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Aus der Stadt Bothfelder protestieren gegen Asylunterkunft
Hannover Aus der Stadt Bothfelder protestieren gegen Asylunterkunft
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14:00 10.04.2013
Von Christian Link
Anwohner protestierten am Dienstag gegen den Bau eines Wohnheims in ihrer Nachbarschaft.
Anwohner protestierten am Dienstag gegen den Bau eines Wohnheims in ihrer Nachbarschaft. Quelle: Insa Catherine Hagemann (Archiv)
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Hannover

Die Anwohner wollen den geplanten Neubau zwischen Eichenweg und Autobahn mit allen Mitteln verhindern. Sie kündigten erbitterte Gegenwehr gegen die geplante Gemeinschaftsunterkunft an. Die CDU will die Anlieger in ihren Bemühungen unterstützen.

Derzeit leben 840 Asylsuchende in Hannover. Bis September werden 650 zusätzliche Flüchtlinge in der Landeshauptstadt erwartet. „Vermutlich werden es bis zum Jahresende 800 sein“, sagte Planungsamtschef Michael Heesch. Unter seiner Leitung hat die Verwaltung ein Konzept entwickelt, wie die Asylsuchenden untergebracht werden können. So mietet die Stadt bereits Wohnungen und Häuser an. Da dies nicht reicht, will die Verwaltung bis zum Herbst vier neue Gemeinschaftsunterkünfte bauen lassen. Eine davon soll in Bothfeld entstehen. Die übrigen sind laut Heesch an der Stadtgrenze zu Empelde in Badenstedt, an der Karl-Wiechert-Allee in Kleefeld und am Bischofsholer Damm neben dem Kinderkrankenhaus Auf der Bult geplant.

Derzeit leben 840 Asylsuchende in Hannover. Bis September werden 650 zusätzliche Flüchtlinge in der Landeshauptstadt erwartet. Die Stadt sucht händeringend nach Wohnraum für die Asylsuchenden.

Jedes Haus soll Platz für 50 Bewohner bieten. In Bothfeld soll dazu ein zweistöckiges Massivhaus mit einer Grundfläche von 625 Quadratmetern entstehen. Pro Etage sind fünf Wohngruppen mit jeweils fünf Bewohnern geplant, die sich eine gemeinsame Küche teilen. Außerdem werde das Haus über verschiedene Gemeinschaftsräume verfügen. Ähnlich sollen auch die anderen Neubauten aussehen - mit Ausnahme des Wohnheims auf der Bult. Weil das Grundstück kleiner ist, will die Stadt dort dreigeschossig bauen lassen.

Bauherr der neuen Wohnheime ist die städtische Wohnungsgesellschaft GBH, die die Gebäude dann an die Stadt vermietet. Welche Kosten dadurch für die Stadt entstehen, konnte Heesch in der Versammlung nicht sagen. „Die GBH hat Preis und Bauzeit für sich kalkuliert“, sagte er. Ein Angebot habe die Wohnungsgenossenschaft noch nicht gemacht. Geplante Fertigstellung ist im Herbst.

Das Flüchtlingsheim in Bothfeld soll trotz massiver Bauweise in zehn Jahren wieder abgerissen werden. Welches Schicksal die anderen Wohnheime erwarten wird, sagte Heesch nicht. Er schloss nicht aus, dass die übrigen Gebäude in „Systembauweise“ entstehen könnten. Es werde sich aber auf keinen Fall um Containeranlagen handeln.

Ein solcher Komplex wurde Anfang des Jahres an der Alten Peiner Heerstraße geschlossen. Die Bewohner sind in ein Flüchtlingsheim in Kirchrode umgezogen, das die Stadt bis Anfang 2014 vom Bauunternehmen Gundlach mietet. Die Kirchröder hatten das Wohnheim überwiegend positiv begrüßt. In Bothfeld bietet sich nun ein anderes Bild. Ein großer Teil der mehr als 200 Veranstaltungsteilnehmer äußerte sich mit Redebeiträgen und Buhrufen gegen das Projekt.

„Wir sind alle Immobilienbesitzer. Durch das Asylantenheim haben wir einen massiven Wertverlust“, sagte ein Bürger aus dem Eichenweg im Namen der Anwohner und forderte einen finanziellen Ausgleich von der Stadt. „Eine Entschädigung gibt es nicht“, stellte Heesch klar. Daraufhin musste er sich deutliche Kritik gefallen lassen.

„Sie setzen sich über die Beweggründe der Bürger wie eine Planierraupe hinweg“, ärgerte sich Anwohner Peter Kellner. Er will nun Unterschriften sammeln und zur nächsten Bezirksratssitzung am 17. April eine Petition überreichen.

Schelte für die Verwaltung gab es auch von der CDU. Ratsherr Felix Blaschzyk äußerte den Verdacht, „dass die Entscheidungen schon im Hinterzimmer an der Kommunalpolitik vorbei getroffen wurden“. Sein Ratskollege Jens Michael Emmelmann kündigte an, offene Fragen der Anwohner weiterzuverfolgen. Er drohte, das Genehmigungsverfahren gegebenenfalls im Bezirksrat zu verzögern.

Michael Zgoll 10.04.2013
Conrad von Meding 09.04.2013
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