Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Maßnahme A wird zum Flop
Hannover Aus der Stadt Maßnahme A wird zum Flop
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 13.03.2014
Von Tobias Morchner
Anstatt vier Spuren zu nutzen, beschränken sich die Besucher der CeBIT auf zwei Fahrstreifen. Quelle: Thomas
Hannover

Die umstrittene Einbahnstraßenregelung auf dem Schnellweg für die reibungslosere Anfahrt zur CeBIT ist am Montagvormittag kaum angenommen worden. Statt wie von den Verkehrsplanern vorgesehen alle vier Spuren zwischen dem Weidetorkreisel und dem Messegelände zu benutzen, bewegten sich die meisten Autofahrer auf lediglich zwei Fahrbahnen in Richtung Süden fort. Die beiden zusätzlichen Fahrstreifen, die im Zuge der sogenannten Maßnahme A ebenfalls zur Verfügung standen, wurden weitgehend nicht befahren. Staus oder Behinderungen gab es auf dem Schnellweg dennoch nicht.

Dafür kam es auf den größeren Straßen in der Stadt zum Teil zu erheblichen Behinderungen. Die Fahrzeuge stauten sich unter anderem auf der Marienstraße, dem Altenbekener Damm oder der Podbielskistraße, weil alle Berufspendler, die sonst den Messeschnellweg in Richtung Norden für den Weg zu ihrem Arbeitsplatz benutzen, sich Alternativrouten durch die Stadt suchen mussten. Dadurch erhöhte sich das Verkehrsaufkommen in der Stadt um ein Vielfaches. Besonders ärgerlich war für einige Betroffene der Umstand, dass sie selbst in der Stadt im Stau standen und von ihrem Wagen aus den leeren, wenig befahrenen Messeschnellweg im Blick hatten.

Um eine bessere Anfahrt zur Computermesse CeBIT zu ermöglichen, wurde am Montag die sogenannte Maßnahme A auf der Strecke vom Weidetorkreisel zum Messegelände eingerichtet. Diese wird von den Autofahrern jedoch nicht angenommen.

Die problemlose Anfahrt zum Messegelände auf lediglich zwei Spuren ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Besucherzahlen der CeBIT in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen sind. Steuerten während der Glanzzeiten der Computermesse mehr als 800 000 Besucher das Messegelände an, wird in diesem Jahr lediglich mit 230.000 Gästen gerechnet. Dennoch will die Verkehrsmanagementzentrale weiterhin an der Maßnahme A festhalten. „Es dauert immer einen Tag, bis sich die Autofahrer an die neue Verkehrsführung gewöhnt haben, das sieht morgen schon ganz anders aus“, heißt es von den Verkehrsexperten.

So müssen sich die Autofahrer also darauf einstellen, dass ab heute nicht nur die Maßnahme A, sondern am Abend auch die Maßnahme R für die Rückfahrt der Messebesucher greift. Zwischen 7.15 bis etwa 11.30 Uhr wird der komplette Messeschnellweg bis einschließlich Freitag weiterhin auf vier Spuren von der Anschlussstelle Weidetor bis zur Abfahrt Messe Nord nur in Richtung Süden befahrbar. Für die Rückreise wird die Strecke von 17 Uhr bis etwa 20 Uhr ab Messe Nord bis Weidetor in der Gegenrichtung zur Einbahnstraße.

Bei der Stadt will man ebenfalls an der Maßnahme A und R festhalten. Auch in diesem Jahr würden pro Tag mehr als 20.000 Fahrzeuge erwartet. „Ohne die Einbahnstraßenregelung auf dem Schnellweg ist mit erheblicher Staubildung und der Verlagerung des Verkehrs in Wohngebiete zu rechnen“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Die Kritik an der Aufrechterhaltung der Verkehrslenkungsmaßnahme A und R auf dem Messeschnellweg während der CeBIT nimmt dagegen weiter zu. Nachdem bereits der Steuerzahlerbund die Notwendigkeit der Verkehrslenkungsmaßnahme infrage gestellt hatte, geht die CDU-Fraktion im Stadtrat ebenfalls auf Distanz. „Das Fragezeichen hinter der Maßnahme A und R halte ich für durchaus berechtigt“, sagt CDU-Politiker Felix Blaschzyk. Er schlägt vor, den Messeverkehr in der kommenden Woche genau zu beobachten und auf Basis dieser Daten nach der CeBIT zu beratschlagen, ob ein solcher Eingriff in den Straßenverkehr noch zeitgemäß ist.

Jährliche Kosten von 120.000 Euro

Die Maßnahme A und R muss in diesem Jahr erneut per Hand eingerichtet und wieder abgebaut werden. Dafür hat die verantwortliche Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Baustellenservice BSG aus der Wedemark beauftragt. Die Kosten für die gesamte Messeverkehrslenkung im Jahr 2014 belaufen sich nach Auskunft der Behörde auf etwa 120.000 Euro. Außer bei der CeBIT kommt die Maßnahme A und R nur noch bei der Hannover Messe im April zum Einsatz.
Die händische Aufstellung der Absperrbaken auf dem Schnellweg ist notwendig geworden, weil das pannenanfällige System mit hydraulisch versenkbaren Baken verschrottet werden musste. Die Errichtung der Anlage zur Expo im Jahr 2000 kostete damals 1,1 Millionen Euro. Für Instandhaltung und Reparatur des Systems wurden im Verlauf der Jahre etwa 490.000 Euro gezahlt. Der Abbau der Anlage belastete die Bundeskasse im vergangenen Jahr erneut mit 188.000 Euro.

tm

Mehr zum Thema

Die CeBIT öffnet ihre Türen. Bundeskanzlerin Merkel, der britische Premier Cameron und VW-Chef Martin Winterkorn eröffneten die weltgrößte Computermesse am Sonntagabend. Wir sagen Ihnen, was Sie zur CeBIT wissen müssen.

10.03.2014

Trotz massiv zurückgehender Besucherzahlen auf der Computermesse CeBIT soll auf dem Messeschnellweg wie gewohnt die aufwendige Verkehrslenkungsmaßnahme A und R geschaltet werden.

Jörn Kießler 09.03.2014

Gespenstisch leer wirkte am Sonntag der Messeschnellweg zwischen Pferdeturm und Seelhorster Kreuz. Wegen Baumfällarbeiten am Rand der Bundesstraße 3 wurde der Abschnitt von 7 bis 18 Uhr gesperrt.

Jörn Kießler 16.02.2014

Berlin als Vorbild: Mehr Beratung führt zu mehr Vermittlungen von Hartz-IV-Empfängern. Nach einem Jahr Laufzeit hat das Jobcenter der Region Hannover eine positive Halbzeitbilanz seiner sogenannten Joboffensive gezogen.

Bernd Haase 10.03.2014
Aus der Stadt Berufsschulkonzept, Stromtrasse, Stadtbahn - Das ist heute in Hannover wichtig

Ab Dienstag gilt für Autofahrer auf dem Messeschnellweg nicht nur die Maßnahme A, sondern auch der Feierabendverkehr wird als Einbahnstraße gelenkt. Die Regionsversammlung behandelt die Themen Müllgebühren, Stromtrasse und Berufsschulkonzept. Und die HAZ sucht einen Namen für die neue Stadtbahn.

11.03.2014

Lewis Asamoah, der Bruder des Ex-96-Profis Gerald Asamoah, ist am Freitag vom Amtsgericht Hannover zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte gemeinsam mit einem Komplizen Marihuana verkauft.

Tobias Morchner 13.03.2014