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Aus der Stadt Guck mal, was da krabbelt
Hannover Aus der Stadt Guck mal, was da krabbelt
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00:26 26.06.2014
Von Conrad von Meding
Seit Montag nun gibt es den lebenden Beweis: Der Eremit (Osmoderma eremita) ist wirklich da. Quelle: Rainer Droese
Hannover

Dass dieser Käfer einen Fälltrupp im Berggarten für mehr als ein Jahr aufhalten kann, sieht man dem trägen Tier nicht an. Wenig behände nur klettert der mehrere Zentimeter lange Krabbler am Stamm der Linde empor. Sie sollte längst zu Kleinholz verarbeitet worden sein, zusammen mit den anderen 144 Altbäumen, die zum Teil 300 Jahre alt sind und noch aus der Zeit der Kurfürsten stammen. Doch in den Hohlräumen hatten Biologen Kot gefunden, der auf den streng geschützten Juchtenkäfer hinzudeuten schien. Seit Montag gibt es nun den lebenden Beweis: Der Eremit (Osmoderma eremita) ist wirklich da.

Der hannoversche Biologe und Käferspezialist Peter Sprick untersucht seit Tagen, welche Bäume sich die Juchtenkäfer als Behausung ausgesucht haben. Mit dem Hubwagen lässt er sich in die Kronen fahren, mit zwei Insektenfallen lauert er den seltenen Tieren auf, mit teuren Endoskopen blickt er in düstere Hohlräume. Aber nur ganz vorsichtig, denn die Larven des Käfers sind empfindlich, und keinesfalls darf der Forscher seinen Forschungsgegenstand stören. „Man könnte den Mulm aus den Hohlräumen nehmen und nach Larven suchen - aber das ist verboten“, sagt Prof. Anke Seegert von der Gartenverwaltung. Die seltene Käferart ist in der Flora-Fauna-Habitat-Richtline der EU als „prioritäre Art“ eingestuft - das gewährt ihr größtmöglichen Schutz.

Weil auch der Mensch schutzbedürftig ist und die Bäume schon lange gefährlich morsch sind, ist die historische Lindenallee seit Wochen eigentlich eher eine Stahlgitterallee - niemand darf mehr unter den Bäumen entlanggehen. Sogar zum Besuch von Prinz Andrew standen die Gitter schmucklos herum. Gartendirektor Ronald Clark hat den Kulturpolitikern des Rates jetzt versprochen, dass die Absperrgitter wohl nach dem Jahreswechsel verschwinden, wenn die Bäume gefällt sind.

Wenn alle Larven geschlüpft sind und die Käfer die hohlen Bäume verlassen haben, werden die befallenen Bäume umgesiedelt - in den Tiergarten und in Hannovers Norden, wo es schon Juchtenkäferpopulationen gibt. Im Winter wird der Berggarten für Neupflanzungen vorbereitet, und dann soll dort wieder eine Lindenallee wachsen. Ohne Käfer.

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