Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Berufschulen in Hannover sollen Sozialarbeitern kündigen
Hannover Aus der Stadt Berufschulen in Hannover sollen Sozialarbeitern kündigen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 16.11.2010
Auch die BBS 14 ist von dem Eilbrief betroffen.
Auch die BBS 14 ist von dem Eilbrief betroffen. Quelle: Christian Elsner
Anzeige

Sechs Berufsschulen in Hannover sind am Montag vom Kultusministerium per Eilbrief angewiesen worden, ihre Sozialarbeiter unverzüglich noch am gleichen Tag zu entlassen, damit die Kündigungen zum Jahresende wirksam werden. In den Lehrerkollegien sprach sich die Nachricht gestern wie ein Lauffeuer herum. „Wir sind schockiert. In den Reden der Politiker heißt es, wir sollten die Jugendlichen fit für den Beruf machen. Wie sollen wir das ohne Sozialpädagogen hinbekommen?“, fragt Lehrerin Silvia Sprung von der BBS 11.

Sprung unterrichtet Jugendliche, die versuchen, in der Berufsschule ihren Realschulabschluss nachzuholen. Oft stelle sich schnell heraus, dass sie sich damit ein unrealistisches Ziel gesteckt haben. „Sie kommen zum Teil aus sehr zerrütteten Elternhäusern und haben nie gelernt zu lernen“, sagt Sprung. Die BBS 11 hat deshalb vor fünf Jahren eine Sozialpädagogin eingestellt, zunächst mit vier Wochenstunden. Inzwischen arbeitet Sabine Wenekamp 30 Stunden pro Woche mit den Berufsschülern, sucht Praktikumsplätze, berät bei persönlichen Problemen und versucht vor allem, ihnen einen passenden Beruf nahe zu legen.

Doch als die BBS 11 die Sozialarbeiterin vor einigen Jahren einstellen wollte, zahlte das Kultusministerium diese Stellen nur für eine begrenzte Anzahl von Berufsschulen mit besonders schwieriger Schülerschaft. Die Probleme hatten sich allerdings längst ausgeweitet. Die Vorstöße verschiedener Schulen ohne Sozialpädagogen verliefen im Sande. Mehrere Berufsschulen in Hannover verfielen damals auf eine Hilfskonstruktion: Sie gründeten einen Verein, der für sie die Sozialpädagogen beschäftigte. Das Gehalt bestritten die Schulen aus ihrem Budget und zahlten es über den Verein aus. Das jedoch ist rechtlich unzulässig, wie das Ministerium den Berufsschulen jetzt mitteilte.

„Wenn ich dürfte, würde ich lieber auf eine halbe Lehrerstelle verzichten, damit der Sozialpädagoge weiterarbeiten kann“, sagt ein Schulleiter. Betroffen sind jetzt neben der BBS 11 auch die BBS 3 für Berufe am Bau, die BBS Handel, die BBS 14, die Otto-Brenner- und die Hannah-Arendt-Schule.

Das Kultusministerium betont, dass aktuell geprüft werde, ob die betroffenen, gekündigten Mitarbeiter der Berufsschulen, die bisher von Dritten beschäftigt wurden, in den Landesdienst übernommen werden können. Das sei den Schulen im Anschreiben auch mitgeteilt worden. „Wir versuchen, schnell eine einvernehmliche Lösung zu finden“, sagt eine Sprecherin. Einige Berufsschulen hätten zudem in der Vergangenheit für die Beschäftigung von Sozialarbeitern einen rechtlich einwandfreien Weg gefunden.

Bärbel Hilbig