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Aus der Stadt Didacta in Hannover eröffnet
Hannover Aus der Stadt Didacta in Hannover eröffnet
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00:16 27.02.2015
Von Saskia Döhner
In Tablet-Klassen brauchen Schüler keine Bücher oder Hefte mehr – aber passt das zum aktuellen Handyverbot? Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

„Das interaktive Whiteboard wird die Kreidetafel verdrängen“, meint Wassilios Fthenakis. Er ist davon überzeugt, dass Unterricht ohne digitale Medien in Zukunft nicht möglich sein wird. Deutschland habe bei der Digitalisierung der Klassenräume noch großen Nachholbedarf, sagte der Präsident des Didacta-Verbandes zur Eröffnung der weltgrößten Bildungsmesse am Montag in Hannover: „Andere Länder, etwa in Skandinavien, sind da viel weiter.“ Fthenakis fordert mehr Investitionen in diese Entwicklungen. Zum Tablet und der interaktiven Tafel gehörten auch die passenden Möbel: „Lernräume müssen so gestaltet werden, dass Kinder Freude am Lernen haben.“ Denn die Zeit, die sie täglich in der Schule seien, werde immer länger.

Fast scheint es so, als hätten sich die Lehrer, die am Eröffnungstag der Didcata besuchen, diese Worte schon zu Herzen genommen. Denn neben übergroßen Plastiktüten mit Prospekten und Büchern sind wippende Rollhocker das Stück, was die meisten nach Hause tragen.     

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Bundesbildungsministerin Johanna Wanka hat die Bildungsmesse in Hannover eröffnet.

Mehr als 750 Aussteller informieren über die Lernwelt von morgen. Da gibt es digitale Atlanten für Computer oder Tablet – mit dreidimensionalen Karten, bei denen man wie im Hubschrauber über den US-amerikanischen Grand Canyon fliegen kann. „Mit einem Klick werden Schüler mit Google Earth verbunden“, sagt Rainer Stahl, bei Klett für den neuen Welt-Atlas zuständig, „und für Lehrer gibt es einen passenden Unterrichtsassistenten.“ Auch Westermann hat erstmals einen vollständig digitalen Diercke-Weltaltas entwickelt, der im Mai erscheint und auf der Didacta präsentiert wird. Es geht um aktuelle Themen wie Globalisierung (Migration nach Europa, Ferntourismus, globale Warenketten) oder die illegale Aneignung von Land in Kambodscha. Auch zum Fracking in North Dakota oder zum Kampf um die Krim finden Schüler Informationen in dem Atlas. So faszinierend das digitale Angebot ist, das Buch wird bleiben, sind die Verlage überzeugt: „Im klassischen, gedruckten Atlas werden die Schüler weiterhin blättern“, sagt Klett-Mann Stahl.

Im Klassenzimmer der Zukunft lernt man weniger mit dem Whiteboard, sondern vermehrt mit Tablets, wie sich Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Stand von Samsung Electronics zeigen lassen. Eltern freuen sich, wenn die Ranzen ihrer Kinder leichter werden, weil sie nur noch ein flaches Tablet und keine schweren Bücher mehr in die Schule schleppen müssen, Schüler finden interaktive Präsentationen mit kleinen Filmen deutlich spannender als trockene Arbeitsblätter auf Papier.

Auch für Lehrer bietet die virtuelle Welt viel Erleichterung – zumindest bei einer bestimmten Art von Test: Das „Cloud Board“ ermöglicht, dass Schüler ihre Klausur direkt in ihrem Tablet-Computer schreiben, sofern es sich um einen sogenannten Multiple-Choice-Test handelt. Das Gerät korrigiert von allein und stellt auch den Notenspiegel her. Verteilen muss der Lehrer die Resultate auch nicht mehr – jeder Schüler kann digital nachsehen. Bernd Spiegula-Kollmeier, der in München bei BMW Auszubildende betreut, staunt: „Das ist ja einfach.“

