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Aus der Stadt Beute oder Erbe? Waffennarr will Geld zurück
Hannover Aus der Stadt Beute oder Erbe? Waffennarr will Geld zurück
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00:16 30.06.2017
Von Tobias Morchner
Quelle: Symbolfoto
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Hannover

„Wir klagen gegen die Landeshauptstadt Hannover, die sich bislang weigert, die Wertgegenstände und das Geld herauszugeben“, sagt Rechtsanwalt Christian Neumann.

Nach Auskunft des Verwaltungsgerichts soll die mündliche Verhandlung noch im Juli stattfinden. Uwe G. war 2013 vom Landgericht Hannover zu der Haftstrafe verurteilt worden, weil er gegen das Waffengesetz und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen hatte. Bei den Durchsuchungen der vollkommen verwahrlosten Wohnungen in der Oststadt und im Zooviertel stieß die Polizei damals nicht nur auf ein riesiges Waffenarsenal, sondern auch auf Bargeld und Schmuck. Im Verfahren vor dem Landgericht ging es allerdings ausschließlich um die Waffen. „Fotos von den Schmuckstücken und den Münzen sind damals veröffentlicht worden - bis heute hat niemand Besitzansprüche angemeldet“, sagt Strafverteidiger Neumann.

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Nach dem rechtskräftigen Urteilsspruch hatte die Staatsanwaltschaft Hannover die Wertgegenstände und das Bargeld, wie in so einem Fall üblich, freigegeben. Doch die Landeshauptstadt beschlagnahmte das Vermögen des heute 73-jährigen Uwe G. mit dem Hinweis auf das Niedersächsische Gesetz über die öffentliche Sicherheit und Ordnung. „Die Stadt argumentiert sinngemäß, wenn mein Mandant das Geld bekäme, würde er sich sowieso nur wieder neue Waffen kaufen“, sagt Rechtsanwalt Neumann.

Allein 90.000 Euro geerbt

Der Jurist will in der mündlichen Verhandlung Beweise vorbringen, die belegen sollen, dass sein Mandant der rechtmäßige Besitzer des Geldes und des Schmucks ist. So habe G. allein 90.000 Euro in bar von einer früheren Lebensgefährtin geerbt. „Darüber gibt es ein Testament“, sagt Neumann. Zudem waren bei den Durchsuchungen auch Sparbücher beschlagnahmt worden, die auf den Namen der Mutter des 73-Jährigen liefen. „Nicht einmal die bekommt mein Mandant ausgehändigt“, sagt der Jurist. Auch der Schmuck soll zu einem großen Teil aus dem Erbe der Mutter stammen.

Es gibt allerdings noch eine zweite Theorie zur Herkunft des Schmucks: Uwe G. war 1980 und 1981 gemeinsam mit einem Komplizen als „Villenschreck“ in Hannover bekannt. Sie kundschafteten wohlhabende Leute aus, stiegen in deren Abwesenheit in die Häuser ein und erbeuteten Schmuck und andere Wertgegenstände. Wegen 44 solcher Taten wurde G. 1982 zu neun Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach der Entlassung aus der Haft fiel Uwe G. kaum noch polizeilich auf - bis man ihn wegen der illegalen Waffen verurteilte. Im Oktober hat der 73-Jährige auch diese Strafe abgesessen und kommt frei. „Es geht ihm trotz seines Alters gut“, sagt Rechtsanwalt Neumann. Es ist nicht auszuschließen, dass ihm am Tag der Haftentlassung zumindest ein Teil des sichergestellten Vermögens wieder zugänglich gemacht wird.

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