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Aus der Stadt Biber lassen Leinepegel um 1,20 Meter steigen
Hannover Aus der Stadt Biber lassen Leinepegel um 1,20 Meter steigen
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21:47 16.02.2015
Von Bernd Haase
200 Jahre waren die Biber aus dieser Gegend verschwunden – seit 2005 besiedeln sie die südliche Leineaue wieder. Quelle: dpa
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Hannover

Der Biber als Baumeister im Tierreich reguliert den Wasserstand von Fließgewässern nach seinen Bedürfnissen; das hat ihm die Natur so mitgegeben. Was sie ihm nicht mitgegeben hat, ist, dabei auch die Anforderungen des staatlichen Wassermanagements im Auge zu behalten. An der Alten Leine im Bereich von Hemmingen und Pattensen wird das jetzt zum Problem. Dort haben die Biber mit ihren Dammbauten dafür gesorgt, dass Äcker und Wiesenflächen nass geworden sind. In Hemmingen-Harkenbleck und Pattensen-Koldingen sind die Grundwasserstände gestiegen - keine Freude für Anwohner mit Kellern.

200 Jahre waren die Biber aus dieser Gegend verschwunden; seit 2005 besiedeln sie die südliche Leineaue wieder. „Es ist die einzige Art, die ihre Umgebung komplett an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann“, sagt Tonja Mannstedt, Leiterin des Biberschutzprojektes in Laatzen. Friedrich Hüper, Geschäftsführer des Gewässer- und Landschaftspflegeverbandes, hat nachmessen lassen. „Um bis zu 1,20 Meter haben die drei Biberfamilien mit ihren Bauten den Pegel angehoben“, sagt er. An der Harkenblecker Furt kann man die Folgen sehen. Blickt man nach Norden, sehen Dutzende Hektar normalerweise zur Heuernte genutzte Wiesen mittlerweile aus wie ein Feuchtgebiet. Im Süden steht Wasser auf rund 50 Hektar Ackergelände, wo eigentlich Weizen, Raps und Mais wachsen sollen.

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„Wir freuen uns alle, dass die Biber wieder hier sind“, betont die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarth, in deren Wahlkreis die Nager bauen. Bei den Landwirten ist die Begeisterung getrübt. Wenn die Flächen nicht nutzbar seien, komme das langfristig einer Enteignung gleich. Nur: Urheber ist in diesem Fall eine streng geschützte Art. Flachsbarth rät den Landwirten, mithilfe des Landes Entschädigungszahlungen beim Bund zu beantragen. Außerdem wollen alle Beteiligten überlegen, wie man die Folgen des Dammbaus eindämmen kann, ohne die tierischen Handwerker zu vergrämen. Möglich sind zum Beispiel künstliche Durchflüsse in den Dämmen, Schöpfwerke oder Umfluter. Ein Runder Tisch soll nach Lösungen suchen, die allen gerecht werden. Problem könnte sein, dass die Biber dabei nicht vertreten sind.

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