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Aus der Stadt Ein Tag wie aus dem Bilderbuch
Hannover Aus der Stadt Ein Tag wie aus dem Bilderbuch
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00:15 11.02.2015
Von Gunnar Menkens
Angelina Wedemeyer mit Sohn Christian Bilderbuch-Sonntag vom Lesenetzwerk im Pavillon. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Angekündigt auf dem handlichen Programmzettel ist für Sonntag, 11.30 Uhr: Lesung und Nähworkshop mit Kinderbuchautorin Ruth Feile. Die Münchenerin liest aus „Wutz, Butz und Papa Bär“, wo es, sehr verkürzt gesagt, um einen aufregenden Tag im Leben von Butz, dem Bärenkind, geht. Man sollte auf keinen Fall zu spät zur Lesung kommen. Feile schätzt aus langer Erfahrung, dass in ungefähr sieben Minuten alles vorbei ist. Ihr Publikum sitzt auf dem Fußboden auf schwarzen Filzkreisen, es sind Mütter und Väter und ihre kleinen Kinder, die ins Buch gucken, während Ruth Feile den Text liest. Dann geht es aber sowieso erst los. Auf einem Tisch liegt ein großer Haufen mit Bildermotiven, die Kinder selbst aufbügeln oder, wenn sie älter sind, zusammennähen können. So, wie Ruth Feile selbst ihr Buch produzierte. Wutz, Butz und Papa Bär und alle Freunde sind aus Stoff genäht und fürs Buch fotografiert.

Der Hannoveraner Bilderbuch-Sonntag für Familien hat in diesem Jahr bereits zum 7. Mal stattgefunden. Zahlreiche Familien besuchten die Veranstaltung im Raschplatz-Pavillon auf der Lister Meile. Inspiriert haben nicht nur Bilderbuchaustellungen, sondern auch der spielerischen Umgang mit Büchern.

Es war den ganzen Tag über voll im Pavillon am Raschplatz. Das Projekt Lese­start Hannover hatte zum Bilderbuch-Sonntag Eltern und Kinder unter vier Jahren eingeladen. Es gab Lieder, Fingerspiele, Bilderbuchkino, Stabfigurentheater und natürlich ein Buch nach dem anderen zu betrachten. An einem langen Maltisch saßen Kinder, aber irgendwie malten oft eher dazugehörige Eltern hinter ihnen. Zur Eröffnung sagte Kulturdezernentin Marlis Drevermann, dass es wichtig sei für Kinder, „Lesekompetenz auch außerhalb der Schule zu fördern und Bibliotheken kennenzulernen“. Am Ende des Tages, als Koordinatorin Brigitte Dill zusammengezählt hatte, waren 1850 Erwachsene und Kinder in den Pavillon gekommen.

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Etliche waren morgens dabei, als Schirmherr und Autor Ingo Siegner das Erdmännchen Pauline auf einen großen Block malte. Es hat lange Haare, ein Fußballtrikot und Stollenschuhe und es spielt für Hannover 96. Wenn man es recht mitbekommen hat, gewinnt der Verein das Spiel in seiner Geschichte 7:0, und wollte man nach einem pädagogischen Hintersinn suchen, dann könnten junge Leser lernen, dass die Welt in Büchern oft besser ist als die Wirklichkeit. Was das Publikum von Ingo Siegner noch erfuhr: Oft haben Kinderbuchschreiber Lust zu arbeiten, manchmal aber auch nicht.

Angelina Wedemeyer sah sich den Auftritt mit Christian an. Der ist zweieinhalb Jahre alt und saß bei seiner Mutter, die sich bald zu fragen begann, wann er sich wohl melden würde. Was er nicht tat. Christian, der zu Hause eher mit Bauernhofgeschichten beschäftigt ist, hörte zu. Eine halbe Stunde lang.

Da war Familie Persike noch nicht da. Sie hatte in der Krippe einen Flyer gesehen. Das Programm hörte sich ganz gut an, fanden sie, beide selbst Leser, und gingen los zum Pavillon. Tochter Lotta, fast drei Jahre alt, interessierte sich für Wimmelbücher und die Wandzeichnungen und beides gab es reichlich.

Und so ist es bei einem großen Teil der Besucher: Wo Bücher zum Leben gehören, wachsen auch Kinder mit Büchern auf. Seit 2009 gibt es den Bilderbuch-Sonntag, damals gegründet, „um Eltern so früh wie möglich zu erreichen“, sagt Dill. Bleibt noch, Eltern zu erreichen, die man bisher nicht erreicht.

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