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Aus der Stadt Betreute Selbsthilfegruppen für Alzheimer-Kranke
Hannover Aus der Stadt Betreute Selbsthilfegruppen für Alzheimer-Kranke
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06:15 04.11.2012
Von Veronika Thomas
Tipps für die Organisation des Alltags: Mit einem großen Netz an Freunden und Helfern können an Demenz Erkrankte noch lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen bleiben. Quelle: Erwin Wodicka
Hannover

Auf den ersten Blick könnten die vier Männer und zwei Frauen, die sich alle 14 Tage treffen, Mitglieder vieler Selbsthilfegruppen sein – Herzkranke etwa oder Diabetiker. Die Krankheit, die sie tatsächlich zusammenbringt, ist ihnen kaum anzumerken. Sie alle haben die Alzheimer-Krankheit, eine unheilbare degenerative Erkrankung des Gehirns, die im fortgeschrittenen Stadium zu völliger Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit führt. Bei den meisten von ihnen ist die gefürchtete Krankheit noch im Anfangsstadium, gemeinsam wollen sie sich Hilfestellung geben, über ihre Probleme sprechen, sich mit Unterstützung auf ihre Ressourcen besinnen. Einige hoffen, dass sie ihre Krankheit zum Stillstand bringen können.

„Bei mir fing es damit an, dass ich immer mehr vergessen habe und mein Mann deshalb schon geschimpft hat“, erzählt Annemarie R.* Noch schaffe sie es, ihren Haushalt zu organisieren: morgens die Zeitung lesen, dann einkaufen, kochen und nachmittags Gartenarbeit, erzählt die 72-Jährige. „Ich habe aber keine Lust mehr zum Putzen. Am liebsten backe ich Kuchen“, gibt sie zu und ist darüber etwas bekümmert. „Dann sollten Sie trotzdem das tun, was Ihnen Spaß macht“, rät Gudrun Hirsch, ehrenamtlich im Vorstand der Alzheimer Gesellschaft Hannover, die die Gruppe heute allein leitet. Normalerweise wird sie von zwei Ehrenamtlichen begleitet. Hirsch rät Frau R., sich das Rezept ihres Lieblingskuchens aufzuschreiben, damit sie ihn selbst bei Fortschreiten der Erkrankung noch backen und sich daran erfreuen kann. „Eine Ergotherapeutin kann Ihnen dabei helfen, indem sie Ihnen das Rezept Schritt für Schritt aufmalt. Für später.“

Reinhard B.*, mit 56 Jahren der Jüngste in der Gruppe, hat ganz andere Probleme. Der Geologe ist nach dem Auslaufen eines Projekts im Frühjahr arbeitslos geworden, im Juli wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Jetzt sucht er einen neuen Job, etliche Bewerbungen hat er seitdem geschrieben. „Aber bis zu einem Vorstellungsgespräch habe ich es noch nicht geschafft“, erzählt er. Eine telefonische Akquise traut er sich nicht zu: „Da bin ich so unter Stress, da fehlen mir manchmal die Worte.“ Trotzdem fühlt er sich fit, er schwimmt regelmäßig, tanzt gern. Alle seine Freunde wissen inzwischen, dass er an Alzheimer erkrankt ist.

