Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Berliner Stift kauft Caritas-Heime
Hannover Aus der Stadt Berliner Stift kauft Caritas-Heime
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:47 06.08.2009
Von Thorsten Fuchs
Die Übernahme der Caritas-Altenheime durch das Evangelische Johannesstift aus Berlin ist beschlossen. Quelle: Frank Wilde
Anzeige

Über den Kaufpreis machten sie keine Angaben. Mitarbeitervertreter und die Gewerkschaft ver.di übten erneut Kritik an der Vereinbarung, die für die Beschäftigten Lohneinbußen von bis zu 13 Prozent bedeutet.

Bundesweit handelt es sich um die erste Übernahme in Not geratener katholischer Heime durch einen evangelischen Träger. Die Pläne hatten zu einem massiven innerkirchlichen Streit geführt, da die hannoversche Diakonie und die Landesbischöfin Margot Käßmann die Glaubwürdigkeit der Diakonie bei den Forderungen nach höheren Pflegesätzen gefährdet sehen.

Anzeige

Das Johannessstift hatte die Übernahme von einer möglichst hohen Zustimmung der insgesamt 580 Mitarbeiter abhängig gemacht. In fünf Einrichtungen hätten „knapp 100 Prozent“ der Mitarbeiter die neuen Arbeitsverträge mit den reduzierten Bezügen unterschrieben, in einer sechsten Einrichtung dagegen nur 60 Prozent, räumte Stiftsvorsteher Martin von Essen ein. „Die hohe Zustimmung der anderen Einrichtungen hat uns dennoch motiviert, uns hier zu engagieren“, erklärte er. Das Stift vertraue darauf, weitere Mitarbeiter überzeugen zu können. Die Beschäftigten, die die neuen Kontrakte nicht unterschrieben haben, werden weiter nach den alten Bedingungen entlohnt.

Nach HAZ-Informationen handelt es sich bei der sechsten Einrichtung um den St. Martinshof in Misburg, das mit 150 Beschäftigten größte der Heime. Mitarbeiter von dort berichteten gestern von anhaltend großem Druck auf die Beschäftigten, die neuen Verträge zu unterschreiben. „Da gibt es viele Angstentscheidungen“, sagte eine Mitarbeitervertreterin. Auch unter jenen, die schon zugestimmt haben, seien viele „total fertig mit den Nerven“. Zwei Mitarbeitervertretungen, vom St. Martinshof und der Caritas-Sozialstation, haben die Caritas vor dem kirchlichen Arbeitsgericht verklagt. Sollten sie damit erfolgreich sein, wären die neuen Arbeitsverträge ungültig, bis die Mitarbeitervertretungen zugestimmt haben. Stiftsvorsteher von Essen wollte die Klage gestern nicht kommentieren. Sie sei ihm nicht bekannt, erklärte er.

Die Caritas hätte ihren Mitarbeitern diesen Einschnitt gern erspart, sagte Propst Martin Tenge. Angesichts einer „dramatischen Notlage“ habe es aber keine Alternative gegeben. Da die Caritas mit zehn Prozent an den Einrichtungen beteiligt bleibt, sprach Stiftsvorsteher von Essen von einer „neuen ökumenischen Gemeinschaft“ in Hannover. Er kündigte an, dass sich das Johannesstift gemeinsam mit Caritas und Diakonie für eine bessere Bezahlung von Pflegekräften einsetzen und sich um eine Aufnahme in das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche bemühen werde. Dessen Direktor, Christopf Künkel, bestätigte gestern erste Gespräche, die konstruktiv verlaufen seien. Es werde nun juristisch geprüft, ob das Johannesstift mit seinem anderen Tarifsystem Mitglied in der hannoverschen Diakonie werden könne.