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Aus der Stadt Bildungsdebatte: Weil besucht Hofmoschee in der Grabbestraße
Hannover Aus der Stadt Bildungsdebatte: Weil besucht Hofmoschee in der Grabbestraße
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11:24 28.08.2010
Stephan Weil wird in der Hofmoschee von Imam Machmud Jlek (rechts), Mohamad Kobbani (Zweiter von rechts) und Annett Abdel-Rahman (Dritte von rechts) empfangen.
Stephan Weil wird in der Hofmoschee von Imam Machmud Jlek (rechts), Mohamad Kobbani (Zweiter von rechts) und Annett Abdel-Rahman (Dritte von rechts) empfangen. Quelle: Uwe Dillenberg
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Ohne Schuhe steht Oberbürgermeister Stephan Weil auf dem bunten Teppich und wiegt bedächtig den Kopf. Ob denn die Gemeinde auch Jugendarbeit betreibe, will er wissen. „Nun ja“, meint Mohamad Kobbani, Sprecher der Hofmoschee in der Grabbestraße, „das können wir uns nicht leisten. Denn man müsste ja Fachkräfte bezahlen.“ Aber für einen eigenen Imam, also einen Prediger, reiche offenbar das Geld, entgegnet Weil. Kobbani zuckt die Achseln. „Imam Machmud Jlek wird aus unseren Spenden bezahlt. Er ist für uns sehr wichtig, denn jeden Freitag beim Gebet hilft er, unsere inneren Batterien wieder aufzuladen.“ Der ganz in Weiß gewandete Imam lacht, nachdem ihm ein Dolmetscher den Dialog ins Arabische übersetzt hat.

Es war am Freitag keiner der üblichen Moscheebesuche, die der Oberbürgermeister seit einiger Zeit regelmäßig absolviert. Denn die Gespräche im Gebetsraum der Vahrenwalder Hofmoschee standen ganz im Zeichen der Bildungsdebatte, die eine Studie der Stadt kürzlich angestoßen hatte. Die Erhebung zeigt, wie stark die Herkunft aus bestimmten Stadtteilen die Schulkarrieren der Kinder bestimmt. Zugleich dröhnt Bundesbanker Thilo Sarrazin durch die Medien und spricht Muslimen jeglichen Willen zur Bildung und zur Integration ab.

„Es stimmt nicht, dass allen Migranten die Schulbildung ihrer Kinder gleichgültig ist“, ereiferte sich Annett Abdel-Rahman, Mitglied der Vahrenwalder Moscheegemeinde. In den Integrationskursen, die sie gebe, kämen immer wieder Mütter zu ihr, die fragten: „Mein Kind soll lernen, aber wie schaffe ich das?“ Den Grund sieht die zum Islam konvertierte Deutsche in den rigiden Schulformen der Heimatländer. „In arabischen Ländern, aber auch in der Türkei, werden die Kinder nicht zum selbstständigen Lernen erzogen, da wird vor allem gepaukt“, berichtete sie. Erschwerend kämen dann noch mangelhafte Sprachkenntnisse der Eltern hinzu. Der Wille, die Kinder zu fördern sei da, aber es fehle an der Kompetenz. Daher ihre Forderung an den Oberbürgermeister: Eltern darin zu schulen, wie sie ihre Kinder schulisch begleiten können.

Weil verwies auf die Familienzentren, in denen seines Erachtens genau das passiere. „Dort werden nicht nur Kinder betreut, sondern auch Eltern unterrichtet“, sagte er. Zudem gebe es eine Menge freiwilliger Initiativen, etwa die Lesementoren, die Familien auch zu Hause aufsuchen.

Abdel-Rahman glaubt nicht an den Erfolg der Familienzentren, aber das sagt sie erst, nachdem der OB die Moschee verlassen hat. „Für viele Migranten ist es schwierig, die Elternkurse zu besuchen, denn damit gestehen sie ja ein, dass sie es selbst nicht schaffen“, gibt die Konvertitin zu bedenken. Überzeugungsarbeit könnten die Imame leisten, die dann als Vermittler zwischen den Angeboten der Stadt und den Muslimen fungieren. Aber bis dahin müsse wohl noch so manche Barriere überwunden werden. Imam Jlek nickt heftig mit dem Kopf, während er sich Teile des Gesprächs mit Weil übersetzen lässt.