten zu gehen, dort niedrige dreistellige Beträge abzuheben und den Schlägern zu überlassen. Die Ehefrau des Misshandelten, die geistig behindert ist, musste während des Geldabhebens in der Wohnung bleiben. Auch sie wurde mehrfach mit Schlägen traktiert, blieb aber unverletzt.

In der Zwischenzeit war das Verschwinden des Paares in Celle nicht unentdeckt geblieben. Ein Kollege der Eheleute hatte sich am Dienstag bei der Polizei gemeldet, weil der Mann und die Frau nicht mehr zur Arbeit gekommen waren. Er mache sich aber vor allem deshalb Sorgen um die Vermissten, weil er eine Kurzmitteilung per Handy mit den Worten „Help mi“ von dem 58-Jährigen erhalten habe, gab der Kollege zu Protokoll. Außerdem wusste er von dem geplanten Besuch des Ehepaares in Hannover. Nach dieser Aussage fuhren mehrere Streifenwagen sofort zu der angegebenen Adresse in der Landwehrstraße. Dort trafen sie tatsächlich das Celler Ehepaar an. Sie sollen einen verängstigten Eindruck auf die Beamten gemacht haben. Der 58-Jährige musste wegen seiner schweren Misshandlungen in ein Krankenhaus gebracht und dort versorgt werden. Die Polizei nahm den 47-jährigen Mieter und seine Lebensgefährtin auf der Stelle fest. Der Mann ist bereits mehrfach wegen Gewaltdelikten aktenkundig geworden. Auch in dem Mehrfamilienhaus war das Täterpaar hinlänglich bekannt. „Sie haben nachts immer Krach gemacht, das ging in der Regel gegen drei Uhr morgens los“, sagte ein 25-Jähriger, der mit seiner Mutter in der Wohnung neben den Festgenommenen lebt. Ansonsten habe kaum jemand das ungleiche Paar zu Gesicht bekommen. „Es waren regelmäßig Schläge und Schreie zu hören, außerdem brannte bei denen immer Licht“, teilte ein 24-jähriger Nachbar mit. Von dem Celler Ehepaar, das im ersten Stock gefangen gehalten wurde, will aber niemand etwas gemerkt haben. „Wir waren immer froh, wenn wir mit den Nachbarn aus der ersten Etage nichts zu tun hatten“, sagt ein anderer Mieter.