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Aus der Stadt Bischof nimmt Flüchtlinge in Amtswohnung auf
Hannover Aus der Stadt Bischof nimmt Flüchtlinge in Amtswohnung auf
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15:49 08.05.2015
Landesbischof Ralf Meister geht bei der Flüchtlingsunterbringung mit gutem Beispiel voran. Er hat 40 Quadratmeter von seiner Amtswohnung abtrennen lassen und stellt sie für Flüchtlinge zur Verfügung. Quelle: dpa
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Hannover

Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister hat von seiner Amtswohnung eine Zwei-Zimmer-Unterkunft für die Aufnahme von Flüchtlingen abtrennen lassen. Schon in wenigen Wochen könnten die ersten Flüchtlinge in die 40 Quadratmeter einziehen, sagte Meister am Freitag.

Es gehe darum, als Kirche nicht nur Hilfe für Flüchtlinge zu fordern, sondern selber auch etwas zu tun. „Das ist eine persönliche Geschichte, die dahinter steckt“, sagte der evangelische Geistliche. „Ich wäre vorsichtig zu sagen, dass sollte jeder machen. Nicht jeder hat die Möglichkeit dazu.“ Seine Familie und er hätten in der großzügig bemessenen Bischofswohnung Platz über. Der Plan zur Aufnahme von Flüchtlingen unter seinem Dach sei vor eineinhalb Jahren gereift. Die nun abgetrennte Wohnung vermietet die Kirche an die Stadt, die für die Belegung zuständig ist.

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Bischof will stärkere Zusammenarbeit mit dem Islam

Meister will zudem gemeinsam mit Vertretern des Islams für die künftige Verankerung der Religion in Staat und Gesellschaft kämpfen. Gemeinsam müsse man für die Erkennbarkeit von Religion im öffentlichen Raum eintreten, sagte Meister am Freitag vor dem Kirchenparlament in Hannover. Konkret sprach Meister sich für multireligiöse Einschulungsfeiern anstelle der bisherigen Einschulungsgottesdienste aus, wenn der Anteil muslimischer Schüler einen bestimmten Anteil überschreitet.

Mit Muslimen sollten Formen multireligiöser Feiern und Formate für christlich-muslimische Eheschließungen weiterentwickelt werden, sagte der Bischof. Auch die interreligiöse Kompetenz von Erzieherinnen, Lehrern und Pastoren solle über Studium und Fortbildung verbessert werden. Ausnahmeregeln für die Einstellung von Muslimen in evangelischen Einrichtungen sollten intensiver kommuniziert werden. Meister beklagte eine weit verbreitete Islamfeindlichkeit in der Bevölkerung, die er auch selber zu spüren bekomme. "Wenn ich den Begriff "Islamische Glaubensgeschwister" benutze, nur um darin eine Wertschätzung für eine andere monotheistische Religionsgemeinschaft auszudrücken, erhalte ich in einer Nacht 50 Hassmails."

Die wachsende Ablehnung von Religion in der Gesellschaft mache dem Islam in Deutschland zusätzlich zu schaffen. "Man muss sich klarmachen, dass die allgemeine Gewöhnung an eine konfessions- oder religionslose Gesellschaft immer selbstverständlicher akzeptiert wird und auf dieser Folie einer neuen Religionslosigkeit alle religiös dezidierten Haltungen zuerst einmal verdächtig werden", sagte Meister. "Vieles, was mit dem Thema "Islam" zu tun hat, wird von einer großen Empörung begleitet."

dpa

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