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Aus der Stadt Betrüger verkaufte 87-mal nur heiße Luft
Hannover Aus der Stadt Betrüger verkaufte 87-mal nur heiße Luft
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00:25 12.09.2014
Von Michael Zgoll
Der Betrüger nutzte das Portal ebay-Kleinanzeigen.
Der Betrüger nutzte das Portal ebay-Kleinanzeigen. Quelle: Screenshot
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Hannover

Seine vermeintlichen Schnäppchen waren nur heiße Luft. Jetzt hat das Amtsgericht Hannover den 24-Jährigen Langenhagener wegen gewerbsmäßigen Internetbetrugs in 87 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Die Strafe fiel deutlich höher aus als von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert; diese hatten eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für ausreichend empfunden. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hatte zugegeben, zwischen Februar 2013 und Februar 2014 beliebte Handys auf dem Kleinanzeigenmarkt der Auktionsplattform angeboten zu haben, und das gleich 79-fach. Es handelte sich um die Modelle Samsung Galaxy S3 und S4 sowie iPhones von Apple. Die Preise waren äußerst reizvoll, lagen bei 100 bis 190 Euro pro Telefon.

So fanden sich schnell genügend gutgläubige Käufer, die das gebotene Misstrauen gegen die Superschnäppchen außer Acht ließen. Ihr Geld überwiesen sie auf ein Konto von Jan G.s Bruder, das dieser nicht nutzte. Im Laufe von zwölf Monaten wurden auf dieser Bankverbindung Einnahmen von 13.000 Euro verbucht – doch auf die Lieferung der begehrten Ware warteten die Kunden vergeblich. Das Einzahlungskonto war für die Polizei der Hebel, an dem sie ihre Ermittlungen ansetzte. Doch als Jan G. mitbekam, dass sein Bruder ins Fadenkreuz der Justiz geriet, packte er aus. Er habe die Plattform der Ebay-Kleinanzeigen für seine Scheinverkäufe gewählt, da er dort keine negativen Bewertungen von geprellten Kunden habe fürchten müssen, so seine Einlassung.

Und das aus den Betrügereien stammende Geld habe er zur Finanzierung seiner Spielsucht gebraucht. Wie es hieß, soll der Langenhagener deutlich mehr als 87-mal Scheinverkäufe getätigt haben. Doch erstattete seine Mutter mehreren Geschädigten ihr Geld, sodass diese Anzeigen unter den Tisch fielen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Lars Römermann verwies darauf, dass G. bereits zweimal wegen Internetbetrugs verurteilt worden war und unter Bewährung stand. In der Urteilsbegründung sagte Römermann, dass es „einer besonderen kriminellen Energie und Verwerflichkeit bedarf, wenn man auf Kosten von Bruder und Mutter vorgeht und diese der Gefahr eines Strafverfahrens aussetzt“. Als dreist empfand es das Gericht zudem, dass der Angeklagte nach einer polizeilichen Hausdurchsuchung noch drei weitere Mobiltelefone verkaufte – Telefone, die es immer noch nicht gab.

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