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Aus der Stadt Blitzer am Weidetor in Hannover knipst 27.000 Temposünder
Hannover Aus der Stadt Blitzer am Weidetor in Hannover knipst 27.000 Temposünder
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21:27 12.11.2010
Von Andreas Schinkel
Der Blitzer am Weidetorkreisel auf dem Messeschnellweg in Hannover wurde im August installiert - und hat bisher 27.000 Temposünder geblitzt.
Der Blitzer am Weidetorkreisel auf dem Messeschnellweg in Hannover wurde im August installiert. Quelle: Florian Petrow
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Die neue Blitzanlage auf dem Messeschnellweg in Höhe des Weidetorkreisels hat bisher 27.000 Temposünder erfasst – in gut drei Monaten. Das teilte die Stadt auf eine Anfrage der CDU im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld mit. „Ist das Abzocke, oder wird hier tatsächlich eine unfallträchtige Ecke entschärft?“, fragte CDU-Ratsherr Kurt Fischer und verwies auf den Herforder Richter Helmut Knöner.

Der Richter, der bundesweit Schlagzeilen macht, spricht jeden Temposünder frei, weil er viele Radarfallen für bloße Geldschneiderei hält. Es gebe keine verbindlichen Regeln, wann, wo und mit welchen Geräten geblitzt wird, meint er. Der Deutsche Anwaltsverein stärkt ihm den Rücken und glaubt, dass Blitzer häufig zum Abkassieren und weniger der Verkehrssicherheit dienten.

Die Stadt Hannover weist solche Vorwürfe weit von sich. „Es geht nicht darum, die Einnahmen aufzubessern, sondern Unfälle zu vermeiden“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Ob dies aber mit dem Blitzer am Weidetorkreisel gelingt, darf vorerst bezweifelt werden. Insgesamt sieben Auffahrunfälle ereigneten sich auf der Strecke, seit die Messanlage Anfang August installiert wurde. Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres registrierte die Polizei nur drei Unfälle, 2008 ereignete sich lediglich ein einziger Zusammenstoß. Zu der Frage, ob der neue Blitzer gar Unfälle provoziert, indem er die Autofahrer verunsichert und zu abrupten Bremsmanövern zwingt, hält sich die Polizei zurück. „Es ist noch zu früh für eine Beurteilung“, meint der Verkehrsdezernent der Polizeidirektion Hannover, Thomas Buchheit.

Autofahrer berichten der HAZ von einem wahren Blitzlichtgewitter, das die Anlage auslöse. „Das können wir so nicht bestätigen“, heißt es seitens der Stadt. Die Kamera löse lediglich dann zwei Aufnahmen aus, wenn tatsächlich zwei Fahrzeuge auf beiden Fahrstreifen zu schnell fahren. Immerhin hat die Stadt nach massiven Protesten von Autofahrern und vom ADAC ein weiteres Tempo-80-Schild rund 280 Meter vom Blitzer entfernt aufgestellt, um den Bremsweg bis zur Kontrollanlage zu verlängern.

Die Polizei betont, dass der Schnellweg an dieser Stelle seit Jahren zu den Unfallschwerpunkten Hannovers gehört. „Immer wieder kommt es zu Kollisionen beim Einfädeln in den fließenden Verkehr“, sagt Buchheit. Das liege daran, ergänzt Stadtsprecher Dix, dass der Abschnitt unübersichtlich, die Zubringerstrecke recht kurz ist. Deshalb habe man vor vier Jahren die Temposchilder ausgetauscht und die Geschwindigkeit von 100 auf 80 gedrosselt. Diese „Therapiemaßnahme“ habe jedoch nicht angeschlagen, sagt Buchheit. Erneute Geschwindigkeitsmessungen der Polizei ergaben, dass noch immer zu viele Fahrzeuge mit 100 Stundenkilometern und mehr vorbeirasten. Deshalb entschloss sich die Stadt, für 102.000 Euro einen hochmodernen Blitzer anzuschaffen, der die Temposünder ins Visier nimmt.

„27.000 Geschwindigkeitsüberschreitungen – das ist tatsächlich ein hoher Wert“, findet auch Buchheit. Die hohe Zahl verwundere ihn, weil die Installation der Anlage Anfang August ein enormes Medienecho auslöste und die Bürger inzwischen wissen sollten, dass man dort nur 80 Stundenkilometer fahren dürfe. „Die tägliche Anzahl der Verstöße nimmt allerdings ab“, sagt Stadtsprecher Dix. Knipste der Apparat anfangs noch 1000 Temposünder pro Tag, sind es jetzt weniger als 300. Trotzdem sei es erstaunlich, meint Buchheit, dass die Gefahrenstelle noch immer wenig bekannt ist.

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