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Aus der Stadt Blitzerfotos von Hells Angels gelöscht
Hannover Aus der Stadt Blitzerfotos von Hells Angels gelöscht
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00:19 22.01.2015
Von Michael Zgoll
Quelle: Symbolbild
Hannover

Im Juni 2013 waren in der städtischen Abteilung für Verkehrsüberwachung am Burgweg drei Blitzerfotos verschwunden; sie wurden später rekonstruiert. Eines davon zeigte ein Mitglied des berüchtigten Rockerclubs. Das Kennzeichen seines Autos trug die Ziffernfolge 8181, die Buchstabenkombination der Hells Angels. Der Fahrer presste ein Handy ans Ohr und brauste mit Tempo 92 über die Karl-Wiechert-Allee; somit drohten ihm ein Fahrverbot und eine hohe Geldbuße. Die angeklagte Sachbearbeiterin war vor Jahren mit einem Hells-Angels-Mitglied verheiratet und hat einen Sohn, der im Türstehermilieu arbeitet und schon mehrfach wegen schwerer Körperverletzung verurteilt wurde. Den Vorwurf, Blitzerfotos gelöscht zu haben, hatte die 50-Jährige aber stets bestritten.

Es war ein Montag im Juni 2013 gegen 22 Uhr, als eine Mitarbeiterin der Auswertungsstelle für Verkehrsüberwachungsfilme eine Datensicherung vornahm. Zu diesem Zeitpunkt waren am Burgweg noch alle Bilder vorhanden. Am Dienstagmorgen kurz nach 9 Uhr stellte die Frau fest, dass drei Fotos fehlten. Die Ermittlungen der Stadt ergaben, dass vom vierköpfigen Auswertungsteam nur die 50-Jährige als Täterin infrage kam. Eine dritte Mitarbeiterin war krank, eine vierte seit April suspendiert.

Ein Polizeibeamter sagte aus, dass auch gegen diese vierte Sachbearbeiterin ermittelt worden war. Bei Recherchen zu einem Korruptionsfall im Rotlichtmilieu war das Bundeskriminalamt auf das geschwärzte Foto einer Überwachungskamera gestoßen; die Spur führte zum Burgweg. Die 48-Jährige wurde suspendiert, doch offenbar waren die Vorwürfe nicht zu beweisen. Die Frau gewann ein Kündigungsschutzverfahren und arbeitet jetzt wieder bei der Stadt - in einer anderen Abteilung. Ähnlich lief es im Fall der 50-Jährigen, die vom Amtsgericht einen Strafbefehl über 900 Euro bekommen und Einspruch eingelegt hatte. Auch sie wehrte sich gegen ihre Kündigung und gewann ihren Arbeitsgerichtsprozess, auch sie ist wieder bei der Stadt tätig.

Die Sicherheitslücken in der Nebenstelle des Tiefbauamts waren enorm, so viel wurde deutlich. Mehrere Mitarbeiter hatten einen Schlüssel für das Büro mit den Auswertungsrechnern, das Passwort hing deutlich sichtbar an einer Pinnwand. Auch Kollegen der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung und Administratoren der Stadt hatten Zugriff auf das System. Somit gab es rund ein Dutzend Personen, die die Fotos in der Nacht gelöscht haben konnten.

„Es haben sich in der Verhandlung eine Reihe von Gesichtspunkten ergeben, die einen individuellen Nachweis der Tat nicht möglich machen“, begründete Richterin Bader ihren Freispruch. Verteidiger Wolfram Cech kritisierte, die Polizei habe sich leichtfertig auf die Ermittlungen der Stadt verlassen: „Hier wurde schlampig gearbeitet.“ Nach Auskunft von Pressesprecher Dennis Dix hat die Verwaltung inzwischen „technische und organisatorische Maßnahmen“ getroffen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt; dazu zählen eine neue Software und eine verstärkte interne Kontrolle der Mitarbeiter.

Streit um Wandbild mit PKK-Fahne: Der Prozess gegen einen Angestellten des Jugendzentrums Kornstraße ist am Montag vor dem Amtsgericht Hannover mit einem Eklat zu Ende gegangen. Der Richter ordnete weitere Ermittlungen an – daraufhin weigerten sich Unterstützer des Angeklagten zeitweise, den Saal zu räumen.

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