Betreute Selbsthilfegruppen, in denen Kranke über ihre Probleme sprechen können und Tipps erhalten, mit der Krankheit umzugehen, sind bislang selten. Außer in Hannover gibt es vergleichbare Angebote noch in Berlin, Stuttgart und München. Bereits vor vier Jahren richtete die Alzheimer Gesellschaft Hannover eines der bundesweit ersten Angebote für Betroffene ein. Diese Gruppe hat sich aufgelöst, die jetzt neu gegründete beginnt gerade erst zu arbeiten. Zum Programm gehören Gedächtnistraining, leichte körperliche Übungen, gemeinsames Musizieren und das Besprechen aktueller Probleme. „Es ist gut, dass Sie in die Gruppe kommen“, bestärkt Gudrun Hirsch die Teilnehmer. „Jetzt können Sie ihren Alltag noch weitgehend selbstbestimmt organisieren und Techniken trainieren, die Ihnen auch beim Fortschreiten der Erkrankung helfen.“ Bis vor ein paar Jahren seien die Angehörigen Demenzkranker – Alzheimer ist die häufigste Form einer Demenz – erst dann in die Beratungsstelle gekommen, wenn schon alles zu spät war, erzählt die 68-Jährige. Heute ermöglichten die frühen Diagnosen einen ganz anderen Umgang mit der Krankheit. „Unsere Aufgabe ist es, Ihnen Mut zu machen, dass es auch noch schöne Seiten im Leben gibt“, bestärkt Hirsch die Teilnehmer. Trotz der Erkrankung sei es möglich, bis zuletzt zu Hause zu bleiben. „Mit einem großen Netz an Freunden und Helfern kann das gelingen“, erläutert Hirsch.

Klaus J.* erzählt, dass er sein Auto verkauft habe, aber immer noch gern mit dem Zug fahre, allein, Umsteigen inklusive. „Meine Ex-Frau wird dann immer ganz unruhig“, erzählt der 71-Jährige. Vorsichtshalber habe er immer einen Zettel mit Namen, Adresse und Telefonnummer bei sich. „Es ist schon etwas anderes, wenn ich heute etwas vergesse. Früher hätte ich darüber gar nicht nachgedacht“, bekennt er offen. „Ich habe auch Angst, dass das immer schlimmer wird.“ Deshalb sei es für ihn besonders wichtig, in Kontakt mit Nachbarn und Freunden zu bleiben. „Wenn ich einen Tag nicht mit jemandem gesprochen habe, merke ich, dass mir etwas fehlt.“ Seine Frau habe ihn vor drei Jahren verlassen, „weil ich sie genervt habe“.

Die anderen in der Gruppe pflichten Klaus J. bei. Auch sie kennen diese Aussetzer, die Momente der Orientierungslosigkeit, die ihnen Angst bereiten. „Mir ist es neulich an einer Straßenbahnhaltestelle passiert, dass ich für einen Moment nicht mehr wusste, wo ich war“, erzählt Reinhard B. Auch Annemarie R. kann dieses seltsame Gefühl beschreiben. „Manchmal, wenn ich mich schnell umdrehe, dann weiß ich nicht mehr, wo ich bin.“

Der zurückhaltende Herr A. verfolgt das Gespräch interessiert, er beteiligt sich aber nur, wenn er direkt angesprochen wird. Herr A., ein gebürtiger Iraner, hat früher Mathematik unterrichtet. Das kann er jetzt zwar nicht mehr, „aber ich würde so gern noch etwas tun“, sagt der 69-Jährige. Er langweile sich sehr, denn im Haushalt kümmere sich seine Frau um alles, wie immer. Das Einzige, was ihm noch Spaß bereite, sei das regelmäßige Joggen. Vor drei Jahren wurde die Krankheit bei ihm festgestellt. „Vielleicht können Sie Kinder in Rechnen unterrichten“, schlägt Gudrun Hirsch vor. Gern würde er noch ein Instrument erlernen.

Weil einige Teilnehmer bereits in der vorigen Stunde den Wunsch geäußert hatten, musizieren zu wollen, hat Gudrun Hirsch diesmal Klanghölzer, Rasseln und Trommeln mitgebracht. Die sechs Männer und Frauen greifen begeistert zu, eine Melodie aber kommt nicht zustande. „Hier fehlen die hohen Töne, ich denke an eine Flöte“, meint die ehrenamtliche Gruppenleiterin. Das nächste Mal will sie CDs mitbringen: „In der vorigen Gruppe haben wir viel gemeinsam gesungen“, sagt sie.
* Namen von der Redaktion geändert

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