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Aus der Stadt Umsatzeinbußen von 50 Prozent
Hannover Aus der Stadt Umsatzeinbußen von 50 Prozent
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00:20 19.11.2014
Von Mathias Klein
Gespenstisch leer: Der Kröpcke am Sonnabendmittag. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Die teils gespenstische Stimmung wegen der Hooligan-Demo aber hielt dann doch viele vom Shoppen ab. Und für die Geschäftsleute war der Tag - sonst umsatzstärkster der Woche - schlicht eine Katastrophe. Mit 50 Prozent Einbußen bezifferten viele gegenüber der HAZ ihren Umsatz. „Das wird hier alles auf dem Rücken der Geschäftsleute ausgetragen“, sagt zum Beispiel Astrid Schulz vom Kinderbekleidungsgeschäft Werner und Werner in der Osterstraße, als eine Reihe behelmter Polizisten vor ihrer Tür aufmarschiert. Kunden? Fehlanzeige.

Jennifer Uhl (18) und Rebecca Klose (19) sind aus dem Heidekreis zum Einkaufsbummel nach Hannover gekommen und haben erst vor Ort gemerkt, dass ein besonderer Tag ist. „Immerhin ist in den Geschäften viel Platz“, sagt Uhl: „Und bei H&M muss man endlich nicht an der Umkleidekabine warten.“ Am Mittag ist der Kröpcke entvölkert wie an einem Sonntagmorgen um 8 Uhr. „Spürbar weniger Kundschaft als sonst“, heißt es beim Optiker Becker + Flöge. In Lehmanns Buchhandlung, wo sichtbar die Regale kaum noch aufgefüllt werden wegen der bevorstehenden Schließung, gibt man sich betont optimistisch: „Kaum weniger Menschen im Laden als sonst“, sagt eine Mitarbeiterin an der Kasse. Bei Hugendubel am Kröpcke hingegen werden wenig später die Türen geschlossen: Auf dem Platz hat es am Nachmittag Krawall und Festnahmen gegeben, die Hugendubel-Mitarbeiter verrammeln kurzfristig die Türen, niemand kommt mehr rein - aber wer drinnen ist, kommt auch nicht mehr raus.

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Die Ernst-August-Galerie hatte das Sicherheitspersonal an den Eingangstüren verstärkt. Die Männer mussten mehrmals eingreifen, um vor allem stark angetrunkene Teilnehmer der Demonstrationen vom Betreten der Galerie abzuhalten. „Gut, dass hier bei uns alles friedlich geblieben ist“, betont der Chef der Galerie, Stephan Thiel. „Für uns war es ein verlorener Tag“ ,er. Thiel staunt zwar, dass angesichts der angekündigten Proteste trotzdem so viele Menschen in die Stadt gekommen waren. Aber die Umsätze seien eher so niedrig, wie an einem schwachen Montag gewesen.

In den großen Kaufhäusern ist von 50 Prozent Umsatzeinbußen die Rede, aber auch auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs sieht es nicht besser aus. Beim Friseur Cut Club in der Lister Meile haben sich bis 14 Uhr gerade mal 15 Kunden die Haare schneiden lassen. Sonst sind es eher 30 - wenn es schlecht läuft, sagt eine Mitarbeiterin. Im Spielwarengeschäft Fridolin’s am Weißekreuzplatz ist nach Angaben von Inhaber Rudolf Schwenger „vielleicht die Hälfte der Kundschaft“ erschienen, die sonst sonnabends kommt. „Von allem von auswärts ist heute natürlich keiner da - die Innenstadt ist ja quasi abgeriegelt“, sagt Schwenger. Was er von den Demonstrationen hält? Er nickt bedächtig, bevor er sagt: „Ich habe auch etwas gegen Salafisten, aber ich finde es nicht gut, dass der Aufmarsch genehmigt wurde.“ In einer Demokratie, „da muss man das wohl aushalten“, fügt er hinzu, und: „Gut, dass unsere Schaufenster heile geblieben sind.“

Astrid Schulz vom Kinderbekleidungsgeschäft Werner und Werner beziffert ihre Umsatzeinbußen sogar auf rund 90 Prozent. „An den Sonnabenden kommen die Familien, sonst haben sie ja gemeinsam kaum Zeit“, sagt sie. Tatsächlich finden sich an diesem Sonnabend kaum Eltern mit ihren Kindern in der City. „Ist doch klar, dass die aus Angst zu Hause geblieben sind“, sagt Schulz.

Wenige Geschäfte haben komplett zu, viele schließen an diesem Tag deutlich früher - sonst ein undenkbarer Vorgang an einem Sonnabend vor Beginn der Vorweihnachtszeit. Beim ecco-Schuhladen in der Rathenaustraße etwa klebt ein Zettel im Schaufenster: „Wegen der Demo heute schon ab 16 Uhr geschlossen“ - doch schon um 15.40 Uhr kommt niemand mehr hinein. Die Mitarbeiterinnen haben sich verbarrikadiert - schräg gegenüber hat es gerade eine Verfolgungsjagd gegeben, die Polizei hat zwei junge Männer mit Rastazöpfen festgenommen. Nebenan im Straßencafé sitzen Hooligans und feixen über die „doofen Linken“, die sich von der Polizei haben erwischen lassen.

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