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Aus der Stadt Böser Brief nach Kirchenaustritt
Hannover Aus der Stadt Böser Brief nach Kirchenaustritt
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00:15 02.04.2014
Von Simon Benne
2013 sind laut Stadtkirchenverband Hannover 2272 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Hannover

Diese Erfahrung musste jetzt der 27-jährige Miguel Rodriguez Gonzalez machen, der sich selbst als „gläubigen Christen“ bezeichnet. Da er aber, wie er sagt, seine Schwierigkeiten mit dem Finanzgebaren der Kirche habe, sei er Anfang Februar ausgetreten. Die Post, die er daraufhin von seiner früheren Gemeinde bekam, bekräftigte ihn in seiner Entscheidung.

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„Natürlich sind wir traurig, dass Sie unsere Gemeinschaft verlassen haben“, schrieb Pastor Matthias Grießhammer, um dann einen unfreundlicheren Ton anzuschlagen: Während Gott seinen Bund mit den Menschen nicht aufkündige, „haben Sie das mit Ihrem Austritt aus der christlichen Gemeinschaft leider getan“. Das sei „schmerzhaft für alle, die Gott, der Kirche und dem christlichen Glauben weiterhin treu bleiben“. Die Kirche leiste vielfältige soziale Arbeit: „Die finanzielle Situation unserer Nordstädter Kirchengemeinde wird durch Ihren Austritt auch nicht einfacher“, klagt der Pastor. Und er rechnete Rodriguez Gonzalez zum Schluss vor: „Auf ihrem Konto ist ab jetzt ein wenig mehr Netto.

Ein paar kleine Verluste gibt es auch für Sie: Ab jetzt kein Patenamt mehr, kein Abendmahl im Gottesdienst, und auf Ihrer Beerdigung wird ein evangelischer Pastor/Pastorin auch nicht dabei sein.“„Ich hätte versöhnliche Töne erwartet – stattdessen gab es nur Vorwürfe“, sagt Rodriguez Gonzalez. Er rief den Pastor an, doch auch im persönlichen Gespräch fanden beide nicht recht zueinander. „Das Schreiben soll eine Einladung zur Rückkehr sein“, sagt der Geistliche. Im Jahr 2013 sind im Bereich des Stadtkirchenverbandes 2272 Menschen aus der evangelischen Kirche ausgetreten. „Unsere Gemeinde ist mit mehr als 100 Austritten im Jahr besonders betroffen“, sagt Grießhammer frustriert: Im studentisch geprägten Milieu der Nordstadt kehrten viele der Kirche den Rücken, wenn sie einen ersten Job bekämen und Kirchensteuer zahlen müssten.

Viele Gemeinden sind inzwischen dazu übergegangen, verlorene Söhne und Töchter noch einmal anzuschreiben, um nach ihren Gründen zu fragen oder sie zu einem Gespräch einzuladen: „Das sollte die Regel sein – schließlich bedauern wir jeden Austritt und möchten den Menschen Brücken bauen“, sagt Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche. Allerdings gebe es keine verbindlichen Richtlinien für so ein Schreiben: „Das liegt in der Hand jedes einzelnen Kirchenvorstands.“ Bei den Katholiken, deren Zahl in Hannover durch Zuzüge leicht wächst, ist es ähnlich. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte vor einigen Monaten einen entsprechenden Musterbrief entworfen, den viele Pfarrer jedoch als zu harsch empfanden: „Wie der Brief letztlich aussieht, entscheidet jede Gemeinde selbst“, sagt Kirchensprecherin Annedore Beelte.Im Fall von Miguel Rodriguez Gonzalez zumindest bewirkte das Schreiben das Gegenteil des Gewollten: „Ich habe mich im Entschluss auszutreten noch bestärkt gefühlt“, sagt der Mitarbeiter der Leibniz-Universität. Immerhin hat Pastor Grießhammer sich nach seinem Telefonat mit ihm noch einmal hingesetzt und den Brief modifiziert. Der Satz mit der Beerdigung ist drin geblieben, ein paar andere Passagen hat er moderater formuliert: „Wir wollen ja niemanden verärgern.“

Musik, Religion, Bildung: Das Wochenende in Hannover war mit Konzerten von Königswort und Chris Norman, einer Kundgebung der Salafisten und einem Familienfest im Landesmuseum alles andere als langweilig. Was sonst noch am Wochenende passiert ist, erfahren Sie in unserem Wochenendrückblick. 

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