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Aus der Stadt Betriebe laufen Sturm gegen Region
Hannover Aus der Stadt Betriebe laufen Sturm gegen Region
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00:15 20.01.2014
Von Bärbel Hilbig
Die Schüler der BBS 6, hier bei einer Demo im Dezember, wollen am Goetheplatz bleiben.
Die Schüler der BBS 6, hier bei einer Demo im Dezember, wollen am Goetheplatz bleiben. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Auch weitere Bildungsgänge sollen in einem Rundumschlag an neue Standorte verschoben werden. Betroffene beklagen auf breiter Front, nicht einbezogen worden zu sein.

„Wir haben fast 150 Auszubildende an der BBS 6 und sind nicht einmal gefragt worden“, sagt Ralf Meyer, Leiter der VW Akademie GmbH von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Die Azubis seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, Burgdorf aber sehr schlecht erreichbar. „Aus Sicht eines Großunternehmens mit insgesamt 600 Azubis ist das nicht das Schulangebot, das wir uns wünschen.“ Meyer plädiert dafür, den Standort Hannover zu halten. „Es ist viel Steuergeld in die Werkstätten geflossen. Die Schule ist in der aktuellen Pkw-Kfz-Technik auf einem verdammt guten Stand.“

„Die Diskussion wurde in einem kleinen Kreis an den Betrieben und den betroffenen Schulen vorbei geführt“, kritisiert Peter Dreyer, Landesinnungsmeister für Fahrzeug- und Karosseriebauer. Seine Innung mit rund 20 Betrieben im Raum Hannover lehnt den Standort Burgdorf ab. An der BBS Burgdorf ist bereits die Kfz-Technik für Nutzfahrzeuge angesiedelt. Wegen der Anfahrt vermeiden es manche Firmen allerdings bereits jetzt, ihre Azubis dorthin zu schicken und nehmen in Kauf, dass die BBS 6 nur eine verwandte Ausbildung bietet.

Viele Betriebe befürworten zur langfristigen Qualitätssicherung eine Zusammenlegung der Kfz-Ausbildung - aber dann in Hannover. Die Lkw-Sparte der BBS Burgdorf ließe sich in Nähe zur BBS 6 in der Feuerwache 1 unterbringen, so ein Vorschlag. Eigentümer ist allerdings die Stadt, die dort Wohnbebauung plant. „Hannover ist ein Industriestandort mit Schwerpunkt Automobil. Es ist mehr als fragwürdig, die Berufsschule zu entfernen“, sagt Hermann Stolle vom gleichnamigen Karosseriebauunternehmen. Wenn die BBS Burgdorf ohne Zuwachs aus Hannover nicht zu halten sei, solle sie aufgegeben werden. Die Innung der Kfz-Techniker mit rund 80 Betrieben und 370 Azubis an der BBS 6 hat sich noch nicht festgelegt. Eine Konzentration der Ausbildung sei denkbar. „Über den Standort muss aber diskutiert werden“, sagt Geschäftsführer Gerhard Michalak.

Neben dem Kfz-Gewerbe ist auch die Steuerberaterkammer Niedersachsen alarmiert, weil rund 400 Steuerfachangestellte künftig in Springe unterrichtet werden sollen. Steuerberater und Kfz-Betriebe sorgen sich gleichermaßen um die Nachwuchsgewinnung. Ausgerechnet in Hannover würden Ausbildung und Betriebe geschwächt. „Angesichts des Fachkräftemangels brauchen wir attraktive Angebote. Aber die Region arbeitet genau entgegengesetzt“, sagt Mona Kohne, Geschäftsführerin vom Autohaus Halm. Die Region steht vor mehreren Problemen. Sie muss ihre vorhandenen Gebäude wirtschaftlich nutzen. Mit der Aufgabe des maroden BBS 3-Gebäudes und den in der Folge geplanten Verschiebungen der Schüler hofft sie, günstig davonzukommen. Außerdem will sie die drei Berufsschulen im Umland halten. Doch anders als in Hannover sinkt dort die Zahl der Auszubildenden, weitere Rückgänge sind prognostiziert.

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