Schöne neue Lernwelt. Doch wie sieht die Realität aus? „Solange die Leitungskapazität an den Schulen nicht entsprechend ausgebaut ist und alles zusammenbricht, wenn 600 Schüler um 8 Uhr zeitgleich online auf Schulbücher zugreifen, sind wir von einer echten Digitalisierung des Unterrichts weiter entfernt“, meint Gabriela Carmanns, beim Stuttgarter Klett-Verlag für Niedersachsen zuständig. Sie glaubt nicht, dass Lernen bald komplett digital wird – „wohl aber Teile des Unterrichts“. Noch sei zudem gar nicht wissenschaftlich erwiesen, wie hoch die Erfolgsquote beim Lernen mit Tablet und Whiteboard sei. Weil an den meisten Schulen ein Handyverbot herrscht, konzentrieren sich die Aussteller auf der diesjährigen Didacta auf Tabletangebote. Aber das Smartphone, mittlerweile schon bei Fünftklässlern verbreitet, weil fast jeder im Whatsapp-Klassenchat sein will, wird sich nicht dauerhaft aus dem Klassenraum verbannen lassen, sagen Bildungsexperten.

Wer sich mit den neuen Medien nicht auskenne, der bleibe außen vor, sagt Didacta-Präsident Fthenakis und gibt dem Begriff Inklusion noch eine neue Komponente: „Neben der Ausgrenzung wegen Behinderung, Religion oder des Geschlechts droht die Ausgrenzung von Kindern, die keinen Zugang zum Internet haben.“     

So kann's gehen - Vorbilder aus der Region

Grundschule am Stöckener Bach: Heterogene Schüler kennt Rektorin Ruth Pfeiffer schon lange. Seit 1994 werden hier schon Kinder mit Förderbedarf unterrichtet, den Begriff Inklusion kannt damals noch kaum jemand. Seit 1998 gibt es ein regionales Integrationskonzept. Herkunftssprachlicher Unterricht gehört zum Angebot wie islamischer Religionsunterricht udn eine Sprachlernklasse für Kinder ohne Deutschkenntnisse. „Wir leben Vielfalt“, sagt Pfeiffer. Am Stand des niedersächsischen Kultusministeriums präsentiert sie auch ihr Ganztagsangebot.

Integrierte Gesamtschule Stöcken: Sonderpädagogen wie Imke Ebbing sind hier fest im Kollegium verankert, eine Seltenheit. Die Kinder mit Handicap werden gemeinsam mit den übrigen Schülern, aber immer wieder zeitweise auch getrennt unterrichtet. Sollte es auch für weiterführende Schulen eine sonderpädagogische Grundsversorgung geben wie an Grundschulen? Ebbing ist zweigespalen: „Es wäre schön, wenn dadurch die Stimatisierung der Kinder wegfällt, allerdings müssen die Ressourcen ausreichen, zwei Stunden pro Woche wie an den Grundschulen sind viel zu wenig.“

Hölty-Gymnasium Wunstorf: Berufsorientierung und Studiumvorbereitung sind hier ab Klasse 10 Pflicht. Ehemalige Schüler kommen bei einer Informationsbörse an das Gymnasium, wie gerade am vergangenen Wochenende, und berichten, warum sie sich für ein bestimmtes Studium entschieden haben und welche Schwierigkeiten sie dabei hatten. An der Wuntstorfer Schule werden schon seit Jahren auch geistig behinderte Kinder unterrichtet. Ein Runder Tisch in der Stadt helfe, Inklusion zu steuern, sagt Koordniator Jobst Heizmann.

dö   

Hilfe an den Bahnsteigen

Aus den Vorfällen während der Teppichmesse Domotex im Januar hat die Messe Konsequenzen gezogen. Weil die Veranstaltung die erste war, bei der Eintrittskarten zur Ausstellung nicht zur Fahrt mit Bussen und Bahnen berechtigten, waren viele Besucher überrascht worden – zumal die Üstra umfangreich kontrolliert und dafür sogar Absperrgitter aufgestellt hatte. Bei der Didacta verzichtete das Unternehmen auf diese Maßnahme, und auch die Messe selbst hat ihre Informationspolitik verstärkt. Zum einen wurden die Besucher über Mails auf die neue Regelung hingewiesen, zum anderen standen auf stark frequentierten Bahnsteigen Helfer, die die Messegäste informierten. Das Ergebnis: Es gab kein erhöhtes Aufkommen an Knöllchen für Schwarzfahrer.

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