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Aus der Stadt „Wir gehen allen Hinweisen nach“
Hannover Aus der Stadt „Wir gehen allen Hinweisen nach“
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00:15 01.03.2015
Von Conrad von Meding
Baudezernent Uwe Bodemann, Tiefbauchef Andreas Bode und seinem Stellvertreter Peter Freiwald im Gespräch über die Ampelschaltungen in Hannover. Quelle: HAZ-Montage
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Bürger beschweren sich, dass sie mit Hinweisen auf defekte oder schlecht geschaltete Ampeln kein Gehör finden. Hat die Stadt kein offenes Ohr für Kritik?

Bodemann: Im Gegenteil! Selbstverständlich sind wir auf Hinweise der Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Wenn wir hören, dass wir nicht erreichbar sind, dann müssen wir das verbessern. Eigentlich bieten wir viele Kanäle - von unserer Bürgerservice-Telefonnummer 16 84-11 22 über die Internetseite der Stadt bis zu den Mängelkarten in den Bürgerämtern. Wichtig ist: Wir wollen, dass jeder Bürger innerhalb einer Woche eine Rückmeldung auf Hinweise erhält.

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Im Fall der fehlerhaften Ampelschaltung Wallensteinstraße sagen Bürger, sie hätten viele Anläufe unternommen, Sie zu unterrichten - und sind nicht durchgedrungen.

Bodemann: Wir wollen nicht suggerieren, dass wir fehlerfrei sind. Beim Beispiel Wallensteinstraße suchen wir noch nach der Ursache.

Das Problem, dass Autofahrer bis zu 30 Minuten vor der Ampel an der Einmündung Pyrmonter Straße stehen, ist noch nicht behoben?

Freiwald: Doch. Die eingeschaltete Fachfirma hat jetzt erst einmal dafür gesorgt, dass dieser Fehler nicht mehr passieren kann, indem die sehr komplexe Technik reduziert wurde. Die Mitarbeiter haben Teile der Ampelsteuerung getauscht und einzelne Induktionsschleifen ausgeschaltet. Damit ist sichergestellt, dass niemand mehr endlos warten muss. Aber woran es lag, dass es in bestimmten Situationen zu Fehlschaltungen kam, wissen wir tatsächlich heute noch nicht. Unsere Recherchen sind noch nicht abgeschlossen.

Bode: Und das, obwohl der Programmierer, der die Anlage vor zwei Jahren entworfen hat, selbst an der Fehlersuche beteiligt ist.

Sind unsere Ampelschaltungen in Hannover so komplex, dass sie schwer zu beherrschen sind?

Bode: Natürlich gilt auch für Ampeln der Grundsatz: je komplexer, desto anfälliger. Aber wir machen das ja, damit alle Verkehrsteilnehmer möglichst kurz auf ihre Grünphase warten müssen. Hannover hat insgesamt 530 Ampelanlagen. In der Bauverwaltung sind zwar fünf Mitarbeiter mit der Planung und technischen Betreuung von Ampeln beschäftigt, dennoch können sie nicht immer vor Ort sein.

Nun hatte ja im Fall Wallensteinstraße eine erste Analyse der Stadt ergeben, dass der von den Bürgern bemängelte Fehler gar nicht existiere. Erst auf ständige Nachfragen ist jetzt klar: Es liegt eben doch ein Fehler vor. Der ADAC schlägt deshalb eine Kommission vor, die eingeschaltet wird, wenn Bürger meinen, es läge ein Fehler vor, und die Stadt verneint das. Ist das die Lösung?

Bodemann: Ich glaube nicht, dass wir eine weitere Kommission brauchen. Aber vielleicht hilft uns ordentliche Technik weiter. Wir beschaffen noch in diesem Jahr einen neuen Ampelrechner, der den alten Vorgänger ablöst. Diese neue Generation Computer hilft uns, indem sie Auffälligkeiten in den Ampelschaltungen erkennt und darauf hinweist, dass möglicherweise irgendwo etwas nicht stimmt.

Bessere Technik soll Abhilfe schaffen, wenn die Kommunikation mit dem Bürger nicht klappt?

Bodemann: Nein! Der Computer ersetzt keineswegs die Kommunikation mit dem Bürger, aber er verbessert unsere Zugriffsmöglichkeiten auf nicht optimal laufende Anlagen. Wir sparen übrigens auch kein Personal ein, wenn der neue Computer da ist, sondern können das vorhandene Personal noch besser einsetzen.

Freiwald: Wir gehen allen Hinweisen nach. Aber wir wollen auch keine falschen Hoffnungen wecken: Wir können nicht immer Abhilfe versprechen. Nicht immer sind alle zufrieden mit den Schaltungen der Ampeln. Aber wir merken, dass wir auf Akzeptanz stoßen, wenn wir erklären, warum etwas wie geschaltet ist.

Hannover sieht Rot

Den HAZ-Videotest finden Sie in unserem Dossier.

Eine andere, von unseren Lesern benannte Problemtechnik scheint uns die Induktionsschleife für Radfahrer auf der Strecke vom Königsworther Platz zur Langen Laube zu sein. Die Leser sagen, sie funktioniert nicht, der HAZ-Videotest bestätigt das. Sie hingegen sagen, alles sei in Ordnung. Was stimmt denn nun?

Bode: Wir haben die Induktionsschleife durchgemessen und bekommen die Bestätigung, dass sie funktioniert. Daher haben wir auf Ihre Anfrage geantwortet: Technisch ist alles in Ordnung. Wenn jetzt Radfahrer bemängeln, dass die Ampel trotzdem nicht auf Grün schaltet, dann ist die Empfindlichkeit vielleicht nicht richtig eingestellt. Wir werden die Situation deshalb intensiv beobachten und gegebenenfalls nachjustieren.

Die Empfindlichkeit? In unserem Video fährt jemand mit einem Lastenrad über die Schleife, da wird viel Metall bewegt - und nichts passiert.

Bode: Wie gesagt - wir müssen das prüfen. Aber glauben Sie uns: Wir haben den Ehrgeiz, da ingenieursmäßig gute Arbeit abzuliefern, denn die Radroute Lange Laube ist ja ein Stück weit auch ein echtes Vorzeigeprojekt in Hannover.

Bodemann: Insgesamt glauben wir, dass Hannover eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur hat. Natürlich möchte jeder am liebsten immer auf seiner Strecke Grün haben - das ist ein verständlicher Wunsch. Wir versuchen aber, mithilfe ausgeklügelter Technik alle Verkehrsteilnehmer zufriedenzustellen. Dass es in Hannover - wie in allen anderen modernen Städten - eine Bevorrechtigung gibt für die Verkehrsmittel, die viele Menschen gleichzeitig befördern, ist ein politischer Beschluss, der für uns aber sehr nachvollziehbar ist. Trotz dieser Bevorrechtigung aber sind wir sicher, dass man auch mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß in Hannover sehr gut von A nach B kommt. Unabhängig davon gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten. Und wenn uns Bürger dieser Stadt auf solche Möglichkeiten hinweisen, gehen wir diesen gerne nach.

Interview: Conrad von Meding

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